Ich bin bekennender koks.digital-Fan, insofern kürze ich das allgemeine Lob ab: seit jeher die mir liebste Onlinemarketing-Veranstaltung, weils einfach die ideale Balance zwischen fähigen Speakern, breiter Perspektive und familiärer Atmosphäre hat, bei der man einfach auch mal Klartext reden und hören kann, auch und grade, wenn mal nicht alles eitel Sonnenschein und der neueste geile Growth-Hack ist.
Cave: ich kenn einige Leute dort schon sehr lang, unter anderem deswegen gibts folgend ein, zwei sehr persönliche Exkurse. Weiterhin bin ich kein Netzwerker und tu mich schwer mit Menschen, insbesondere mehreren auf einmal. Auf der koks passts für mich, und ich kann bisher von meiner Erfahrung her sagen: Speaker, Orga, Publikum einfach locker ansprechbar. Das liegt zum Teil wahrscheinlich an der pott-typischen Aversion gegenüber Bullshitterei, ich denke aber auch, dass das ganze Setting ne Rolle spielt: alle hängen zwischenrein mal in der Liegewiese hinter der Rotunde ab, alle stehen zusammen am Currywurststand und alle die meisten warten nach dem letzten Talk, bis Rene (Biersponsor!) mit dem Kasten Fiege vorbeikommt. Ich flachse ein wenig rum, aber halte die These für nachdenkenswert, dass die Qualität von Events steigt, wenn sie ohne Vip-Areas und Speaker-Lounges auskommen.
Keynote von Mohammadi Akhabach. Name klingelte nur ganz leise bei mir, aber hey, Mitbegründer von Lieferheld, fettes Apo-Portal gelauncht, spannend! Die Keynote war – dem Format angemessen – auf eher oberer Flughöhe plus ein Schwung Eindrücke von Früher(tm). Als Dinosaurier hab ich dafür Verständnis, im konkreten Fall passte alles gut zusammen, Tenor war das durchaus bedenkenswerte „Das Wichtigste passiert offline“. Im Kontext von Lieferdienst-Plattformen ist das unmittelbar klar, in einem Agenturjob für einen beliebigen eCommerce-Kunden ists schon nicht mehr ganz offensichtlich und ich ahne mal blasphemisch vor mich hin, dass es umso schwerer wird, je weiter man ins Rabbithole agentischer Toolsets gefallen ist, die meinetwegen mehr oder weniger effizient die Arbeit erleichtern/beschleunigen/whatever, aber auf jeden Fall mal noch ein weiteres Abstraktionslayer schaffen zwischen dem eigenen Handeln und den Realen Menschen Da Draußen, deren Geld/Aufmerksamkeit/Klicks man will.
Anschließend Stage 2 war vor allem, weil die Kollegen bei 1 blieben und ich dachte, komm, verteilen. Thematisch (Social Media) und channeltechnisch (waah, Linkedin!) überhaupt nicht meine Welt, aber ein supersympathisches Projekt. Die Bochum Wirtschaftsentwicklung ist natürlich als Unternehmen bei Linkedin aktiv, nur ists dort wie überall anders auch: Menschen interagieren irgendwie doch lieber mit anderen Menschen. Brands/Firmen mögen da alles richtig machen und trotzdem ists halt was anderes. Jedenfalls, sie hatten dann die „Bofluencer“ als lose Gruppe von Leuten zusammengetrommelt, die sich jeweils einzeln dran machten, regelmäßig auf Linkedin aus und über ihren Job zu berichten. Als Kern des (folgenden) Erfolgs blieben bei mir zwei Punkte hängen:
· eine eher lockere „best practise“-Vorplanung/Absprache der Leute untereinander mit nicht allzu hohen Anforderungen (übliche „Der Algo will X“-Kriterien wurden sehr frei gehandhabt/im Zweifel ignoriert) und
· vor allem Vertrauen/Rückhalt von Oben.
Ergebnis: mit einer Handvoll Leute, die wenig Zeit und viel intrinsische Motivation auf Linkedin werfen, übertrifft man zügig und deutlich die Reichweite eines solide betriebenen Unternehmenschannels. Mit dem man im Übrigen gut zusammen funktioniert. Anschließend gewinnt man Preise und spielt reichweitentechnisch auf einmal in anderen Ligen.
Mir gab das ziemlich zu denken, weil wir bei Draco eine extrem hohe Dichte an Überzeugungstätern haben. Linkedin ist halt nicht wirklich meine Welt, und vor allem gehen bei uns meiner Ansicht nach die Plattformen auseinander, wenn es um Corporate (-> Linkedin) und um die eigentliche Zielgruppe (MFA, Arztpraxen) geht (eher überall anders). Dass ich eine tolle Jobgeschichte auch auf Linkedin erzählen *musste*, passierte mir bisher einmal (Sertralin und Blutspenden, letztens war übrigens wieder der Blutspendebus da, halber Liter in 3:59 min, ich bin derbe stolz auf mich, aber deswegen nochmal bloggen?). Ich ahne, wenn man wirklich bewusster drauf achten würde, gäbs mehr Anlässe, ich tu mich tatsächlich ein wenig schwer. Wenn man anfängt, zur Übertragbarkeit auf andere Settings nachzudenken, wird man beliebig viele ja, abers generieren können und guten Gewissen nichts machen, mir scheints sinnvoller, da eher ein offeneres Auge für Möglichkeiten zu kultivieren und sich darüber mehr auszutauschen, weil so kommt man ans machen. Weiterlesen

























