Laibach und NSK: die Inquisitionsmaschine im Kreuzverhör (und ein paar Laibachbetrachtungen)

Laibach und NSK, Buchcover

Laibach und NSK, Buchcover

Es sollte so Ende Neunziger gewesen sein, als ich in der WG einer damaligen Studi-Liaison die „neu konservatiw“ in der Hand hatte und wir über den Booklettext rätselten, in denen Laibach ihr Selbstverständnis als „slowenische Nationalisten, aber Paneuropäer“ ausführten. Seitdem sind um die 25 Jahre vergangen und ich bin stolzer Besitzer des Buches von Alexei Monroe, das ich zum einen weiterempfehlen mag und zum anderen ein bisschen zu Laibach und mir selber erzählen mag.

Letztens stieß ich auf die „Ordnung und Disziplin“-Shirts im Laibach-WTC, und ich bin jetzt nicht so der Spontanshopper, aber Himmel, shut up and take my money. Wegen irgendwas war ich vorher auf der Laibach-Wikipediaseite und erinnerte mich, dass es da einiges an relevanter Literatur geben solle, von der ich trotz längerer Laibachbegeisterung noch nichts in der Hand hatte. Monroes „Laibach und NSK: die Inquisitionsmaschine im Kreuzverhör“ kam dann (neben einem „Disziplin“-Anstecker) auch noch in den Warenkorb, schlicht weil a) einigermaßen auf dem neuesten Stand, b) deutsch und c) offenbar viel Seiten fürs Geld.

Long story short: ich kanns weiterempfehlen – wenn ihr euch für Laibach interessiert, einpacken, lesen, auch und grade, wenn man meint, doch das eine oder andere zu wissen. Und damit zu meiner Wenigkeit.

Nie wieder Krieg ohne Deutschland

Gegen Tübingen, für Krieg!

Mit dem Konzept Laibachscher Hyperaffirmation beschäftigte ich mich unter anderem Anfang der Nullerjahre, als wir den „Zatopek für Krieg“-Abend im damals legendären Club in Tübingen organisierten. „Nie wieder Krieg ohne Deutschland“, ich sag mal so, wir hatten Spaß. Und ich glaube, damals hatte ich zum ersten mal das Gefühl, begriffen zu haben, was Laibach da eigentlich machen. Ich meine, kurz danach war auch die NSK-Staatsausrufung, und das fiel in eine Zeit, in der das Internet noch ein bisschen anders und kleiner war als heute und ich das Ganze ziemlich begeistert wiederum als Hyperaffirmation aufgefasst hatte, eines extremen Elitendenkens, mit dem nicht nur der Nationalstaat in klassischem Sinn hinterfragt wurde, sondern einer sehr obskuren „Mikrostaaten“-Bewegung im Netz eben mal ein ziemlicher Stinkefinger gezeigt wurde.

Laibach, Mera Luna 2010

Laibach, Mera Luna 2010

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Blogs: To teh Fediverse!

Ich seh grade ein paar befreundete Blogger ein bisschen mit dem Fediverse fremdeln und stieß grade auf eine sehr hübsche Sache, die da einen sehr einfachen Win-Win für alle Beteiligten schaffen könnte: drei Klicks, und euer Blog (WordPress) ist eine schöne, eigene Fediverse-Instanz ohne weiteren Aufwand, und am besten: alle, die wollen, können eurem Blog dann auf Mastodon folgen.

ActivityPub für WordPress. Tut, was es soll.

ActivityPub für WordPress. Tut, was es soll.

ActivityPub von Matthias ist noch Beta, rennt meinem Dafürhalten aber stabil und auch mit dem aktuellen WP 6.1. Es macht nach Install auch fast gar nichts sichtbares: für Blogautor*innen wird schlicht ein findbares Fediverse-Account generiert, mit dem sie bzw. die verfassten Beiträge mit einstellbarem Teasertext dort gefunden werden können. Handle ist an sich selbsterklärend (@$nickname@$blogdomain), man findets aber auch im Benutzer/Profil-Backend. Weiterlesen

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Mastodon, Fediverse, ein paar Gedanken (feat. Marketing)

Ja, ich auch. Ja, wegen Musk. Ein rassistischer Vollidiot, geschenkt, aber (nicht erst) seit der Twitterübernahme ein gefährlicher Vollidiot, und wenn ich mein Scherflein beitragen kann, ihm da das Leben schwerer zu machen, so be it. Ich hab mir einen Acc auf mastodon.lol geklickt, weil der mir sympathisch aussah und nicht einer der „gehen grade alle hin/wird überlastet“-Kandidaten zu sein schien – heute dann Serverupgrade, aber hey, bzw. fein. er war dann eben doch einer der „permanent überlastet“-Kandidaten, wobei Nathan da grade einen guten Job macht mit Kisten nachprovisionieren. Mir wars dann aber doch ein wenig zu viel Geruckel und ich zog nach nrw.social um. Fünf Minuten, und die Sache war durch (disclaimer: Follower wurden automatisch migriert, meine Followings zog ich per Export/Import rüber – ich tippe drauf, dass es der überlastete mastodon.lol war, der das ausbremste). Long story short – im Nachgang den Server wechseln ist easy. Die einschlägigen Nazi-Instanzen sind auf meiner alter wie neuer Kiste jedenfalls gesperrt, ich für meinen Teil halte das für eine Gute Sache, weil ich durchaus weiß, was das Pack denkt und will, und weil ihre wie auch immer geartete Beteiligung an der Kommunikation vollkommen sinnfrei ist.

Mastodonte, Crossposter

Mastodonte, Crossposter

Einstiegserleichternde Mittel: Guter Einstiegspunkt zur Serverwahl ist joinmastodon. Luca hat den Fedifinder gebaut zum schnellen Scannen der Twittertimeline nach Mastodon-Acc-Infos zum nebenan folgen. Crossposter: masto.donte, Richtung Mastodon->Twitter, andersrum ists blödsinnig. Weiter: man stöbert nach langer Zeit mal wieder Freundeslisten anderer Leute durch und guckt nach bekannten oder interessanten Gesichtern. Long story short: man kriegt seine Timeline an sich recht flugs frequentiert, auf der anderen Seite braucht die Reichweite im Twittersinn länger. Was aber nicht so der Punkt zu sein scheint: denn man kommt leicht ins Gespräch. Mobil: unter iOS ist man mit Metatext sehr gut bedient.

Wie fühlts sich an? Ich schließe mich allen anderen an, klar ists flauschiger. Nicht im Sinne von „Alle furchtbar lieb und höflich“, man merkt eher einfach, dass der destruktive Mist, wie man ihn von woanders kennt, drastisch reduziert ist. Es ruckelt einiges etwas – ein paar Server kriegen grade Upgrades (oder brauchen welche), und die Federation über Instanzen macht einiges (Followen auf anderen Instanzen zB) nicht ganz so flüssig, wie mans von den Monolithen kennt. Man gewöhnt sich, für mich kein Dealbreaker. Es gibt Leute, die wegen chronologischer Timeline etwas hin- und hergerissen sind, nachdem ich Twitter mühsam die „empfohlene“ Timeline abgewöhnte, bin ich da kein Maßstab. Hashtags sind deutlich wichtiger (für Suche und für Kommunikation), da sehe ich bisher noch Defizite (ka., ob bei mir oder bei allen anderen). Da finde ich noch nicht so recht die „Andockpunkte“ für Austausch, Bubbles, whatever. Trends scheinen mir federation-bedingt nicht wirklich abzubilden, „was passiert“.

Kein SEO? Ich bin da!

Tja, und die „professionelle Nutzung“. Twitter hat sein dickstes Pfund bei den gewachsenen Netzwerk- und Kommunikationsstrukturen insbesondere der Journo- und Politblasen, und daran die Möglichkeiten für weitere Bubbles, da Gehör zu finden. Diesbezüglich Shoutout an social.bund.de, das ist schon eine sehr schöne Sache. Ansonsten kann ich hier schwer mitreden mangels Nichtzugehörigkeit. Bisher kann ich aber immerhin berichten, eine interessante Unterhaltung zum Thema Unternehmen/PR auf Mastodon geführt zu haben, aber noch keine und eine Antwort auf meine Frage ans LGBTQI*-inclusive und sexpositive Fediverse, wie man Dildos vorwärmt. YMMV, es ist so ne Sache mit den Ein-Untersuchungseinheiten-Stichproben. Weiterlesen

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Wie funktioniert der Google-Algorithmus? Ein paar starke Thesen.

Drin bevor „Aber Ruppsel, ‚den‘ Algorithmus gibts doch gar nicht?“, geschenkt. Und Widerspruch immer gerne, ich lern gern dazu und hab eh das Gefühl, die Branche hat ihre Tugend, wild über die Funktionsweise von Big G. zu spekulieren, in den letzten Jahren etwas vernachlässigt.

Wir sind erfreulich konkret geworden, wenns drum geht, es dem Algorithmus „recht zu machen“ – „Schnelles Rendern above the Fold!“ „Author/Article-Markup für besseres E-A-T“, WebP, NAP, ALTs nicht vergessen, selbst sowas wie „Hey, gute Seiten haben gelegentlich externe Links, hat John Mueller gesagt!“, das find ich persönlich sogar allerliebst. Und sowas les ich häufig. Aber wie „funktioniert“ „der“ „Algorithmus“? Ein paar Vermutungen und ein paar vermutete (und beobachtete) Nebenwirkungen.

Früher(tm) gab es die berühmten „über x Signale“, die Google zur Bewertung einer Webseite heranzieht. Titles, H-Tags z.B. onpage, Time to first byte, Time to load z.B. technisch, Backlinks und deren Platzierung offsite usw. Alles zusammen ergibt irgendwas, daraus baut Google eine Bewertung der Seite.

Dann kamen MUM, Bert, RankBrain
und wie sie alle hießen, nicht unbedingt in der Reihenfolge, und alle sind sie voll clever und machen die Googlesuche noch besser, schöner und aus Holz. Jedes Update seitdem mit großen Schritten zu besserem inhaltlichen, semantischen, intelligenten Verständnis, zu besseren Ergebnissen, vertrauenswürdigeren Daten und seriöseren Quellen.

Haha, nein. Vielmehr sehen wir bei jedem Core-Update eine Portion Seiten wieder besser werden, die vorher auf den Deckel kriegten und umgekehrt. Beim nächsten ähnlich. Im Großen und ganzen mag eine Tendenz erkennbar sein, aber hey, „iterativ“ ist da schon so ein Begriff, der mir in den Sinn kommt. Und ein wenig erinnert es mich an gaaaanz alte Zeiten, und wenn ich jetzt „Googledance“ sage und ein Kollege guckt dazu verwirrt: Glückwunsch, du kriegst die Klimakatastrophe noch voll ab.

Das Internet, 2008

Zum „Googledance“ änderten sich in alten, sehr alten Zeiten einmal wöchentlich die Rankings, und das meist sukzessive über die Rechenzentren weg. Das passierte, weil Google seinen Index neu bewertete, und das passierte halt jede Woche. Danach kamen irgendwann Caffeine und Everflux, seitdem gehts schneller bzw. andauernd. Bzw. halt, nein, seit irgendwann haben wir halt ein paar Core-Updates im Jahr.

Wisst ihr noch, das erste iPhone?

Was passiert da? Offenbar was großes, kompliziertes, denn man kanns nicht eben mal nachkorrigieren, wenns durch ist. Und Google sagts sogar recht deutlich selber, wie ihr Prozedere da ist: sie trainieren ihre KI mit Daten über qualitativ hochwertige Websites. Was qualitativ hochwertig ist, lassen sie von ihren menschlichen Quality Ratern ermitteln. Anhand dieser Daten übt die KI ein, wie „qualitativ hochwertige“ Seiten aussehen, und basierend auf dem Trainingsergebnis werden die Seiten „in the wild“ dann klassifiziert. Weiterlesen

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Die Ringe der Macht, oder neue Effizienz beim Gräber anpissen

Das Positive vorweg. Die Bildsprache ist schön, das Casting angenehm divers und trotzdem bzw grade deswegen in Ordnung. Am Budget wurde nicht gespart, auch wenn man manchen Szenen die Greenscreens arg anfühlt. Und wahrscheinlich ist jeder fremdsprachige Dialog grammatisch korrekt und abgeglichen mit Tolkiens Wörterbüchern. Es ist halt wie immer: warum scheints an nichts zu fehlen, aber wenns um Plot und Storylines geht, reichen irgendwelche Vollidioten, die sich irgendwelche Scheiße aus den Fingern saugen? Warum fehlts schon an den einfachsten Basics bei der nicht grade kargen Quellenlage?

Wir sind Mitte/Ende des zweiten Zeitalters, Ringe gibts noch keine, auf Numenor aber schon Elfenhass und „Getreue“. Dass Sauron sich schon recht früh und vor seinen Feldzügen erst mal bei den Elben einschleimte und ihnen das Ringschmieden beibrachte, geschenkt – hier macht er erst mal den Evil Genius im Hintergrund. Man muss nicht, aber kann wahrscheinlich durchaus auch mit einer solchen Rekonstellation der Ereignisse eine schöne Geschichte erzählen, aber ich ahne, es wird ebenso sinnfrei und scheiße sein wie die Patzer bis jetzt.

Denn was mich am meisten nervt: der ganze Kleinscheiß. Ohne Not obskure Scheiße in die Stories packen. Es ist ja nicht so, dass Tolkien kein Material für 10 Bände Mittelerde-Exegese hinterlassen hätte. In denen könnte man sich bedienen bis zum Erbrechen, man müsste nur halt den katholisch-moralistischen Mief ein wenig durchlüften, aber nein, machen wir doch beides: anders *und* schlechter.

Beispiel die „Mithril-Legende“. Ein „Elbenkrieger“ und ein Balrog kloppen sich bei einem Baum, in dem ein Silmaril (!) sein soll, der Blitz schlägt ein, tadah, Mithril! Und nun herrscht Klarheit über die Silmaril, von denen einer im Meer, einer in der Erde und einer im Himmel landete, aber keiner in einer verdammten Astgabel.

Karge Quellenlage

Karge Quellenlage

Ich meine, was soll der Mist? Es wird irgend ein Müll konstruiert, um ohne Not einen neuen Grund für Misstrauen zwischen Zwergen und Elfen zu konstruieren, ich meine, man muss nur wenig im Silmarillion blättern und findet grade genug schöne, kanonische und vor allem plausible Gründe, warum sich Zwerge und Elfen nicht grün sind. Mithril, wie kommts, wenn mans schon neu erfinden will? Wir sind in der glücklichen Lage, dass in Tolkiens Kosmologie das erste Licht der Welt quasi eine Flüssigkeit war, die geschöpft, vergossen, verwendet werden konnte. Warum keine Geschichte über das Licht der Bäume, die durch Spalten und Erde versickerten, qua Baumstandort eben vor allem in Valinor, aber weil $legende, auch an manchen Stellen in Numenor und unter Khazad-Dum? Alternativ: Wer hat an $ort vor Jahrtausenden einen Krug Licht verschüttet und warum, auch dramatische Gründe gern genommen. Himmel, da kam ich nach fünf Minuten Hirnsturm drauf und musste nicht mal ans Bücherregal dafür.

Das befürchtete „Schwinden der Elben“, das nur durch Mithril gebremst werden kann, weil darin das Licht des Silmaril sei, siehe oben. Was ein Schwachsinn. Das Schwinden wurde zum Thema im Dritten und Vierten Zeitalter, davor war keine Rede davon. Und wenn man jetzt ein Storymittel braucht, warum „Elben raus aus Mittelerde!“, (und vielleicht sogar für das analog schwachsinnige „Galadriel ab nach Valinor“), nun: sie habens verkackt Ende des ersten Zeitalters, das Heer von Valinor musste das Chaos aufräumen, das Feanor und seine Söhne angerichtet hatten, die Elben habens nicht hinbekommen und dementsprechend kann man ihnen so um Welten plausibler unterschieben, dass ihr Job in Mittelerde erledigt ist und sie dahin sollten, wo sie hingehören. Den Rest sollten sie den Menschen überlassen, deswegen haben die Valar ja schließlich Numenor geschaffen. Nicht kanonisch, aber ich wage mal zu behaupten, aus dem Ärmel geschüttelt locker eine andere Eleganzliga als die vorgezogene Schwinderei. Weiterlesen

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Local SEO als Local Guide, Recap nach knapp 12Mio Imageviews

Ruppsel ist in Urlaub, und was macht er im Urlaub? 360°-Bilder. Denen hab ich einen Gutteil meines aktuellen Level 6 als Local Guide auf Google Maps zu verdanken, und es ist an der Zeit, mal zu fragen, was das bringt, insbesondere, wenn man wie ich jetzt wirklich kaum Local SEO macht. Es folgt:

· Was brachte es gefühlt?
· Wie kommt man dahin?
· Ists den Aufriss wert?

Aber erst mal schönes Bild :)

Sowas gibt 5 Punkte für die Local-Guide-Gamification, und überdies hat man ein nettes Urlaubsarchiv in der „Meine Beiträge“-Sektion von Google Maps. Aber ich greife vor. Wer braucht nen Local Guide-Rang, außer fürs (haha) gelegentlich ein Sonderangebot fürs neue Google Pixel zu kriegen? Kurz: brauchen tut mans selten, aber wenn, dann ists meist praktisch. Weiterlesen

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Internetnostalgie, Technikoptimismus und Metaverse, ein Nachtrag

Im Rahmen einiger Gespräche zu aktivistischer Minimal Music gings auch um ein paar sehr technikbezogene Aspekte, die beim letzten Post hintenrunterfielen und die mir grade wieder im Kopf rumgehen, weil sich Zuckerberg mal wieder zum Affen macht und mit einem rassistischen Covidioten kuschelt. Metaverse, feuchter Traum untervögelter web3-Apologeten, bleibt ja nach wie vor den Beweis schuldig, in irgend einer Form relevant und zukunftsträchtig zu sein, es sei denn, man steht so sehr auf Büromeetings und Supermärkte, dass man auch noch virtuell dorthin will.

Techniknostalgie! Vor Jahren setzte ich mir die erste Cardboard-Brille mit nem iPhone und der Street View-App in VR auf die Nase und lief die Golden Gate-Bridge runter. Damals schwor ich mir, wenn ich mal als Vollpflegefall in irgend einem Bett liege und nicht mehr rauskann, dann hab ich ne Standleitung und ein VR-Set. Seitdem hatten wir Covid und eine zusammenbrechende Kulturszene. Nun erzählte mir Philip, dass beispielsweise das nebenan eingebundene Klavierkonzert in München deswegen so klasse aufgenommen/gefilmt worden sei, weil eben alles im Coronamodus war und extrem viel gestreamt wurde. Live sei das aber halt nochmal was anderes, vor allem in entspannteren Settings, wo sich Leute auch mal zwischen alle vier Klaviere/Flügel stellen konnten, wenn es ihnen danach war.

Ich bin recht sicher, nicht der einzige zu sein, der da an VR zu denken beginnt. An die Option, ein verdammtes Livekonzert, ob nun klassisch oder sonstwie, so „live“ wie möglich mitzukriegen, von wechselnden Standpunkten aus, mit dem jeweiligen Ausblick und dem zugehörigen Sound. Ob das nun Pflegefälle sind oder Risikogruppen oder einfach verdammt irgendwer ohne Bock auf Anfahrt, himmel nochmal, go for it. Weiterlesen

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Minimal Music, Jugendknäste, schwarzer/schwuler Aktivismus, und was Kultur so machen sollte

cw: N-Words. Ich hatte Besuch aus Zürich und lernte eine Menge über einen mir weitgehend unbekannten Teilbereich der Musik und gesellschaftlichen Wechselwirkungen derselben, die nicht allzuklar auf der Hand liegen. Es gibt sehr wenig Musik für Klavierquartett im Sinne von „vier Klaviere“, und die, die es gibt, stammt unter anderem von Julius Eastman, Minimal-Music-Komponist aus den USA. Sehr kurz gefasst: durchaus erfolgreich in der New Yorker Musikszene, überwarf er sich irgendwann mit einigen Hauptprotagonisten, komponierte explizit politische Stücke und thematisierte Rassismus und Homophobie. Selber schwul und schwarz, landete er irgendwann mit Drogen- und Alkoholproblemen auf der Straße und starb 1990. Einige seiner Stücke für vier Klaviere hörte ich erstmals gestern nach einem Besuch von Philip vom Kukuruz-Quartett vorgestern. Man sollte sich ein wenig Zeit nehmen und den Regler eher mal etwas hochdrehen.

Min 0 Fugue No. 7
Min. 9.50 Evil Nigger
ich meine ab 32.30 Gay Guerilla

Ich steh jetzt moderner „klassischer“ Musik, oder wie man es nennen will, jetzt nicht wirklich nahe, aber in mir rührt das einiges an. Die Fugue weniger als die folgenden zwei Stücke, aber YMMV. Mir gefällt natürlich auch der Ansatz, dass vier Leute mit vier Klavieren auf Tour gehen und an allen möglichen Orten einen der breiten Hörerschaft doch eher unbekannten Künstler vorzustellen. Einen Eindruck gibts auch auf YT: Weiterlesen

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MCH2022, Rückblick aufs Hackercamp

MCH2022. Trotz allem, ein Fest.

MCH2022. Trotz allem, ein Fest.

Drei Jahre sinds seit dem letzten Camp gewesen, coronabedingt. „Meh, covid happened“ war eine der Alternativabkürzungen fürs MCH (offiziell: May contain Hackers), und um ein Haar wärs nochmal persönlich drauf rausgelaufen: Woche vorher bei mir und zwei Tage später bei der Teuersten die berühmten zwei Striche im Schnelltest. Es gab dann aber ne Punktlandung beim Genesen, und wir konnten am Tag 0 aufschlagen.

Es mag an der krankheitsbedingt durchwachsenen Woche vorher gelegen haben, aber auch jetzt noch denk ich, zum ersten Mal ohne das übliche „Endlich wieder Zuversicht tanken für ne Weile“-Gefühl zu einem Camp gefahren zu sein. Ich mag nicht rumpessimisten, aber glaube, die letzten Jahre und die letzten gesamtgesellschaftlichen Erfahrungen in Sachen Umgang mit Klimakatastrophe, Covid und Krieg haben ein paar Spuren hinterlassen. Zuversicht wird schwierig. Und trotzdem, oder grade deswegen: Schöne Dinge und feine Menschen, die die Hütte rocken, es ist schon nicht verkehrt.

Home sweet home.

Home sweet home.

Telex twittert.

Telex twittert.

Twitternde Telexmaschinen waren wie üblich nicht die einzigen antiken Technologien vor Ort. Ein Außenposten des niederländischen Computermuseums hatte einige erstaunliche Exponate (und hier gehts zum Talk über das Museum und seine Entstehung/Geschichte). In der daneben gelegenen Arcade Hall gabs allerliebste japanische Geräte. Vier Personen Battle Royale-Pacman und ein Ärgerspiel zum auf den Tisch hauen bzw. selbigen umwerfen waren ein paar Highlights, im Übrigen ist der Holborn 6100 der schönste Computer der Welt.
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Raspi und 433Mhz-Funksteckdosenschaltung, Switch auf OpenHAB

Companion Cube, zartrosa leuchtend

Companion Cube, zartrosa leuchtend

Doch schon sechs Jahre her: da baute ich den CompanionCube mit Raspi drin, um via Raspberry-Remote eine Latte Funksteckdosen mit angeschlossener Beleuchtung zentral zu schalten. In sechs Jahren gehen SD-Speicherkarten und Raspis auch mal fratze, die Karte wurde zweimal gewechselt, der Raspi schien mir beim jetzigen Ausfall auch zumindest so ein unsicherer Kandidat, dass man sich über einen Generationenwechsel Gedanken machen sollte.

Dann ists sinnvoll, an die Zukunft zu denken: will ich in alle Ewigkeit über einen 433Mhz-Sender Flohmarkt-Funksteckdosen schalten? Vielleicht irgendwann nicht auch mal Zigbee-Infrastrukturen ausprobieren? Kann man das Alte beibehalten und neues zu- und ausbauen, vielleicht sukzessive ablösen? Das geht, und Mittel der Wahl zum 433MHz-Funksteckdosen-Schalten ist openHAB bzw. die passende Raspi-Portierung openHabian.

Im Folgenden stehen die eigentlichen Setupschritte/Anleitungen in erster Linie in zwei Howtos, die ich hauptsächlich nutzte: einmal von
· Tutorials Raspberry-Pi und ein wenig weitere Inspiration von
· Klenzel.
Im Folgenden schreib ich vor allem über Fehler und Probleme, die ich trotzdem hatte, weil die hat vielleicht jemand anderes auch.

Das beginnt mit der aktuellen Raspi-Knappheit. Für OpenHab sollte es eher ein Raspi4 sein, mit den ersten Serien wird man leistungstechnisch nicht glücklich. Woher kriegt man Raspis? Ich hatte via rpilocator geguckt und dann mangels Verfügbarkeit nicht einen Standard-Raspi geshoppt, sondern die etwas umständlichere Variante: Raspi 4 Compute Module plus CM4 IO-Board. Teurer insgesamt, größer, aber ne Latte mehr Ausgänge/Schnittstellen (die ich zugegebenermaßen nicht brauche) und eine 12V-Stromversorgung, die meinem Eindruck nach deutlich friedlicher ihren Job macht als die „normale“ Raspi-Stromversorgung (Yeah! wer schon die gelegentlichen „Netzteil macht gelegentlich 100mA zu wenig“-Probleme am Raspi hatte, wird meine Seligkeit erahnen).

Sehr schöne weitere Nebenwirkung: man braucht die clevererweise mitbestellten HighPerformance-SD-Karten gar nicht, weil das IO-Board einen eigenen eMMC-Speicher mitbringt, der im Unterschied zu den mittelfristig immer mit Schreib/Lesezyklen verschleißenden SD-Karten haltbarer sein soll. Yeah!, nur: da muss man anders das System aufsetzen. openHABian auf ein Raspi-CM mit eMMC aufspielen: Jeff Geerling sagt, wies geht. Wie nebenan beschrieben, auf dem RPI-IO-Board per Jumper das eMMC-Boot deaktivieren. Wer wie ich keine Jumper rumliegen hat, kann nen Pin-Kabelverbinder nehmen. Weiterlesen

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