39C3, Nachträge v.a. zu KIM, ePA, gematik von zuhause

LED-Sterne. Schön, wie alles andere

LED-Sterne. Schön, wie alles andere

A first: zweieinhalb Stunden Verspätung bei der Bahn, und weil dann kein Zug mehr fuhr, kriegte ich einen Taxigutschein von Essen nach Wuppertal. Einmal mehr: ich habe einen Heidenrespekt vor allen Leuten, die dort was am Laufen halten, was seit über 20 Jahren politisch gewollt kaputtgespart wurde.

Ich hab das vage Gefühl, mich für den 40C3 in der Wiki-Area als Freiwilliger gemeldet zu haben, aber fühlt sich nicht schlecht an. Weiter habe ich leider ein paar Leute verpasst, denen ich gern über den Weg gelaufen wäre, war einmal mehr geflasht von einer unglaublich angenehmen und anregenden Community und ansonsten normal übermüdet, unterzuckert und überkoffeiniert.

Medtech, gematik, ePA und Konsorten. Ich nutzte Verspätung und ICE-Wlan, um ein paar verpasste Talks im Bereich Medizintechnik, Digitalisierung, ePA, KIM etc. nachzugucken. Das war einmal die KIM-Analyse von Christoph und natürlich die neuerliche ePA-Zerlegung von Bianca. Beide Talks wurden recht breit rezipiert und meiner Ansicht nach medial auch ziemlich gut eingeordnet.

Dszu einige persönliche Anmerkungen.

Usability, Hektik und Pragmatismus

Faxen geht immer!

Faxen geht immer!

Regelmäßig wird eingeordnet, dass bei allen Problemen der gematik-Plattformen alte Lösungen (Fax!) noch bei weitem unsicherer sind. Stand jetzt würde ich aber auf dem Hügel sterben, dass sie nicht wegen gefühlt höherer Sicherheit verwendet werden, sondern weil sie praktischer und zuverlässiger sind. Faxen geht immer. Für KIM etc. muss man Karten in ein (freies) Terminal stecken, Kram machen, hoffen, dass die Infrastruktur funktioniert, abwarten, Erfolg prüfen. Fax legste auf die Scheibe, drückst Kurzwahl und rennst zum nächsten Patienten. Das ist der Usecase und die Usability, die man vor Ort braucht.

96% Uptime!

96% Uptime!

Um das wiederum einzuordnen: Letztens bloggte ich über die Usability meiner AOK-ePA-App. Bzw. ihr Nichtvorhandensein. Wenn Bianca jetzt sagt, die gematik-infrastruktur bestehe aus einer Unzahl einzelner Module, dann nicke ich heftig. Wenn sie dann von immerhin 96% Verfügbarkeit zwischen Apr-Jul 2025 spricht, nicke ich weiter, und wenn sie das zu „über zwei Wochen Ausfall pro Jahr“ hochrechnet, ebenso. Wer das mal nachempfinden will: Ich schubste mal ti-monitoring.de auf Arbeit in unsere News und installierte mir die Notifications in dem Zug auch selber. Seit September kriege ich jedes ausfallende Modul der TI auf mein Handy gemeldet und ich sag mal so: Cloudflare ist ein Scheiß dagegen.

Nochmal: Usability, Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit sind die chronisch unterbelichteten Aspekte an der ganzen Kiste.

Ich bin überzeugtes Mitglied im Team Zynismus und japanische Pornografie, aber selbst ich kann mir vorstellen, dass sich die gematik irgendwann ein widerwillig-anerkennendes „sieht langsam ok aus“ nach einem Congresstalk abholen kann. Ich tu mich massiv schwerer mit der utopischen Vision, dass Beschäftigte in Arztpraxen und Apotheken froh an die Kiste sitzen, ihren eHBA scharfschalten und sich über die einfach und reibungslos funktionierende IT freuen, die ihnen Arbeit abnimmt und Zeit spart. I WANT TO BELIEVE, alleine, nun ja.

Ansatz OK, nur bin ich Team Flora

Ansatz OK, nur bin ich Team Flora

Saal G hieß Ground und war im dritten Stock

Saal G hieß Ground und war im dritten Stock

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39c3, Tag 2

39C3. Here be dragons.

39C3. Here be dragons.

Angekommen und zum Warmwerden in einen Talk zum Widerstand gegen kenianische elektronische ID-Pläne reingehorcht (Aufzeichnung). Ich hab da gar keine Hintergründe, was postkoloniale Verwaltungsstrukturen in Kenia angeht, aber den Horizont hats erweitert. Wir reden viel über Europa, meinetwegen noch die USA und als großes Vorbild über die Dystopie China, was digitale Erfassungs- und Verwertungssysteme von Bürgerdaten angeht. Was und wie da in anderen Staaten mit fragileren oder riskanteren Hintergründen agiert wird (und dass auch da erfolgreich Zivilgesellschaft schlimmes Zeug verhindert) – ich ziehe meinen Hut und fühle mich klüger.

Datenwolf. It wolfs Data.

Datenwolf. It wolfs Data.

Darknavy. Drei chinesische Kids hacken kommerzielle humanoide Roboter. (Aufzeichnung) Im Sinne von „wir rooten die und bringen sie dazu, genau das zu machen, was wir wollen, z.B. Leuten in die Fresse schlagen“. Ich denke ein wenig an die Probleme im Automotive-Bereich und ahne, hier sind einfach nochmal deutlich mehr Schnittstellen und Angriffsvektoren. Und überhaupt, Auf die Frage, dass da ja 50.000 dieser Roboter draußen im Einsatz wären und sie sie prinzipiell übers Netz hätten übernehmen können: Naja, so einfach wäre das nicht gewesen, man muss die Seriennummer der jeweiligen Roboter kennen, und da hätten sie halt nicht damit rumgespielt. Klar, Möglichkeiten gabs, aber taten sie halt nicht. Ich weiß nicht, so das „jetzt, wo ihr fragt, ja, man hätte sich da eine 50K-Roboterarmee zusammenhacken können, aber wir hatten anderes zu tun“ ist so ein Punkt auf der Bingokarte, bei dem ich lieber flugs ein „wie fickend cool sind die?“ kommentiere, als mir länger und tiefergenend Gedanken zu machen. Hihi, Publikumsfrage „Did you try cars?“ Nein, das sei schwieriger.

Augen. Es gibt hier welche zum Mitnehmen

Augen. Es gibt hier welche zum Mitnehmen

Make cat wink!

Make cat wink!

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39C3, Tag 1, KI statt KIM

CCH bei Nacht, draußen

CCH bei Nacht, draußen

A first, ich kam an und war fertig. Normal schlage ich auf dem Congress auf und hab das „Endlich normale Leute“-Gefühl, dieses Jahr nada, ich fühlte mich einfach nur kaputt und denke, die letzten Wochen waren einfach zu viel. Ich schreibe das gegen 21.30 und es wurde besser. Mal sehen.

Ich wollte eigentich direkt in den KIM-Talk, (Aufzeichnung) die Bahnpünktlichkeit hätts hergegeben, aber ging nicht weil siehe oben. Ich nahm mir vor, einfach mal das Koffein- und Fußlahmheitslevel auf Kongressniveau zu bringen und zu schauen, ob das ausreichend zur Eingewöhnung wirkt. Tatsächlich ergab sich dann zwischenrein eine angenehme Unterhaltung am Wikipediastand, gemeinsames Rätselraten mit weiteren Bystandern an der Telnet-Base und schließlich ging ich noch FTPs gucken, für Tag eins waren die gar nicht schlecht.

Angekommen an der Homebase

Angekommen an der Homebase

Saal 1 war den halben Tag über immer voll. Ich hatte auch erst einfach nicht den Nerv, mich in eine Schlange zu stellen und stellte dann an der Homebase (Chaos West/Bochumer Tisch) fest, dass ich keine Kopfhörer fürs Streaming dabei hatte. Nach weiteren Rundwanderungen zum sich alles mal angucken und erfolglosem Kopfhörercheck beim Späti-Hardwareshop stieß ich auf einen Hardwaretauschtisch, auf dem unter anderem ein recht fetter Kopfhörer rumlag. Eingepackt, testweise angeschlossen, rennt. Kleine, feine Dinge, die passieren.

Waschmaschinen hacken, its a thing

Waschmaschinen hacken, its a thing

Abgeholt hat mich dann noch der „Wir hacken Waschmaschinen„-Talk. Großartig.

Die Demo-Hausgeräte, ohne Mechanik und wasserführende Module

Die Demo-Hausgeräte, ohne Mechanik und wasserführende Module

Tatsächlich relatiert: Waschkatzen bieten Waschmaschinenservice.

Tatsächlich relatiert: Waschkatzen bieten Waschmaschinenservice.

Bei Miele die Steuercodes über eine Timing-Attacke an einem undokumentierten Debug-Port ausgelesen und anschließend den Chip ausgelesen. Bei B/S/H (Siemens, Bosch etc.) das Busprotokoll reverse engineered und bei beiden dann Scheibrechte in den Programmen/Steuerungsroutinen und Home Automation angebunden. Sahnehäubchen: Auf der gemeinsamen Anreise zum Congress haben sie noch ein Kompatibilitätslayer über die Miele-Steuercodes gelegt, um die Miele-Maschine mit der Siemens-App ansteuern zu können. Ich liebe alles daran. (Aufzeichnung) Weiterlesen

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Wikipedia-Betrachtungen eines kleinen Autorenlichts

Folgendes wird ein Erklärbär über häufige Missverständnisse und Konfliktthemen der (insbesondere deutschen) Wikipedia zum gelegentlichen Linkwerfen, um mal einmal ordentlich und nicht immer wieder schnell zwischenrein Kram zu erklären. Quicklinks:

Relevanzkriterien, warum, wie und überhaupt
Die andere und bessere Englische Wikipedia
Alte weiße Männer
Typische Löschdiskussionen
Von mir als solche empfundene Probleme
Optimistische Schlussschlenker

„Erklären“ bedarf der Vorwarnung. Ich bin

– ein alter, weißer Mann (meh),
– mit ein paar tausend Edits in der deWiki und
– nochmal soviel in diversen anderen Wikiprojekten.

Das macht mich zu einem kleinen mittleren Licht. Ich schreibe und überarbeite vor allem Artikel (im Gegensatz zu Leuten, die eher wartend/verbessernd/aufräumend unterwegs sind). Ich hab ein kleines Faible für die Löschdiskussion und begann die vor ein paar Jahren recht konstant zu verfolgen, um ggf. Artikel retten zu können. Das tu ich dann auch in einer leider recht kleinen (inzwischen mittel zweistelligen) Zahl von Fällen. Eher vor kurzem begann ich, mich auch an Adminwahlen zu beteiligen, weil man dann doch irgendwann eine Portion Namen kennt und weiß, wie sie unterwegs sind. Und an sich ist das ja bei mir wie auch eigentlich allen weitgehend öffentlich einsehbar. Selbiges offengelegt, zu einigen subjektiven Betrachtungen.

Enzyklopädische Relevanz und ihre Kriterien

Ich halte mich selber für einen Inklusionisten, wenn man mich fragt: Ich will Artikel und Inhalte im Zweifel lieber behalten. Das gern gebrachte „Plattenplatz reicht“-Argument würde aber auch ich vehement ablehnen. Relevanzkriterien sind keine Beurteilung von wem oder was auch immer, sie sind auch keine Regelhuberei oder Selbstzweck, sie sind ein (notwendiges!) Mittel für insbesondere zwei Zwecke:
– Sicherstellung zuverlässiger Quellen und
– Streitvermeidung.

Grundprinzip der Wiki ist: Bekanntes wird abgebildet. Bekannt ist, was in zuverlässigen Sekundärquellen steht. Wenn ich auf der korrupt.biz schreibe, dass ich ein geiler Typ bin, charmante Konversation betreibe und angenehm rieche, kann ich in der Wiki keinen Personenartikel über mich schreiben und das damit belegen. Wenns der Spiegel schreibt, ists was anderes, es würde trotzdem gelöscht (ich komm drauf zurück). Wenn der Spiegel fünf Jahre lang in seinem Silvesterrückblick schreibt, dass Ruppsel einmal mehr der charmantest konversierende, wohlduftendste Typ des Jahres war, dann kommen wir langsam ins Geschäft. Dann schreib das nicht nur ich über mich, dann ists auch keine Eintagsfliege, kein „jemand macht halt seinen Job und wird mal erwähnt“, dann wirds zeitüberdauernd bemerkenswert und ist unabhängig belegbar.

Und jetzt kommen wir zu den schlimmen Relevanzkriterien. Irgendwo zwischen „Spiegel führt Ruppsel als wohlduftenden geilen Typ“ und „kürt ihn fünfmal in Folge zum wohlduftendsten geilen Typ des Jahres“ muss man den Strich ziehen. Und ja, man *muss*, denn sonst führt man die Debatte in jedem einzelnen neuen Fall wieder neu und muss dazu noch begründen, warum mal so und mal so entschieden wurde. Am einen Ende gibts schlicht zu wenig belegte Information für einen sinnvollen Artikel. Am anderen Ende sind wir safe. Die Grauzone dazwischen muss irgendwie in das Schwarzweiß von bleibt/muss weg.

Der Grund, warum praktisch jede Porn-DVD einen Wiki-Artikel kriegen könnte

Der Grund, warum praktisch jede Porn-DVD einen Wiki-Artikel kriegen könnte

So kams zur Entwicklung der Relevanzkriterien und ich bin unendlich dankbar, dass das vor meiner aktiven Zeit geschah. Deswegen sind die RK auch extrem ausdifferenziert und unterscheiden sich zwischen verschiedenen Themenfeldern, Personengruppen, Berufen, Organisationen etc.pp. massiv. Meinetwegen im Sport sind Kriterien vergleichsweise einfach abzugrenzen (ab welcher Liga? Wettbewerben welcher Ebene, ab welchen Plätzen?) und Artikelgegenstände ironischerweise auch meist hervorragend dokumentiert. Natürlich entstehen so Ungleichgewichte und lassen sich beliebig absurde Relevanzvergleiche mit gelinde gesagt eigenartigen bleibt/muss weg-Folgen konstruieren. Was tun? Um mich selbst zu zitieren:

„Über wen nicht ausreichend öffentlich berichtet wird, kann nicht rein, weils keine unabhängigen Quellen gibt. Ich ahne, das ist einigermaßen unvermeidlich. Das „ausreichend“ wurde nach X Kategorien definiert und niemand traut sich mehr, das aufzudröseln, weil endlose Diskussion und kein Konsens. Daher im Übrigen auch laxere Regeln in manchen Bereichen mit viel Berichterstattung (zb. Sport, Porn-Sternchen etc.) und denen mit weniger (haha, Sozialwissenschaften).

Welche Regeln sollen es sein, die verhindern, dass jeder Linkedincoach sich seine Werbeseite baut und ermöglichen, dass „relevante“ Leute zuverlässig eingeschlossen sind? Wer will welche Sonderregelungen wie überzeugend durchsetzen? Das ist alles nicht neu, x-mal diskutiert und ich kann nicht mal sagen, was ich selbst gut fände.“

Bis zu diesem Problem kommt man in den einschlägigen Erregungen in der Regel nicht (und an der Stelle danke an die, die hier noch lesen). Tatsächlich könnten Relevanzkriterien sicherlich in vielen Bereichen verbessert, verfeinert, an veränderte Realitäten angeglichen werden, mit Fokus auf welche Unausgewogenheit auch immer, nur müsste das jemand ™ erarbeiten, definieren, in die Diskussion bringen und schlussendlich einen Konsens herstellen. Letzteres nicht alleine, sondern mit allen anderen zusammen, aber das machts nicht leichter. Im Gegenteil, und deswegen passierts selten bis sehr selten. Meinem Empfinden nach sind alle immer mehr oder weniger unglücklich mit der konkreten Ausgestaltung der RK, aber gleichzeitig verdammt froh darüber, dass wir sie haben, weil ohne sie fliegt einem schlicht alles um die Ohren.

Um hier mal einen sehr positiven Schlenker zu machen: ich wage die tapfere These, dass die eher träge RK-Kriterien-Weiterentwicklung auch damit zu tun hat, dass der Großteil der Leute halt eigentlich eine geile Enzyklopädie schreiben will und das auch lieber tut, als sich das x-te mal durch ermüdende und in der Regel wenig effektive Grundsatzdiskussionen zu quälen. Ist das gut, ist das schlecht? Im Kontext der „$wichtiges-lemma wird gelöscht, aber $pornsternchen bleibt stehen!“-Debatten entstand irgendwann der Begriff „Pornikel“ für die einschlägigen Kurzartikel mit begründet bestreitbarem Mehrwert, alleine wegen der Begriffsschöpfung bin ich ein wenig versöhnt, aber das kann man natürlich auch anders sehen.

Die enWiki macht das viel entspannter!

Ich hab wenig in der englischen Wiki geschrieben, meine Wahrnehmung ist (bei schmaler Erfahrungsbasis) eine andere. Die RK werden mehr oder weniger verschieden zur deWiki sein, es müssen aber dieselben Fragen geklärt und dieselben Probleme gelöst werden als in der deWiki, und es entstehen dieselben Konflikte. Ich hab mich nebenan bislang an einer LD beteiligt (RadioTux, blieb) und kann vergleichend sagen, dass in der deWiki ohne neue Löschgründe keine neue Löschdiskussion möglich gewesen wäre wie hier geschehen („2nd Nomination“). Eine erkennbare Struktur (Diskussionsdauer, Entscheidung) sehe ich dort auch nicht, aus der Hüfte würde ich sagen, hier ist die deWiki klarer, freundlicher(!) und verlässlicher. Weiterlesen

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Pornhub macht alles richtig (Year in Review 2025)

Es mag gute Gründe geben, Pornhub mit einer gewissen Skepsis zu betrachten, ja, sie gar streng zu kritisieren, alleine, der Year in Review 2025 triggert mich zu einer umfassenden Lobpreisung, nachdem ich die These „Pornhub macht alles richtig“ über die Jahre nur in diversen Vorträgen und nur bezogen aufs Onlinemarketing vertreten habe. Da machen sie auch alles richtig, aber eben nicht nur dort. Außerdem retteten sie mir den Tag auf einer ansonsten entsetzlichen Dmexco vor X Jahren, aber ich schweife ab.

Das Year in Review von Pornhub ist der einzige Jahresrecap, auf den ich mich regelmäßig freue und den ich mit Interesse lese. Ich meine, sie fingen 2016 damit an, jedenfalls finde ich Folien von mir, die die These stützen…

Pornhub-Foliencontent since 2016

Pornhub-Foliencontent since 2016

…und noch weiter vorher gabs bereits Pornmd.com, eine „Liveanalyse“ des Suchtraffics auf dem diversen Pornhub-Network-Seiten. Grade stelle ich fest, das wurde wohl verkauft – bis Ende 2023 Pornhub-Network, seitdem eine niederländische Porn-Suchmaschine mit vielen, aber nun, anderen Quellen, und sieht mir alles sehr bezahlt aus. Whatever.

PornMD Live-Pornstats, n3v4r 4get!

PornMD Live-Pornstats, n3v4r 4get!

Disclaimer vorweg: ich bin nicht naiv, und ihr solltet es auch nicht sein. Was wir hier sehen/lesen, ist natürlich eine hochbereinigte und weißgewaschene Außendarstellung. Nicht im Sinne von „wir malen uns unsere Statistiken spannend“, sondern im Sinne von „Die Abgründe filtern wir weg“. Ich hab schon die eine oder andere Pornsuchmaschine von hinten gesehen und wenn man die Suchanfragen sieht, bevor die ganzen „preteen“ und „rape“-Anfragen (und schlimmeres) rausgefiltert sind, verliert man den Glauben an die Menschheit. That said.

Das Air war nicht so geil.

Das Air war nicht so geil.

Seit Jahren macht Pornhub im „Year in Review“ eine umfassende Traffic- und Suchanfragen-Analyse global und nach Ländern runtergebrochen, in wachsendem Maß angereichert mit netten Detailbeobachtungen und inzwischen auch längerfristigen Trends, es gibt inzwischen ja eine umfassende Recap-History. Dazu zwischenrein immer mal wieder anlassbezogene Infosnippets (Wie stark bricht der Traffic bei Sonnenfinsternis ein? Wie stark steigt er nach einer Apple-Keynote?), oder, ich sag mal, diskutable Ableitungen zu diversen Nationalcharaktern.

Dass das populärste Genre in Deutschland 2024 „Anal“ war und 2025 „German“, nun, ich bin sicher, es sagt was aus. Aber werden wir strukturiert. Ich sehe in den „Years in review““ drei größere Aspekte, die mich beschäftigen:
1. grundsätzliche Netznutzung (v.a. interessant)
2. erstaunliche Verschiedenheiten (v.a. amüsant) und
3. eine positive Normalisierung von Sexualität und Vielfalt (v.a. erfreulich).

Grundsätzliche Netznutzung

„Mobile first“ ist Basiswissen, allein, selbst im Pornbereich knappe 90% mobile ist eine Ansage, die einem nochmal auf andere Weise deutlich macht, wie wenig das tägliche (Publisher-) Arbeiten am Desktop mit dem mobilen Konsum der Nutzer zu tun hat. Spannend indessen: ich meine, zum ersten mal seit langem wieder sinkender Mobile-Anteil (-3%, Tablet und Desktop legten zu). Deutschland mit 18%(!) höchster Desktopanteil überhaupt. Und yeah!, 6,3% Linux auf dem Desktop, i like. Außerdem, i kid you not: 1% für VR (Meta Quest). Das ist ein beachtlicher Erfolg, bedenkt man die schlappen hundert Milliarden, die Zuck dafür verbrannte. Die Witze schreiben sich von selber. (zwei Absätze mehr zum erbärmlichen Zustand der Porn-VR nebenan). Weiterlesen

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Bosch-Ersatzteilbeschaffungen 9 Jahre später, Recap und Googlebashing

Teilzerlegter Bandschleifer

Teilzerlegter Bandschleifer

Vor fast neuneinhalb Jahren schrieb ich einen Bosch-Fanboyartikel, in dem ich einerseits feines Gerät lobte, die Beschaffung von Ersatzteilen bei Bosch hingegen als einen eher mühseligen Prozess mit einiger Luft nach oben beschrieb. Konkret: Auffindbarkeit meh, Usability meh, Angebot und generelle Reparierbarkeit per se aber hervorragend. Zusammengefasst: viel Licht unter großen Scheffeln und ein im- wie auch explitzites „Warum?“

Und vorneweg: heute ist das alles ein Träumchen, ich bin begeistert.

Damals passierte erst mal wenig. Ich erinner mich (es waren datenschutztechnisch entspanntere Zeiten) dass ich Traffic von Bosch-IPs auf dem Blog hatte, jemand nahms zumindest zur Kenntnis. Auf der Heimwerken-Facebookseite biederte ich mich gelegentlich an, sie sollten doch einen Erotic-Males-mit-Boschwerkzeug-Kalender machen und ich würde auch gern die Beispielbilder liefern, aber niemand sprang drauf an. Die Bosch-Geräte liefen indessen solide und auch wenn ich heute die kleinen 12V-Akkuteile in der GPA gelegentlich sehr praktisch finde, es geht doch nichts über eine schöne, kabelgebundene Bosch Blau-Handkreissäge, freihand ein paar Schnitte machen, sich von berufenen Leuten einen Grobmotoriker mit immerhin ruhiger Hand schimpfen lassen und … ich schweife ab.

Lieblingsgerät

Lieblingsgerät

Jedenfalls, am Bosch Blau-Bandschleifer war irgendwann der vordere Handgriff fratze. Nur wegen nem Handgriff was ordern war albern, weswegen ich den Bosch Grün-Schleifer aus der „defekt“-Kiste holte und beschloss, trotz eines wahrhaft langen und arbeitsreichen Lebens habe er noch ne Chance verdient.

tl:dr: das macht man heute auf boschtoolservice.com und was soll ich sagen, ich finde immer noch alle Ersatzteile für meinen Bosch Grün PBS 75 A. Und ich kann das gar nicht hoch genug hängen: konkret für genau meinen, das ist nämlich der älteste der Serie, am Ende einer Liste von immerhin 55 Iterationen und Ländervarianten. Ich müsste ihn Anfang Zehnerjahre (mit Venturekapital von Rocket Internet, haha!) gekauft haben und FSM weiß, er hat seinen Teil geleistet seitdem. Grüne Serie und nach wahrscheinlich eher 15 als weniger Jahren noch komplett reparierbar, ich wertschätze erheblichst.

Kurz nur das Doing: ich klickte mir die benötigten Teile zusammen, wurde auf aktuelle Verzögerungen wegen Vorweihnachtszeit hingewiesen (ich ahne Inventur), kriegte wie angesagt mein Päckchen und hab nun wieder zwei laufende Bandschleifer in der Utopiawerkstadt (a propos: spenden?).

Historischer Bandschleifer mit aktueller Ersatzteilliste

Historischer Bandschleifer mit aktueller Ersatzteilliste

Aber zum interessanten: Manöverkritik. Alles kein Vergleich zu damals. Komplett andere Liga. Man landet (nicht unmittelbar, ich komm dazu) beim Ersatzteilservice und findet eigentlich mit allen seinerzeit monierten Suchoptionen, was man braucht: Modellbezeichnung, Typnummer, Ersatzteilnummer. Klickbare Explosionszeichnungen. Bauteillisten drunter. Man schmeißt alles in den Warenkorb, zahlt und kriegt Material. Usability onpage wunderbar. Weiterlesen

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Elektronische Patientenakte mit der AOK: Three apps in a trenchcoat

Alle reden davon, wie unsicher die ePA sei, dass man der Nutzung widersprechen sollte etc. etc., ich bin in der luxuriösen Situation, dass mir das alles weitgehend latte ist und ich den ganzen Kram ausprobieren will. Außerdem hört man so spannende Geschichten von Leuten, die via KK-Abrechnungsdaten erstmals sehen, was für umfassende Beratungen, Anamnesen und Diagnosen bei ihnen berechnet wurden, die sie in zwei Minuten Arztgespräch so erhielten. Ich hab
– einen Perso mit eID,
– ein NFC-Smartphone und
– passende KV-Karte,
ich kann mir den Kram freischalten, schaltete frei* und rannte ein halbes Jahr damit rum.

In dem halben Jahr war ich zweimal bei meiner Kopfdoktorin, um mir den Nachschub an Psychopharmaka abzuholen, weiter nutzte ich die lange Nacht des Impfens vor einigen Wochen für wichtige Security-Updates am Immunsystem. Und dachte mir, davon sollte man doch mittelfristig was sehen.

Und nun schauen wir mal, was in meiner ePA steht und wie sich das Nachschauen anfühlt. Spoiler: man sieht exakt zwei Psychopharmakaverordnungen plus Apo-Ausgabe. Und viele, viele Ladescreens, denn wie überschriftlich bemerkt: die „Mein Leben“-App der AOK ist nicht eine, sondern viele Apps, und das merkt man. Sehr.

Und an der Stelle ahne ich auch, warum das folgende Video derart ermüdend und an 33,6-Modemzeiten erinnernd ist: da wird je nach Funktion zwischen den Apps gewechselt, jeweils immer neu gegenidentifiziert, und das dauert. Hint: am Wlan liegts nicht, und iPhone SE 2022 ist jetzt nicht grade die lahmste Schnecke am Baum. That said. Im Folgenden

startet die App (0-0.25)
– schau ich in meine (leere) ePA (0.26),
– in die Zugriffsverwaltung (ab 0.55), in der seltsamerweise auch
Abrechnungsdaten (nee, keine) der KK liegen oder zumindest angefordert werden können, (1.05) weiter die
Berechtigungen? zum Medikationszugriff (auch leer), ab (1.20), daher dann mal zurück zur
Medikation (1.28), dort finden sich meine Glückspillen.
E-Rezept (1.49) knöpft den Trenchcoat eins weiter auf, naturgemäß grade nichts reingebucht, wenns bis (2.17) so aussieht, ob da was schiefging: nein. Alles OK. Im Archiv ist was. Nach
Impfungen guckte ich dann noch ab (2.33), aber weder Covid noch Grippe zu sehen. OK, lange Nacht s.o., aber ich hätte vermutet, dass sowas dann hier abgelegt wird. Wirds nicht.
– kurz geblurrt ab (2.45), weil alle Kennziffern müssen nun nicht ins Netz, aber ein Blick in die Profildaten. Ausklang mit einer FAQ.

Nicht im Film: ich stieß dann noch auf den TI-Messenger (sicherer Messenger für Institutionen aus dem Gesundheitssystem). Um Kontaktdaten zu einer Institution zu kriegen, kann man z.B. dort angebotene QR-Codes scannen und dann supersicher chatten, wenn wer mit einem reden will. Zuerst hielt ich den QR-Code unter „Kontaktinformationen“ für den der darüber „empfohlenen“ AOK, aber ich glaube, das ist meiner, den dann andere Leute scannen können. Weiterlesen

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Die Erotikmesse als Gesellschaftsdiagnose

Ich verehre Netzpolitik ein wenig und hab ihnen auch einen Dauerauftrag eingerichtet, wenn ich mich jetzt über Vincent Försts Kolumne „Die neue Einsamkeit“ zu Messeeindrücken von IFA und Venus dezent echauffiere, geschieht das aus einer Perspektive der allgemeinen Wertschätzung (Netzpolitik) als auch der spezifischen (Vincent), denn die Beobachtungen des letzteren scheinen mir durchaus wert, etwas länglicher zu schreiben. That said.

Vincent, in a Nutshell: Sowohl IFA (Elektronik/Unterhaltung) als auch Venus (ErotikPorn) sind Messen, die je auf ihre Art Leute zusammenbringen sollen. Dank KI, Digitalisierung und Selbstoptimierung werden sie indessen Leitmessen der Vereinsamung. Von den bedeutsamen Aspekten des Tuns (hier via Thermomix, der per KI das Kochen entfremdet, dort durch die gepuderte und beheizte Realdoll, die statt einer echten Partnerin Selfies auf die Arbeit schickt) wird man abgeschnitten, anstatt dass der technische Fortschritt hier Zugänge schafft, erleichtert, whatever.

Und nun ist das ein so schönes und stimmiges Bild – ich geb gerne zu, daran wär ich auch nicht wortlos vorbeigegangen, hätte ich die beiden Events besucht. Aber so schade es ist, meiner Ansicht nach fällt das ziemlich in sich zusammen. Ich hoffe indessen, auf eine durchaus bereichernde und horizonterweiternde Weise. Also.

Es klingt trivial, scheint mir aber vorweg ein zentraler Punkt:

Eine Erotikmesse taugt nicht zur Konstruktion von Gesellschaftsdiagnosen.

Gott spielen. Vereinsamungssymbolik auf der SEX NOW

Gott spielen. Vereinsamungssymbolik auf der SEX NOW

Es macht zugegeben aber Spaß und man will direkt mitkonstruieren. Gehen wir also zehn Jahre zurück, 2015 gabs gleich zwei Awards für Mystim, bester Hersteller und beste E-Stim-Line. Beide Kategorien verschwanden in der folgenden Dekade, und nun frage ich mich, was sagt es über unsere Gesellschaft aus, dass Elektrosex nicht mehr gefragt ist? Innovativstes Toy 2015 war der Topco Sales Twerking Butt, schon damals konnte man den prämierten Plastehintern auf körperwarm vorheizen. Nochmal fünf Jahre zurück zur Venus 2010: es erschreckt mich geradezu, wie uninteraktiv die Awards 2010 waren, extremst filmlastig, zwei, hihi, „Magazine“ und durch die Bank halt „zu konsumierendes“. 2025 hingegen: Preise für die „Erotik-Influencerin“ sowie die „Erotik Influencer Agentur“ des Jahres, kommunikative Formate wie Onlyfans und Chaturbate weitere Gewinner usw.

Kurz: in zehn, fünfzehn Jahren wurden wir offenbar von einsamen Wichsern, die sich gelangweilt vor dem Bildschirm Elektroschocks verabreichen, zu kommunikativen, sexpositiven Akteuren, die Erotiktipps von echten Menschen anhören. Die sich in ihren Cam-Communities untereinander austauschen, statt einmal mehr die Ratgeberseiten der verklebten Magazine durchzublättern. Selbst die hartgesottensten Forever-Alone-Guys gingen vom beheizten Hintern zum beheizten Ganzkörpermodell über und sind so zumindest vorbereitet, wenn sie je irgendwann doch mal mit mehr als einem Arsch konfrontiert wären.

Kein Zweifel: Es geht voran! Weiterlesen

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Blogwochen: Wie privat darfs sein, und wie privat wär nötig?

Wird ne Konstante: irgendwas ploppt in den Blogwochen hoch und ich ärgere mich. Im konkreten Fall, weil ich irgendwann dachte, jupp, wenns soweit ist, zum Thema „Privates und Öffentliches – Welche Themen wir bewusst aus unseren Blogs heraushalten“ zu tickern, dann hol ich mal aus. Zack, Stresswochen, ging unter. Aber das Thema liegt mir als Klemmspack0 am Herzen, also, Privates, und ich fang mal mit einer starken provokanten These an:

Wer in den Blogwochen rumspaziert, wirkt auf mich in der Regel als mehrfachprivilegierter weißer deutscher alter Mann, und damit einher gehen Möglichkeiten, die andere nicht haben. Und wenn man piesacken will, dann hängt da sogar ein wenig Verantwortung dran.

YMMV und vorangeschickt, ich seh mich da im Guten wie im Schlechten nicht als das Maß aller Dinge. Persönlich erlebe ich relevanten gesellschaftlichen Impact oft bei erheblich privaten Themen, naturgemäß denen, über die man eben *nicht* spricht. Und ich fühle durchaus eine gewisse Verpflichtung, genau über diese öffentlich zu reden, wenn man das kann, denn die meisten könnens nicht.

Wenn ich mich über die Widrigkeiten beim Eingrenzen eines Hardwarefehlers in der Heim-IT echauffiere und mir Leute feedbacken, sowohl die Frustration als auch den abgrundtiefen Haß auf Nvidia nachfühlen zu können, ist das fein, spielt hingegen kosmisch betrachtet eine eher kleine Rolle.

Es klang schon bei den 15 Minuten Ruhm an: das spannende an Blog ist meiner Ansicht nach, dass man Möglichkeiten schafft, Bedeutsames entstehen zu lassen. Bedeutsam mag sein, wenn man „Denkprozesse anstößt“, wie Dirk sich das leider etwas unkonkret wünscht. Wenn der von mir ansonsten durchaus geschätzte Benedikt dann von Kauf- und Konsumentscheidungen auf Webstandards kommt, frag ich mich schon, ob das der Footprint ist, den man auf der Welt zurücklassen will. Usw.

Nicht von mir, aber ich begrüße ausdrücklich

Nicht von mir, aber ich begrüße ausdrücklich

Folgendes bitte nicht als ein „guckt her, was ich für ein geiler Typ bin“ verstehen, vielleicht bin ich einer, aber darum gehts mir nicht, sondern schlicht um möglichst anschauliche Beispiele, über die ich schreiben kann. Wenn mir wann auch immer rückgemeldet wurde, ich hätte wo ganz konkret und persönlich jemandem sehr geholfen, eine neue Perspektive geschaffen, whatever, dann gings um extremst private und sensible Themen. Vor auch schon bald zehn Jahren outete ich mich als trockener Süchtiger, letztes Jahr ergab sich draus, für ein anarchistisches Zine einen Artikel zum Thema Suchtselbsthilfe in anarchistischem Kontext zu schreiben. Feedback: alle Inputs fielen komplett anders als erwartet aus, gaben vielen Leuten Stoff zum Nachdenken und halfen einigen, die ersten notwendigen Schritte zu gehen. Weiterlesen

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Googles 100 Suchergebnisse: über Bande die KI sabotieren

Ich beobachte ja mit einer gewissen Mischung zwischen Faszination und Abscheu, wie die KI-Blase grade nicht nur sich selber, sondern alles mehr oder weniger vernetztes mit in die Spirale wachsender Beschissenheit zieht, und letzten Monat wars einmal mehr ein SEO-Thema, bei dem ich mich frage, wieder kaum wer, der/die da nen Elefanten im Raum adressiert? Es gab ne Zeit, in der Google per einfach angehangenem num=100 an die Suchergebnis-URL statt der üblichen 10 deren 100 URLs bei der Suche auswarf. Das wurde nun eher abrupt abgedreht, und man kann sich fragen, warum (wegen KI-Scrapern) und was man dafür inzwischen im Hause G. in Kauf zu nehmen bereit ist (alle sind sauer).

Normale Menschen werden eher selten ein „num=100“ an die Such-Url anhängen, es klickt ja schon keiner mehr auf Platz drei, von Seite zwei ganz zu schweigen. Nun nutzen aber eine ganze Latte Tools die Hunderter-SERP-Ansicht, weil sie da eben direkt mit einem Abruf die ersten zehn Seiten Google-Suchergebnisse für Keyword-Anfrage X auswerten können. Wenn Sistrix da ein paar Millionen Suchanfragen in x Ländern mehr oder weniger tagesaktuell misst, kommt ganz schön was zusammen. Dasselbe machen Searchmetrics, Semrush und noch ein paar Anbieter, man kann sie sich indessen einigermaßen abzählen. Vor allem machen sie es bereits seit Ewigkeiten, ein Problem wars wohl nie so recht, vor allem sind die Nutzer genau die Akteure, die über andere Kanäle (Google Ads) sehr viel Geld bei Google liegen lassen. Konkret: die nach wie vor den Löwenanteil von Googles Umsatz reißen.

Die kann man sauer machen, weil sie von heute auf morgen keine vernünftigen Daten mehr kriegen. OK, die Toolanbieter reagieren, faktisch müssen sie nun eben Faktor 10 mehr Queries absetzen und parsen, um dieselbe Datenquali zu liefern, und wenn man ab Seite 2 nur noch jeden zweiten Tag aktualisiert, wirds den Kunden auch nicht wirklich wehtun, aber nun. Kostet Geld und Compute.

Witzig wirds, wenn Google sich die eigenen Statistiken zerschießt. Wer für die eigene Seite eine Search Console eingerichtet hat, wird eine wundersame Verbesserung der eigenen Durchschnittsplatzierungen beobachten können.

Geilste Rankingverbesserung! … ach halt, Messartefakt.

Plötzlich alles im Schnitt eine halbe Seite weiter oben? Mitnichten. Es fehlen einfach X Datenpunkte auf hinteren Seiten. Alle? nein, ich hab immer noch Rankings bis 99. Jüngere Daten haben nichts dreistelliges mehr. Auf mich wirken aktuelle Daten, als ob G. intern auf 100 und extern auf 10 Ergebnisse pro query gegangen wäre, so ganz überzeugt bin ich noch nicht, weil dafür ist der Aufstieg über die Latte Seiten, die ich von hinten sehe, zu kräftig. Whatever. Durchschnittsrankings sind eh ein schmales Brett.

Was das wirklich witzige dabei ist: das ist Step 1 in Sachen „KI-Anbieter versuchen sich gegenseitig, die Qualität zu zerschießen“. Ich linke ungern auf SEO Südwest, weil man dort eher selten über die eigene Tischkante rausdenktbloggt, aber to prove a point: Dort stellt man fest, dass die Citations in ChatGPTs KI-Antworten um, hihi, 90% abnehmen, möglicherweise Kosten gespart werden sollen und das eventuell zufällig zusammenfällt mit Googles Abdrehen seiner SERP-Pipeline. Himmel, natürlich hängts da dran und natürlich hat Google keinen Bock drauf, dass die ChatGPT-Antworten auf massig ergooglete Quellen zurückgreifen können, um nachträglich zu prüfen, ob ihr generierter Slop vollkommener Schwachsinn ist oder ob sich doch vielleicht Links finden lassen, die wie eine passende Quelle aussehen könnten.* Kurz: Google will, dass ChatGPT schlechter wird, und deswegen drehen sie ein Feature ab, das ihren zahlenden Kunden jahrelang gute Dienste geleistet hat, weil fuck you. Weiterlesen

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