Folgendes wird mit SEO und KI/LLMs zu tun haben, aber ich versuch mich einmal mehr an einer anderen Flughöhe. In die Richtung grübelte ich schon mit dem Fokus „Organisation des gesellschaftlich als bekannt voraussetzbaren Wissens“ in Bezug auf die Wiki und ihre (durchaus begründet) anstrengenden Prozesse. Ebenso entlang eines sehr dankbaren Beispiels der KI-befeuerten Diskursvermüllung und Informationsvergiftung durch die Grokipedia. Weiter haben wir es mit durchaus paradox agierenden Akteuren zu tun, wenn einerseits Google alles mit Gemini/AI-Boxen beantworten will, was man es fragt („für euch ist das gut genug!“) und parallel dazu den Output als unzuverlässig markiert („Für uns müsst ihr schon selber den Kopf anstrengen!“). Zu guter Letzt habe ich eine etwas naive Idealvorstellung, was SEO auch und Webtech überhaupt sein kann und sollte, über die ich gelegentlich zwar auch selber grinse, aber dann doch immer wieder feststelle, sie hat ein Plätzchen in meiner Mördergrube und tief, tief in mir drin will ich, dass es so ist bzw. wird. Also.
Weltwissen. Seit den Altvorderen sah ich bislang sehr grob zwei Ansätze zu seiner Organisation und Erschließung, und die nannte ich mal ganz hemdsärmelig
– kuratiert und
– algorithmisch. Was stell ich mir jeweils darunter vor?
Kuratierte Wissensorganisation ist menschengemacht, mit allen Vor- und Nachteilen, die das mit sich bringt. Von Kanonisierung über Verschlagwortung, Katalogisierung off- wie online, redaktionelle Erschließung etc., hier kamen wir einen langen Weg. Der beginnt mit überlieferten Geschichten und Texten (man mag natürlich an Sagen und die Bibel denken, ich denke da gern an das dothrakische „das ist bekannt“, weil es genau das auf den Punkt bringt, um was es mir geht: was gilt als bekannt und akzeptiert, letzteres zumindest als Grundlage für weitere Erörterung?) Und ich treibe nun hoffentlich die vergröberte Einordnung in die großen Diskurse nicht zu weit: daran male ich ein großes „ANTWORTEN“ auf die großen Fragen „Was können wir wissen, was sollen wir glauben, was dürfen wir hoffen“. Wer steuert und entscheidet dabei? Da kann man natürlich den Foucault auspacken oder sich in verschiedensten Herrschafts- und wissenssoziologischen Bereichen austoben, an der Stelle genügt mir aber ein „Menschliche Akteure und Strukturen“.
Weiter überspringe ich mal die wissenschaftlichen Revolutionen und das Bibliothekswesen und konstatiere tapfer, dass sich solche Strukturen über die kurz angerissenen Techniken bis heute gehalten und fortentwickelt haben und man ihre Wirkmacht in unterschiedlichsten Bereichen sah und sieht: das Prinzip kennt man von Webkatalogen wie DMOZ selig und seinerzeit Yahoo, in Kontexten wie Blogrolls und Social Bookmarks, (natürlich) bei der Wikipedia, im wissenschaftlichen Zitationswesen und mit DOI, ich würde soweit gehen und sagen, HTML selber war quasi eine Einladung, Weltwissen zu kuratieren iSv. „es sinnvoll zu verknüpfen“. Wir haben drei Auffälligkeiten: zum einen das Grundprinzip des konkreten, zuordenbaren menschlichen Handelns, zum anderen die Notwendigkeit einer aktiven Erschließung, zum Dritten das allenfalls mittelgute Skalierungspotential.
Algorithmische Wissensorganisation hat dieses letzte Problem nicht. Man wirft alles rein, was da ist bzw. was drin sein soll, und dann baut man etwas, um im entstandenen großen Haufen genau das zu finden, was man braucht. Es fing mit primitiven Volltextsuchen an, die Strings verglichen und dann kam viel cleveres Zeug obendrauf. Und in den letzten paar Jahrzehnten skalierte das hervorragend. Erschließung der Inhalte ohne weiteres Drumrum seh ich trotz (oder wegen) neuerer Wiederentdeckungen wie IndexNow als gesetzt. Von konkretem, zuordenbaren menschlichen Handeln ist hingegen sukzessive weniger die Rede, und hier lande ich bei „Ruppsels Theorie von SEO als grundsätzlich nicht verkehrter Kiste“. Idealistisch, ich weiß, aber bear with me. Weiterlesen





















