re:publica 24, die analoge Gesellschaft

Ein Blick von außen, denn wie immer seit der dritten r:p war ich nicht da. Beileibe nicht aus fehlender Sympathie, wir brauchen sowas wie die rp und ich bin sicher, ich hätte zahlreiche Menschen dort gern mal wieder getroffen (und ich hoffe, umgekehrt ebenso). Nichtsdestoweniger eine etwas spitze Überschrift und ich will den Punkt ein wenig ausführen: aus der Außenperspektive ist die rp24 ein analoges Meeting einer Latte Wichtiger Personen in Berlin gewesen. Ich sehe das mit einigen Bedauern und das Problem beim Publikum.

Wikipedia zur rp24. Who cares.

Wikipedia zur rp24. Who cares.

Das ist nämlich genau das: ein Publikum. Das zu ner Konferenz geht, sich unterhält und sich unterhalten lässt. Und das mag für viele Events vollkommen in Ordnung sein, aber für eine Konferenz, die sich als Leitveranstaltung einer digitalen Gesellschaft in Deutschland sieht, scheint mir das ein wenig sehr unambitioniert. Eine digitale Gesellschaft kommuniziert digital, sie hat ein Interesse an digitalen Diskursen und allgemeiner Teilhabe an denselben. Sie hält ihre Themen für ausreichend wichtig, um gesellschaftlich (digital) rezipiert zu werden. Anwesende Menschen sind (und verstehen sich als) Teil dieses Diskurses, allein, sie sinds in tragisch dahinschmelzendem Ausmaß.

Das sprach Luca schon während der rp24 an und verwies auf einen Einbruch der Social-Beiträge zu den verschiedenen RPs von über 100k früher(tm) auf „naja, noch vierstellig“ heute, und mir ist das naheliegende „naja, Twitter tot“ ein wenig sehr bequem. Pfeifen im Walde: immerhin war das Fediverse nach vollendeter rp24 der dominierende Kanal.

Katja Everz diagnostiziert dasselbe in allgemeiner, und ich bin geneigt, ihr beizupflichten, allein: von einer re:publica erwarte ich halt das aktive sich-Aneignen alternativer Kanäle, wenn die großen Plattformen die Enshittification auf die Spitze treiben..

Einige Gedanken und dazu starke und nicht immer freundlich-nachsichtig gemeinte Thesen meinerseits aus einem Thread, der sich da entspann:

· Fehlende gemeinsame Echokammer (Twitter): siehe oben. Es scheint mir arg despektierlich, dass ausgerechnet eine digitale Konferenz nicht in der Lage sein soll, eine solche herzustellen.

· Fehlende Rolemodels im Fediverse: seh ich angesichts von Doctorow, tante, Pallenberg, Dahlmann etc. nicht wirklich.

· Fehlendes Interesse dran: Die Stimmen gabs tatsächlich – eine digitale Gesellschaft sei mitnichten auf digitale Verbreitung/Diskussion der behandelten Themen im Netz angewiesen (Zugegeben: Häh?)

· Der Elefant im „Twitter ist weg“-Raum: Die „wichtige“ Zielgruppe ist nicht auf $plattform: Wenn man sich nicht vorstellen kann, dass der Ministerpräsident X oder die Chefredaktion Y hier meinen Kram liest, dann lohnts für den Pöbel den Aufriss nicht.

· Kein digitaler Layer bzw. dessen Repräsentanz durch die inkompetenteste Orga überhaupt diesbezüglich. Self-Quote von nebenan: „…wenn man Fedi pushen will, dann wären Fediwall-Beamer überall ein netter Schubs gewesen. Ich muss dabei zugeben, seit ich hörte, dass ausgerechnet da die Fedi-Kiste auf der mitrepräsentieren solle, gab ich alle Hoffnung auf sinnvollen Input diesbezüglich auf.“

re:publica auf YT. Es bräuchte noch ein paar CTAs.

re:publica auf YT. Es bräuchte noch ein paar CTAs.

Ich mag Steffens Ansatz von nebenan sehr gern: die von ihm genannten Diagnosen/Gründe werden ihre Rolle spielen (Generationenwechsel, Ausdifferenzierung, und an sich lebt die Kiste durchaus). Weiter kommen (wie immer) neue Netzwerke, Plattformen, whatever und sieht vieles durchaus hoffnungsfroh aus. Nichtsdestoweniger: den Vorwurf mach ich der re:publica trotzdem. Denn meines Erachtens nach muss eine digitale Konferenz den Anspruch an sich und an alle Anwesenden haben, ihre Themen ins Digitale zu tragen. Wenn sie das nicht kann oder tut, dann ist sie halt ein Hipstertrerffen in Berlin, und Spiegel die faz schreibt halt was drüber, weil Baerbock da war. (außerdem auch Anne Roth im nd, aber das stützt eher meinen Punkt.)

Tatsächlich hofft auch Anne am Ende auf eine neue Generation, und ich mag mich aus den Gründen anschließen, dass offenbar ein Großteil der anwesenden Generation es nicht mehr für nötig hält, Impulse einer digitalen Konferenz ins Digitale zu tragen, und es mag sich wahlweise der Boomer-Schuh (saturiert halt) oder der Hipsterschlüpfer (wichtige Leute vor Ort, FOMO!) angezogen werden, aber vielleicht bin ich zu böse.

Denn immerhin hat Thomas im rp-Nachgang Uberblogr aus dem Boden gestampft und ich verspüre allerliebste Bloggingvibes. Ein bisschen Kleinbloggersdorf-Feeling sogar, nachdem mir mein Blognachbar direkt im Fediverse über den Weg lief, ein kleiner Zufall, der letztendlich dazu führte, dass ich hier sitze und genau diesen Post runtertippere. tante lieferte sehr anschauens- und anchdenkenswert ab. Außerdem wird bereits über ein Peertube für kommende RPs gesprochen und das unvermeidliche Reinlabern von padeluun wurde gottseidank ignoriert. Es ist manches im Argen, aber ich glaube, ein guter Weg ist immerhin zu erkennen.

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2 Responses to re:publica 24, die analoge Gesellschaft

  1. el flojo sagt:

    So, Anmeldung bei Uberblogr ist durch.
    Der kleine Nostalgiker in meinem Kopf, der damals so gerne Stöckchen geworfen hat, konnte nicht anders.
    :)

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