koks.digital 2026, Recap der heißesten Onlinemarketingkonferenz im Pott

koks digital 2026. Es war heiß und wir saßen im Schatten.

koks digital 2026. Es war heiß und wir saßen im Schatten.

Ich bin bekennender koks.digital-Fan, insofern kürze ich das allgemeine Lob ab: seit jeher die mir liebste Onlinemarketing-Veranstaltung, weils einfach die ideale Balance zwischen fähigen Speakern, breiter Perspektive und familiärer Atmosphäre hat, bei der man einfach auch mal Klartext reden und hören kann, auch und grade, wenn mal nicht alles eitel Sonnenschein und der neueste geile Growth-Hack ist.

Cave: ich kenn einige Leute dort schon sehr lang, unter anderem deswegen gibts folgend ein, zwei sehr persönliche Exkurse. Weiterhin bin ich kein Netzwerker und tu mich schwer mit Menschen, insbesondere mehreren auf einmal. Auf der koks passts für mich, und ich kann bisher von meiner Erfahrung her sagen: Speaker, Orga, Publikum einfach locker ansprechbar. Das liegt zum Teil wahrscheinlich an der pott-typischen Aversion gegenüber Bullshitterei, ich denke aber auch, dass das ganze Setting ne Rolle spielt: alle hängen zwischenrein mal in der Liegewiese hinter der Rotunde ab, alle stehen zusammen am Currywurststand und alle die meisten warten nach dem letzten Talk, bis Rene (Biersponsor!) mit dem Kasten Fiege vorbeikommt. Ich flachse ein wenig rum, aber halte die These für nachdenkenswert, dass die Qualität von Events steigt, wenn sie ohne Vip-Areas und Speaker-Lounges auskommen.

koks 2026, Wahrheiten aus der Keynote

koks 2026, Wahrheiten aus der Keynote

Keynote von Mohammadi Akhabach. Name klingelte nur ganz leise bei mir, aber hey, Mitbegründer von Lieferheld, fettes Apo-Portal gelauncht, spannend! Die Keynote war – dem Format angemessen – auf eher oberer Flughöhe plus ein Schwung Eindrücke von Früher(tm). Als Dinosaurier hab ich dafür Verständnis, im konkreten Fall passte alles gut zusammen, Tenor war das durchaus bedenkenswerte „Das Wichtigste passiert offline“. Im Kontext von Lieferdienst-Plattformen ist das unmittelbar klar, in einem Agenturjob für einen beliebigen eCommerce-Kunden ists schon nicht mehr ganz offensichtlich und ich ahne mal blasphemisch vor mich hin, dass es umso schwerer wird, je weiter man ins Rabbithole agentischer Toolsets gefallen ist, die meinetwegen mehr oder weniger effizient die Arbeit erleichtern/beschleunigen/whatever, aber auf jeden Fall mal noch ein weiteres Abstraktionslayer schaffen zwischen dem eigenen Handeln und den Realen Menschen Da Draußen, deren Geld/Aufmerksamkeit/Klicks man will.

koks 2026, Bofluencer auf Linkedin

koks 2026, Bofluencer auf Linkedin

Anschließend Stage 2 war vor allem, weil die Kollegen bei 1 blieben und ich dachte, komm, verteilen. Thematisch (Social Media) und channeltechnisch (waah, Linkedin!) überhaupt nicht meine Welt, aber ein supersympathisches Projekt. Die Bochum Wirtschaftsentwicklung ist natürlich als Unternehmen bei Linkedin aktiv, nur ists dort wie überall anders auch: Menschen interagieren irgendwie doch lieber mit anderen Menschen. Brands/Firmen mögen da alles richtig machen und trotzdem ists halt was anderes. Jedenfalls, sie hatten dann die „Bofluencer“ als lose Gruppe von Leuten zusammengetrommelt, die sich jeweils einzeln dran machten, regelmäßig auf Linkedin aus und über ihren Job zu berichten. Als Kern des (folgenden) Erfolgs blieben bei mir zwei Punkte hängen:

· eine eher lockere „best practise“-Vorplanung/Absprache der Leute untereinander mit nicht allzu hohen Anforderungen (übliche „Der Algo will X“-Kriterien wurden sehr frei gehandhabt/im Zweifel ignoriert) und
· vor allem Vertrauen/Rückhalt von Oben.

Ergebnis: mit einer Handvoll Leute, die wenig Zeit und viel intrinsische Motivation auf Linkedin werfen, übertrifft man zügig und deutlich die Reichweite eines solide betriebenen Unternehmenschannels. Mit dem man im Übrigen gut zusammen funktioniert. Anschließend gewinnt man Preise und spielt reichweitentechnisch auf einmal in anderen Ligen.

Charmante Idee: Programmhinweise per Messenger-Abo

Charmante Idee: Programmhinweise per Messenger-Abo

Mir gab das ziemlich zu denken, weil wir bei Draco eine extrem hohe Dichte an Überzeugungstätern haben. Linkedin ist halt nicht wirklich meine Welt, und vor allem gehen bei uns meiner Ansicht nach die Plattformen auseinander, wenn es um Corporate (-> Linkedin) und um die eigentliche Zielgruppe (MFA, Arztpraxen) geht (eher überall anders). Dass ich eine tolle Jobgeschichte auch auf Linkedin erzählen *musste*, passierte mir bisher einmal (Sertralin und Blutspenden, letztens war übrigens wieder der Blutspendebus da, halber Liter in 3:59 min, ich bin derbe stolz auf mich, aber deswegen nochmal bloggen?). Ich ahne, wenn man wirklich bewusster drauf achten würde, gäbs mehr Anlässe, ich tu mich tatsächlich ein wenig schwer. Wenn man anfängt, zur Übertragbarkeit auf andere Settings nachzudenken, wird man beliebig viele ja, abers generieren können und guten Gewissen nichts machen, mir scheints sinnvoller, da eher ein offeneres Auge für Möglichkeiten zu kultivieren und sich darüber mehr auszutauschen, weil so kommt man ans machen. Weiterlesen

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Fensterkraftwerk reloaded: Zur Koexistenz von Technik und Natur

Holzkonstruktiongewordenes Sowohl als auch

Holzkonstruktiongewordenes Sowohl als auch

Vor einiger Zeit (auch schon wieder drei Jahre) ging ich unter die Kleinst-Fusionsfarmer mit ein paar Paneln und einem Wechselrichter von fensterkraftwerk.de, und damals beschrieb ich ja vor allem Setup und Bürokratie, diesmal ging es um was grundsätzlicheres: wir sind bekanntermaßen umgezogen, die Panels landeten erstmal im Keller und nach dem ersten Einrichten mussten wir die Ressourcenlage mit den jeweiligen Wunschvorstellungen abgleichen: Ruppsel wollte die Panels wieder montieren, nachdem wir schöne, breite Fenstersimse haben. Die Teuerste bestand auf Blumenkästen, nachdem wir schöne, breite Fenstersimse (und keine Loggia mehr) haben. Die Lösung bestand in einem entschiedenen „sowohl als auch!“.

Kater beforscht die Palettenressourcen

Kater beforscht die Palettenressourcen

Ich habe eine erfreuliche Nachbarschaft, die gelegentlich Einwegpaletten für verschiedenste Vorhaben anschleppt, unter anderem kann sie der Kater beforschen. Aber auch Ruppsel kann sich ein paar Bretter abhebeln (Brecheisenaction!) und im Folgenden schrauben, schleifen und olivenölen. An sich was für die Palettenseite, aber an sich zu trivial und „nicht palettig genug“.

Kasten, Panel, noch nicht zusammengesteckt

Kasten, Panel, noch nicht zusammengesteckt

Panel am Kasten, einfach mit Metallwinkeln steckbar

Panel am Kasten, einfach mit Metallwinkeln steckbar

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Strunk vs. Schamoni, the Punk-Rezi of Death Pt. 2

Strunk, Schamoni, Rematch 2026

Strunk, Schamoni, Rematch 2026

Es sind noch nicht ganz zwanzig Jahre, da schrieb ich hier „Strunk vs. Schamoni: The Punk-Rezi of Death“ anlässlich des Erscheinens der beiden Bücher Dorfpunks (Schamoni) und Fleisch ist mein Gemüse (Strunk). Ein ähnlicher Anlass führte nun zur Parallele, dass ich auf Heinz Strunks Zauberberg 2 stieß und auf dem Weg zur Kasse noch auf Pudels Kern von King Rocko Schamoni, und gegen das Schicksal aufzubegehren ist sinnlos, wie wir von den alten Griechen lernten. Punk ist beides nicht mehr oder nur in Teilen, aber ich denke, die textlichen Sachzwänge an der Stelle sind unmittelbar klar.

Kurzfassung Strunk: literarisch ambitioniert und für meinen Geschmack klasse geschriebenes Buch über den Aufenthalt des Protagonisten in einer psychiatrischen Privatklinik. Trocken, direkt, oft genug trostlos und deprimierend und dennoch an vielen, auch überraschenden Stellen erheblich warmherzig. Einblick in auf vielfälige Weise entsetzliche Biografien, grauenhafte Kurzgeschichten. Dazu typische Strunkismen („Wichsdichte“, „Hassdruck“).

Kurzfassung Schamoni: als Fortsetzung von „Dorfpunks“ durchgehende autobiografische Erzählung von einem teilweise scheiternden Weg ins Musiker- und Künstlerdasein voller Selbstzweifel, Prominenz und ungesunder Lebensweise. Persönlich, offenherzig und voller Wechsel zwischen Fremdscham, Mitgefühl und Mitfreude, dazu auf Erzählungs- und Metaebene paralleles Schwanken zwischen Starallüren und Impostersyndrom.

Ich musste beide Bücher jeweils weitgehend in einem Rutsch durchlesen, empfinde für beide Autoren große Sympathien, finde aus teils vollkommen unterschiedlichen Gründen beide sehr fein und lesenswert und empfehle vorbehaltlos weiter. Ob es allen anderen bei beiden Titeln genauso geht? Wahrscheinlich nicht, Geschichte, Form und Stil sind jeweils grundverschieden, ich mag trotzdem andere Sachen einzelwerten, weil sie mir irgendwie passender scheinen.

Einzelwertungen:

Drogen

Strunk: Benzodiazepine, selten Alkohol. Bei den Benzos gibts ne schnelle Anhängigkeits- und Absetzeskalation. Eine Wodkaeskapade endet… tja, wie? Tragisch ist mir zu einseitig, vielleicht so gut, wie man es allen Beteiligten vielleicht wünscht. Ich denke an solche Episoden, wenn ich anfangs von einem warmherzigen Text schrieb. Im Unterschied zu Schamoni kommt mir die Phrase „Konsum ohne Arschlochwerdung“ in den Sinn, man mag sich kleingeistigerweise streiten, was das für eine Botschaft kickt, aber ich denke, das gibts und es ist schön geschrieben.

Schamoni: Alkohol und Speed, beides viel, gelegentlich noch psychedelisches. Nun ist „Pudels Kern“ nicht ganz eine Sex/Drugs/Rock’n Roll-Geschichte, aber Sex/Drugs/uneinordenbarer Indie-Schlager ist nah genug dran, um das alles rund zu machen. Bemerkenswert fand ich, dass trotz recht klarer Abhängkeitsindizien der Begriff „Abhängigkeit“ meiner Erinnerung nach nie genannt wird (ich wills nicht beschwören). Das geht für eine Coming of Age-Geschichte im Indie-Musikbereich vollkommen in Ordnung, im Alter und den Umständen des Protagonisten macht man sich da keinen Kopf, nichtsdestotrotz finde ich es bemerkenswert, wie andere Symptomatiken durchaus belastender Art offenherzig beschrieben und besprochen werden und diese hier nicht.

Wertung: Strunk (parteiisch entschieden, fürs Problembewusstsein.)

Pickel

Schamoni: Tja, direkt zum Einstieg die Fettfresse. Später noch ein wenig speedbedingte Hautprobleme, aber es zieht sich nichts durch, trotz Zinkpasten-Herumdoktern. Ich gönne es ihm von Herzen.

Strunk: Wirkt kuriert, wie schon besprochen (jaja, das hier ist nicht autobiografisch, aber whatever).

Wertung: Schamoni (aber ist das ein Sieg?)

Punk und Prominenz

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Umziehen, mit Vodafone Cable Business und fester IP

Ich hab Internet!

Ich hab Internet!

Ruppsel zog zwei Straßen weiter, und das technische vorab, danach kurz Befindlichkeit und Geschichtenerzählen. Eine Zeitlang schien ein gewisser Blogeintrag mit Anleitung die Unitymedia-Hotlines zu entlasten, heute sind wir etwas weiter, es gibt eine (schwer zu findende) Anleitung für Kabel-Internet mit fixer IPv4, die tatsächlich auch weitgehend zu funktionieren scheint. Ich klinge etwas zickig, tatsächlich weiß ich nicht genau, was an mir und was an der Anleitung liegt. Jedenfalls. Ich habe Internet.

In der alten Wohnung tat eine FritzBox 6591 Cable ihren Dienst, zusammen mit einem /30-Subnetz, mit dem man letztendlich eine einzelne fixe IPv4 bekommt. Das ganze nach dem Muster

12.34.56.1 (Netzwerk, nicht nutzbar)
12.34.56.2 (Gateway, nach draußen)
12.34.56.3 (nutzbare IP)
12.34.56.4 (Broadcast, nicht nutzbar)

Abbaupause mit Kater in der alten Wohnung

Abbaupause mit Kater in der alten Wohnung

Ich hatte seinerzeit eine alte Fritzbox hinter die Kabel-Fritzbox gehängt und die mit der nutzbaren IP nach draußen und einem lokalen Subnetz nach drin verwendet, plus die einschlägigen Portfreigaben für Torserver etc. Die interne Fritzbox wurde irgendwann von einem Edgerouter X abgelöst, Prinzip blieb indessen gleich und lief wie am Schnürchen. Annahme war nach der Umzugsbeauftragung, dass ich die Infrastruktur in der alten Wohnung vom Kabel ab- und in der neuen anklemme und alles läuft, wie gehabt. Tja, Pustekuchen. Vorab: nun tuts.

Kabelfritzbox anschließen und per Kabel oder WLAN drauf, war der Plan. Tatsächlich spielte die Box erst mal ein Update ein, startete neu und ich bin nun zu blöd, um die FritzOS-Version irgendwo zu sehen oder es wird halt nicht mehr angezeigt. Whatever. Beim Einbuchen kriegte ich eine 192.168.178.x-Adresse, was mich irritierte, denn sie müsste eigentlich die Gateway-Adresse (12.34.56.2) haben. Ich machte den ersten Fehler, als ich ihr die fix zuwies und DHCP ausschaltete (DHCP macht der Edgerouter und sein Outbound 12.34.56.3 spricht mit der 12.34.56.2). Tja, tut er nicht. Die Box war dicht, und meine letzte Rettung war ein Werksreset über ein schnell angeschlossenes Telefon (Code *15901590*, wählen, Ton abwarten, auflegen). Danach war natürlich alles komplett weg, was vorher eingerichtet war. Weiterlesen

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Warum sie uns hassen, von Ruby Rebelde. Eine Leseempfehlung.

Ruby Rebelde, Warum sie uns hassen. Buchcover.

Ruby Rebelde, Warum sie uns hassen. Buchcover.

Ich bin spät dran, auf den Namen stieß ich vor einiger Zeit über eine Soliaktion der Mitternachtsmission, das Buch scrollte dann gelegentlich an mir vorbei, und irgendwie wars so ein „sollte ich lesen“ und dann meist ein „ich ahne, ich weiß eh, was drinsteht“, aber ich täusche mich gelegentlich und ich täuschte mich auch hier.

Viele Positionen Rubys sind klar und wenig überraschend: Entkriminalisierung der Prostitution, Stärkung der Rechte Sexarbeitender und eine gesellschaftliche Debatte, die mit statt über Personen in der Sexarbeit spricht. Nachdem ich ohnehin schwer zu Erwerb und Lektüre rate, werde ich mich weniger tiefgehend über inhaltliche Details verbreiten (das taten kompetentere Menschen als ich schon) und einen sehr gerafften Überblick gibts im nd von Ruby selber.

Von was hat man nach der Lektüre eine klarere Vorstellung?

– von langen und umfassenden historischen Kontinuitäten bei der Unterdrückung mehrfachstigmatisierter Gruppen
– von den Verflechtungen rechtskonservativer und evangelikaler Kräfte in Gesellschaft und Politik und ihrem Agendasetting
– letzteres im Detail auch während Corona
– von Intentionen und konkreten Folgen des ProstG 2002 und des ProstSchG 2016 (insbesondere letzteres hatte ich in seinen positiven Aspekten deutlich überschätzt)
– von der extrem ungesunden Allianz zwischen „feministischen“ und Rechtsaußen-Akteuren
– von der durchgehenden Sensationalisierung und Skandalisierung des Themas, egal wo, sowie
– den erheblichen Widerständen, sich aufgeschlossen und ernsthaft jenseits einiger rumgereichter Tokens mit den Betroffenen auszutauschen, dito egal wo, und
– nicht zuletzt von den Schwierigkeiten bei Selbstorganisation und Selbstermächtigung in den erwähnten, mehrfachstigmatisierten Gruppen, den Gründen dafür, von Fehlern, die man machen kann und Strategien, die gelernt wurden.

Das Ganze nochmal auf einem Level drüber gegen Ende und in den abschließenden Interviews. Ich hab selten in einem Buch in dem Maß das Gefühl gehabt, dass hier Leute wirklich offen über schwierige und umkämpfte Themen und ihre eigenen Positionierungen, Überlegungen und auch Unsicherheiten und Fehler sprechen. Vor allem angesichts dessen, dass es die Gegenseite eher nicht tut. Mitnichten naiv, im Gegenteil. Ambivalent nicht in einem „gut oder schlecht?“ -Sinne, eher hin- und hergerissen: auf der einen Seite denke ich, es ist gut und richtig, wenn man klar, offen und vertrauensvoll kommuniziert. Es ist auch gut und richtig, wenn man darstellt, welche Stricke einem aus Offenheit und Vertrauen gedreht werden können, damit andere was draus lernen können. Und irgendwie ist es traurig, dass solche Lehrstücke notwendig sind, wenn man in einem vergifteten Diskurs wahr- und ernstgenommen werden will. Weiterlesen

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Blogzeug: Wayback Linkfixer cool, aber überarchivierend, und ein Diss an Yoast

Ich blogge hoffentlich ausreichend selten übers Bloggen, aber jetzt kommen zwei Sachen zusammen. Einmal: vor einiger Zeit rauschte der Wayback Linkfixer an mir vorbei. Tool/Plugin von Archive.org, voller Name „Internet Archive Wayback Machine Link Fixer“ überprüft regelmäßig, ob externe Links im eigenen Blog noch rennen und falls nicht, ersetzt es sie durch einen Archivlink zur Wayback-Machine. Es erinnerte mich an einen Blogbeitrag, den ich nun natürlich nicht mehr wiederfinde. Dort wurde ein mich sehr beeindruckendes Konzept vorgestellt, wie man das eigene Blog aktuell hält, es für die Eigenrecherche persönlicher Netzvergangenheit nachhaltig nutzbar macht etc. etc., mit über das „tote Links automatisch via archive.org ersetzen“ hinausgehende Maßnahmen. Die Linkfixerei wurde mir indessen nun auf dem Silbertablett serviert, also, rein mit dem Plugin. Und wenn wer weiß, welcher Blogpost gemeint sein könnte: bitte gern Bescheid! Mit Dank an Frank: ja genau! Wie Websites lernen, himmel.

Effekt? es geht die nächsten Tage alle Einträge mehrmals durch, prüft alle externen Links auf Erreichbarkeit, und beim dritten „Link tut nicht“ (ist einstellbar) tauscht es den Direktlink gegen einen Archivlink, wenn vorhanden. Weiter archivierts alles gefundene, wenn vorhanden und Archivierung erlaubt.

Nach ein paar Tagen ist das vorerst abgeschlossen, und man kann sich die Ergebnisse angucken. Unerwarteter Nebeneffekt: ich hab eben ein paar Uralt-Beiträge von längst eingestampften Blogs der Nullerjahre wieder gelesen und verdrückte eine kleine sentimentale Träne im Knopfloch. Weiter: zweistellig kaputte Links auf dem eigenen, nun doch über schon zwanzig Jahre alten Blog scheint mir ein erfreulicher Schnitt.

Dashboard des Archive-Linkfixers. Erfreulich wenig Kaputtes.

Dashboard des Archive-Linkfixers. Erfreulich wenig Kaputtes.

Nun aber die Hakeligkeiten:

Ich stoße auf durchaus nennenswert viele Links, die nun per archive-URL aufgerufen werden, aber live bestens funktionieren. Schreibe ich sie wieder auf live um, geht der Testprozess wieder los, und nach dreimal „nee, gibts nicht“, ists wieder ein Archivlink.

Eine Portion archvierter Links. Viele tatsächlich auch live tot.

Eine Portion archvierter Links. Viele tatsächlich auch live tot.

GNU STP!

GNU STP!

Ich hatte ein paar Theorien – einmal http und https, ersteres wird vom Plugin nicht per default prophylaktisch auf zweiteres geprüft. Weiter, dass die zwangsarchivierten/erreichbaren Seiten halt ggf. ein noarchive in der meta robots stehen haben?, was meine konfuse Hypothese beim zwangsarchivierten archiveofourown-Link war, aber eben bei AO3 geguckt, natürlich nichts dergleichen, nichts in den x-headern (wobei, ein clacks overhead GNU Terry Pratchett, ilike!), und wie erwartet ist die Seite auch ausführlich archiviert. Woran liegts, was tun? Crawlbot-Aussperrung bei Archivbot-Genehmigung? klingt auch wild, ich weiß es nicht, der Nutzen überwiegt trotzdem, und ich ahne auch Plugin-Updates. Nichtsdestotrotz, hier wie im Folgenden: wer mehr weiß, ich lerne gerne. Weiterlesen

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Grokipedia, Gedanken zu SEO, Fehlern (feat. Utopiastadt) und globaler Wissensorganisation

Es kommen ein paar Sachen zusammen: Grokipedia stieg recht kräftig in die Suchmaschinenergebnisse ein und fällt nun offenbar ebenso kräftig wieder raus (zumindest vorerst), und weiter gabs eine interessante Abhandlung zu den verschiedenen Metriken und ihren Größenordnungen jeweils der Grok- und Wikipedia und den daraus resultierenden Signale in Richtung der diversen Aggregatoren, Indexe, Algorithmen etc.pp.

Grokipedia, Sichtbarkeit in .de

Grokipedia, Sichtbarkeit in .de

Auf Englisch ists nicht besser

Auf Englisch ists nicht besser

Weiter schaute ich mir letztens aus Jux den Grokipedia-Artikel zu Utopiastadt an, wobei ich mir ein gewisses Hintergrundwissen und die damit einhergehende Beurteilungsfähigkeit attestieren mag, weil ich einerseits das Projekt gut kenne und andererseits sowohl die zugehörigen Artikel in der deutschen wie auch der englischen Wiki geschrieben habe. Mit dem Hintergrund ist die Lektüre des Grokipedia-Artikels natürlich ein Fest der Absurdität, aber eigentlich ists mir gar nicht so an den billigen Gags gelegen (wobei, haha, irgendwie auch), vor allem halt an den zutagetretenden Prozessen, Pannen und Ergebnissen/Folgen, das Ganze betrachtet aus der Perspektive meines Steckenpferds: der Frage nach der globalen Organisation von Wissen und seiner Voraussetzbarkeit in der Gesellschaft.

Vor ein paar Wochen wurde auf seoroundftable noch abgewogen, ob die Googlesichtbarkeit der KI-Enzyklopädie grade einfach einen Schluckauf beim Zunehmen hat, heute scheint das eher ein solides „nee, taugt doch nicht“-Urteil der SERPs zu sein. Kräftig eingestiegen und dann innerhalb kurzer Zeit zwei Drittel der Suchmaschinensichtbarkeit eingebüßt, ich werf grade nur SEO-Bauchgefühl in die Waagschale, die seh ich aber sehr in Richtung „Auf Nutzerzufriedenheit angetestet, Ergebnis: will niemand lesen“ ausschlagen.

Warum ist das so? Man will natürlich lachen und sagen, selbst Google hasst Musk und seine Fascho-Propagandaschleuder, die Gründe werden trivialer sein.

Wobei, vielleicht hassen sie die Grokipedia doch.

Wobei, vielleicht hassen sie die Grokipedia doch.

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Wikipedia (de) gegen KI-generierte Artikeltexte

Heute endet in der deutschen Wikipedia ein Meinungsbild, in dem über den Einsatz von LLM in der Artikelerstellung abgestimmt wird. Es war der dritte Anlauf dieser Art und bereits das (einzige) Pro-Argument ist meiner Ansicht nach bemerkenswert:

„Jetzt ist noch Zeit, die Wikipedia als ein Projekt menschengeschriebener Texte zu profilieren. Noch sind nicht so viele KI-generierte Inhalte eingeflossen, dass diesen nicht Einhalt geboten werden könnte.“

Es wird mit einfacher Mehrheit abgestimmt, entsprechend ist es vollkommen egal, ob es nun mit zweidrittel-Mehrheit angenommen wird oder dieses Ergebnis (knapp) verfehlt. Einordnend: in der deWiki sind Meinungsbilder selten. Lasst es ein, zwei im Jahr sein, die zuletzt vorbereitet und durchgeführt wurden, und angenommen/umgesetzt wurden naturgemäß noch weniger. tl;dr: das hier war was größeres, und konsequenterweise schrieb auch heise (durchaus differenziert) drüber.

Es wurden einige Kilometer Diskussion erzeugt und die wiederzukäuen ist überflüssig, aber ein paar Punkte, die mich einerseits beeindruckten und mir andererseits zu denken gaben:

Die einschlägigen Verkürzungen gabs zwar, aber die Diskussion ging erfreulich weit drüber hinaus. In vielen Kanälen bleibt eine Debatte um KI größtenteils auf dem Level „Scheiß auf den Slop, kein Mensch will das lesen“ vs. „Das ist die Zukunft, die kann fast alles und du lässt dich abhängen“ stehen, gesäumt von den üblichen „Haha, guckt hier, wie der Schrott versagt“ vs. „Stoppt die Presse, KI kann jetzt X“-Linkwerfereien. Ich bin einmal mehr fasziniert, wie weit ins Detail es hier ging und frage mich, wieviele Ecken im Netz es noch gibt, an denen eine Debatte dieser Tiefe einerseits geführt werden kann und weiterhin von exakt den Menschen geführt wird, die anschließend auch entscheiden und direkt mit den Folgen der Entscheidung umgehen müssen bzw. können.

Hauptargumente gegen das Verbot waren wiederkehrend
– die Frage nach der Erkennbarkeit und
– die slippery Slope zu „KI-Input“.

Ich finde beide nicht allzu überzeugend, mir (und dem MB) genügt völlig, dass es bei eindeutigem Einsatz Sanktionsmöglichkeiten gibt und die Unerwünschtheit grundsätzlich kommuniziert wurde und als bekannt vorausgesetzt werden kann.

Weiter seh ich die „Zuarbeit“ auch vollkommen unproblematisch. Ob wer mit Google oder Gemini Quellen sucht, ist Latte, nur müssen sie dann eben selber verstanden werden und vor allem sollte man das Ergebnis selber runterschreiben und sicherstellen, dass das dargestellt wird, was mit den Quellen belegbar ist.

Und weil die deWiki ja immer schon verknöchert und rückschrittlich ist: die andere und bessere englische Wikipedia ist da seit einiger Zeit erfreulich klar unterwegs: Weiterlesen

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Mein SEO/GEO/whatever-Rück- und Ausblick, 2025

Endgegner

Endgegner

Tja, so schnell sind zwei Jahre rum. Ich lag in einigem zumindest nicht richtig, und trotzdem, irgendwie auch nicht falsch, wie meist ists halt irgendwie anders. Whatever, Zeit für einen Recap, was sich aus meiner Perspektive in den Bereichen SEO, „KI“, ihrer Rezeption und den aktuell empfohlenen Hebeln in der Branche so getan hat. Die 2026er-Ausblicke lesen sich wild durchmischt, aber dass die Musik jenseits klassischer SEO-Tellerränder spielt, ist klar. Mal positiv einsteigen mit mir klug scheinenden Gedanken, die mir die letzten Wochen über den Weg liefen:

Attribution stirbt. An sich ist sie schon tot. Wir werden neue Erfolgsmetriken brauchen (Impressionen -> Lücke -> Conversions)
Mittel nicht mehr mit Zielen verwechseln. Sinkender Clicktraffic ist nur dann ein Problem, wenn Clicktraffic bisher das Ziel und kein Mittel war.
– Sehr schmerzhaft: Mehr wie Texter und Verkäufer (autsch!) denken. SEO fokussiert(e, zurecht) auf ein Ziel. Texter und vor allem Sales fokussieren auf Problem -> Lösung.

Grade letzteres ist beim zweiten Betrachten was, was man als ordentlicher SEO eh schon länger macht/machen sollte. „Beste XY 2026“ ist zurecht keine Phrase, auf die man mit Freude optimieren sollte. Ich hege ein zartes Pflänzchen Hoffnung, dass vermehrte Ermittlung von und Fokussierung auf Inhalte nach dem Muster „Für Problem X ist X eine Lösung, insbesondere bei Zielgruppe Q, aus folgenden belegbaren Gründen A, B und C“ das Netz nach viel SEO-Spammerei mal wieder ein Stückchen besser macht. Es hätte auch eine gewisse Ironie, wenn ausgerechnet die Slop-Schleuder KI die echten Menschen verstärkt dazu bringen würde, Wissen und Information zu organisieren, statt sie als reines Mittel (Content) zum Zweck (Rankings) irgendwie hinoptimiert rauszuhauen.

Aber trotz rausgezogener Orientierungshappen: es ist immer noch eine wilde Gemengelage an „Macht das, lasst jenes“. Neu und erfreulich inzwischen die Hinterfütterung mit Daten. Heute rauschte ein „Jetzt belegt: der Common Crawl ist eure Eintrittskarte in AI-Citations!“ an mir vorbei und ich musste sehr grinsen, denn den Wiki-Artikel zum Thema schrieb ich letzten Oktober und seitdem stands da schon drin, alleine, ein paar mehr Daten und Erfahrungen dazu, immer gern.

Sei es nun aber KI-zitable Infohäppchen! nein, keine KI-Zitablen Infohäppchen, sagt JohnMu!, schema.org!, nein, Entity SEO, nein, Tabellenlayouts! Kennt ihr die dl/dt/dd-Syntax?, die rockt! llms.txt ist Die Zukunft ™! Content ausbauen für natürliche Fragestellungen! Nein, reduzieren, konsolidieren, fokussieren wegen der Chunks/dem kleinen Kontextfenster/überhaupt. Schreibt für Endnutzer, es ändert sich nichts! Nein, definiert euer Grounding für die Maschinen!, ich seh für jede These die ist so/ist nicht so-Musterbeispiele, nur eine Sache ist stabil: Youtube spielt vorn mit, denn damit verdient Google Geld. (Funfact: letzteres trifft besonders bei Gesundheitsinformationen zu.)

I beg to differ: nobody clicks links.

I beg to differ: nobody clicks links.

Man muss der Fairness halber dazusagen: das alles (Ausnahme llms.txt) sind Punkte/Vorgehensweisen, die in bestimmten Settings Erfolge erzielten, die wiederum auch reproduzierbar sein dürften. Abhängig wahrscheinlich vom Setting, und wenn was spöttisch rüberkommt: Ich hab bei allen Quellen obiger Thesen/Takes was gelernt und bin dankbar für die Mühe, die sich da wer gemacht hat. Kontext scheint mir halt wie immer King und wenn man grade die Hoffnung hatte, den einen geilen Hebel für die GEO-Wende gefunden zu haben, schießt man halt gern Die Lösung ™ aus der Hüfte. Weiterlesen

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39C3, Nachträge v.a. zu KIM, ePA, gematik von zuhause

LED-Sterne. Schön, wie alles andere

LED-Sterne. Schön, wie alles andere

A first: zweieinhalb Stunden Verspätung bei der Bahn, und weil dann kein Zug mehr fuhr, kriegte ich einen Taxigutschein von Essen nach Wuppertal. Einmal mehr: ich habe einen Heidenrespekt vor allen Leuten, die dort was am Laufen halten, was seit über 20 Jahren politisch gewollt kaputtgespart wurde.

Ich hab das vage Gefühl, mich für den 40C3 in der Wiki-Area als Freiwilliger gemeldet zu haben, aber fühlt sich nicht schlecht an. Weiter habe ich leider ein paar Leute verpasst, denen ich gern über den Weg gelaufen wäre, war einmal mehr geflasht von einer unglaublich angenehmen und anregenden Community und ansonsten normal übermüdet, unterzuckert und überkoffeiniert.

Medtech, gematik, ePA und Konsorten. Ich nutzte Verspätung und ICE-Wlan, um ein paar verpasste Talks im Bereich Medizintechnik, Digitalisierung, ePA, KIM etc. nachzugucken. Das war einmal die KIM-Analyse von Christoph und natürlich die neuerliche ePA-Zerlegung von Bianca. Beide Talks wurden recht breit rezipiert und meiner Ansicht nach medial auch ziemlich gut eingeordnet.

Dszu einige persönliche Anmerkungen.

Usability, Hektik und Pragmatismus

Faxen geht immer!

Faxen geht immer!

Regelmäßig wird eingeordnet, dass bei allen Problemen der gematik-Plattformen alte Lösungen (Fax!) noch bei weitem unsicherer sind. Stand jetzt würde ich aber auf dem Hügel sterben, dass sie nicht wegen gefühlt höherer Sicherheit verwendet werden, sondern weil sie praktischer und zuverlässiger sind. Faxen geht immer. Für KIM etc. muss man Karten in ein (freies) Terminal stecken, Kram machen, hoffen, dass die Infrastruktur funktioniert, abwarten, Erfolg prüfen. Fax legste auf die Scheibe, drückst Kurzwahl und rennst zum nächsten Patienten. Das ist der Usecase und die Usability, die man vor Ort braucht.

96% Uptime!

96% Uptime!

Um das wiederum einzuordnen: Letztens bloggte ich über die Usability meiner AOK-ePA-App. Bzw. ihr Nichtvorhandensein. Wenn Bianca jetzt sagt, die gematik-infrastruktur bestehe aus einer Unzahl einzelner Module, dann nicke ich heftig. Wenn sie dann von immerhin 96% Verfügbarkeit zwischen Apr-Jul 2025 spricht, nicke ich weiter, und wenn sie das zu „über zwei Wochen Ausfall pro Jahr“ hochrechnet, ebenso. Wer das mal nachempfinden will: Ich schubste mal ti-monitoring.de auf Arbeit in unsere News und installierte mir die Notifications in dem Zug auch selber. Seit September kriege ich jedes ausfallende Modul der TI auf mein Handy gemeldet und ich sag mal so: Cloudflare ist ein Scheiß dagegen.

Nochmal: Usability, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit sind die chronisch unterbelichteten Aspekte an der ganzen Kiste.

Ich bin überzeugtes Mitglied im Team Zynismus und japanische Pornografie, aber selbst ich kann mir vorstellen, dass sich die gematik irgendwann ein widerwillig-anerkennendes „sieht langsam ok aus“ nach einem Congresstalk abholen kann. Ich tu mich massiv schwerer mit der utopischen Vision, dass Beschäftigte in Arztpraxen und Apotheken froh an die Kiste sitzen, ihren eHBA scharfschalten und sich über die einfach und reibungslos funktionierende IT freuen, die ihnen Arbeit abnimmt und Zeit spart. I WANT TO BELIEVE, alleine, nun ja.

Ansatz OK, nur bin ich Team Flora

Ansatz OK, nur bin ich Team Flora

Saal G hieß Ground und war im dritten Stock

Saal G hieß Ground und war im dritten Stock

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