Wikidata/Knowledge Graphen und mein KI-Theoriesteckenpferd

Ein bisschen angedockt ans Cccamp23, aber doch andere Baustelle: Wikidata. Man weiß ja, ich bin ein wenig getriggert von Knowledge Graphen und Wissensorganisation, und ich behaupte mal, Wikidata ist die größte und zugänglichste Plattform zu diesem Thema. Insbesondere im Kontext der aktuell gehypten konversationalen/stochastischen AI-Bots kommt mir das Thema massivst zu kurz, weil man aus Knowledge Graphen halt ableitbare Wahrheiten generieren kann, während die stochastischen Modelle prinzipbedingt auch beliebigen Quatsch generieren können. Mehr dazu und zu meiner „Irgendwer, hoffentlich auch Google, baut KI-Modelle auf Basis von Knowledge Graphen“Theorie nebenan.

Wikidata-Broschüre (und ein Fahrgastrechteformular) vom Cccamp23

Um dieser Theorie wie ein ordentlicher, hart rockender Wissenschaftler die Gelegenheit zu geben, an der Realität zu scheitern, stiefelte ich wie ebenfalls nebenan beschrieben zu Wikimedia und landete in einem allerliebsten Quizabend, der angenehm, aber der Theorieprüfung nicht förderlich war. Weshalb ich tags drauf nochmal hinging, ein längeres Gespräch führte und anschließend leider nicht bedeutend viel mehr wusste. Ein bisschen was gibts aber zu erzählen.

Ob denn der eine oder andere Big Player bekannt wäre, der Wikidata-Inhalte scraped bzw. eine größere Menge Queries absetzt? (Man muss dazusagen, einer meiner Gesprächspartner war Dev des SPARQL-Tools zur Query-Abfrage). Nein, nichts auffälliges. Ja, dass archive.org wegen KI-Training gescraped wurde, habe man mitbekommen, aber nichts in der Art auf Wikidata. Was wiederum aber auch eher unwahrscheinlich sei, weil die Datenmengen angesichts der starken Definitions/Verknüpfungsausrichtung vergleichsweise um Größenordnungen kleiner sei. In Sachen Queries sei damit auch nicht zu rechnen – bevor man massiv Wikidata mit Queries zuschießt, hat man schneller einfach den kompletten Objektbestand gespiegelt und trainiert mit dem Datensatz auf der eigenen Hardware. Weiterlesen

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Cccamp23, Nachträge von zuhause

Wachwildschwein regelt das Family Camp grausam und erhaben

Wachwildschwein regelt das Family Camp grausam und erhaben

So, es ist rum und es war fantastisch. Gleich zum ernsthaften, aber ich muss nochmal mit dem Schwein anfangen. Eine der Sachen, die ich am Camp so liebe, ist einfach die anders justierte Wahrnehmung von so ziemlich allem. Weil ich keine Schlauchzuleitung für das Schwein dabeihatte, bin ich zu Chaos West ins Küchenzelt gestiefelt und gefragt, ob es irgendwas schlauchartiges gäbe, wovon ich einen Meter haben könnte. Es entspann sich folgender Dialog:
– Ist das wichtig? Wofür brauchst du das denn?
– Nun , ich hab da dieses Gummischwein mit Leuchtaugen und da hab ich die Schnauze ausgehöhlt und außerdem hab ich diese Nebelmaschine, aber ich krieg den Nebel der Nebelmaschine nur mit einem Schlauch in die Gummischweinschnauze und hab keinen.
– Ah, alles klar, moment, ich gucke, ich bin sicher, wir hatten da was…

…usw., Schlauchstück wurde gefunden und übergeben.

Ohai Karaoke.

Ohai Karaoke.

Weitere ernste Dinge des Lebens: Digitalcourage enttäuschte wie erwartet weiter. Alvar Freude und Tobias Keber waren da und machten eine offene, unaufgezeichnete Sprechstunde zu Datenschutzfragen, damit eben auch mal bedenkliche und nicht öffentlichkeitstaugliche Situationen besprochen und ggf. gelöst werden konnten. Es ging dann leider viel um einschlägiges Aluhutgedöns a la „kann ich wen verklagen, der eine Überwachungskamera-Atrappe auf öffentlichen Raum richtet?“. Meine Frage war, wie es gehandhabt werden könne, wenn Leute einen Google-Tagmanager selber hosten und dann von außen praktisch nicht mehr nachvollziehbar die per first-party getrackten Daten an weitere externe Datensammler durchreichen. Was soll ich sagen, es ist einer fachlichen Unterhaltung eher abträglich, wenn eine Flachpfeife wie padeluun im Publikum sitzt und qualifizierte Statements der Form „Das ist aber verboten!“ absondert und meint, damit die Kiste zugemacht zu haben, aber wenn man aus der Ecke eh nichts qualifiziertes erwartet, lässt sich auch das wunderbar ertragen. Im Übrigen sind Alvar und Ulrich unglaublich kompetent und engagiert und haben eine geheime Superkraft dahingehend, in einem quasi unüberschaubaren Dickicht von Zu- und Nichtzuständigkeiten nicht nur zu erklären, wie was nun von wem gemacht werden muss, sondern auch, warum das so ist und welche Gründe, Zwänge und durchaus auch guten Ideen jeweils dahinterstehen. Und natürlich, warum manches schlicht eher träge bis scheiße läuft (looking at you, Irland).

Unrelatiert: die örtliche Fußballmannschaft (hier grade in der Kabine)

Unrelatiert: die örtliche Fußballmannschaft (hier grade in der Kabine)

Das Kit liegt hier, ich muss es nur noch zusammenbauen.

Das Kit liegt hier, ich muss es nur noch zusammenbauen.

Im Anschluss zum Talk dann der nächste DC-Idiot, der mir vor dem Zelt erklärte, dass Facebook und Google sogar anhand der Mobilfunknummern Werbung schalten könnten, zwinkerzwonker, alles ganz pöööhse und heimlich. Auf Nachfrage, wie das genau vonstattengehen solle, stellte sich raus, er meinte den Kontaktupload durch Werbekunden. FYI/wen es interessiert: man kann selbstredend Email-Adressen und Telefonnummern in ein Google Ads-Konto reinladen und versuchen, genau diese Leute über Ads zu erreichen. Falls, und nur falls G. die Nummern (Android) oder Mailadressen (G-Acc) kennt und die Leute diesbezüglich eingewilligt haben, darf Google Ads auf der Basis schalten. Selber darf ich die Nummern und Mailadressen natürlich ausschließlich nur dann reinladen, wenn ich die explizite Einwilligung habe. Da ist an diesen Stellen exakt gar nichts grau, illegal, whatever und ich rate allen davon ab, das eben mal unter der Hand zu versuchen, weil nach entsprechendem Auskunftsersuchen durch Betroffene steht man da schnell sehr blöde da. Weiterlesen

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Cccamp23: Sexwork, Tor und DDR-IT, Tage 2 und 3

CCCamp23, Home sweet home.

CCCamp23, Home sweet home.

Eingelebt. Die Toilettensituation ist gelegentlich etwas angespannt, aber bisher hat nur einmal wer nach dem Bitcoinzelt gefragt, also kanns so schlimm nicht sein. Die Bahn ist in Betrieb, die FTPs rennen (es gibt geringfügig, aber mehr als sonst und ich begrüße diese Trendwende!). „Rennen“ auch durchaus im Wortsinn, der Trend geht zu nvme und 10G-Ethernet, und holla!, die Waldfee. Use moar Bandwith.

Nichtsdestotrotz, ich setzte mich in den Talk zum Hacken größerer Kaffeeautomaten für den Firmeneinsatz, musste sehr lachen über eine spannende Mischung von wine-basiertem Windows-Boot auf einer Linux-Variante, die Kaffeezubereitungsparameter intern über HTML-URL-Parameter übergab, die beim Konfigurieren aus JSON-Configs binären Config-Files rausgeparst werden, es war erstaunlichst und es lief auch Doom drauf, nur einen Tag später.

It runs doom, indeed.

It runs doom, indeed.

Chillout-Area. Man beginnt, an Pilze zu denken.

Chillout-Area. Man beginnt, an Pilze zu denken.

Meggy Mayhem zu Sex Work und Überwachung

Meggy Mayhem zu Sex Work und Überwachung

Was überraschendes und passend wie Faust aufs Auge: die mir bislang unbekannte Maggie Mayhem hielt einen Talk zu Sex Work und Überwachung. Was mich grade besonders beschäftigt, weil ich in meiner Freizeit gerade gelegentlich die Mitternachtsmission Dortmund im Netz versuche zu unterstützen. Die Themen in den USA sind wie meist ähnlich wie hier, nur schlimmer: „Rescue“-Organisationen, die in der Regel mit viel Geld und evangelikaler Agenda Sexarbeit und insbesondere Sexarbeitende bekämpfen. Thesen vom Talk: Weiterlesen

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CCCamp23, Ankommen, Tag -1 bis 1

Schaf im Ziegeltunnel, cccamp23, exploitable

Schaf im Ziegeltunnel, cccamp23, exploitable

Das Camp lässt sich wieder ganz wunderschön an und das Hin- und Ankommen war unproblematisch, wenngleich ich immer mehr das Gruseln kriege, wenn ich durch ostdeutsche Dorflandschaften mit allseits akkuratest gemähten und gepflegten Vorgärtchen fahre, und auf dem Land(!) allenthalb ebenso pikobello gewaschene Autos sehe. Man wird älter und dünnhäutiger, und wenn man dann beim Dorfimker vor dem Camp im Fensteraushang den Hinweis sieht, der Honig sei *nicht geimpft*, dann wendet man sich mit Grausen wieder ab und geht zu den normalen Menschen. lernt man, dass es da wohl tatsächlich eine so genannte Methode zum Verhindern von Zuckerauskristallisation gibt und will weiter hoffen.

Normale Menschen haben ein Gummiwildschwein, dem sie Augen und Rüssel aufbohren, um LEDs und Nebelmaschine anzuschließen.

Cyberpig, cyberpig, does whatever a cyberpig does

Cyberpig, cyberpig, does whatever a cyberpig does

Mein Schwein raucht. cccamp23

Mein Schwein raucht. cccamp23

An sich eher als spontanes „Ach, mal Einpacken, vielleicht witzig“– Projekt gedacht, gewinnt man erstaunlich schnell erheblichen Status bei den jüngeren Bevölkerung im Kidspace. Man verkraftet beim spontanen Tragen-helfen von Chaos West-Neuankömmlingen dann auch das „Ja, und das da ist Korrupt“ – „Oh, das ist ja ein witziger Nick“. Irgendwann sind die fünfzehn Minuten Ruhm halt durch und kriegt man nicht mehr direkt spontan harte Drogen angeboten, an sich ja auch OK, aber doch auch etwas schade. Weiterlesen

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SEO-Stammtisch Ruhrgebiet, KI und überhaupt

Wir hatten wieder SEO-Stammtisch, das Thema war KI und das Format etwas anders als sonst, aber der nächste kommt bald(tm) und ein paar Gedanken zum Format und zur Zielgruppe kommen weiter unten. Wer direkt hinspringen will, gerne. Vorher ein paar nachgezogene Inputs von mir und ein paar Gedanken aus der Runde wild gemischt.

SEO-Stammtisch.

SEO-Stammtisch.

Normalerweise ist SEO-Stammtisch mit zwei verschiedenen Vorträgen und geselligem Beisammensein, Austausch und Networking dabei und drumrum. Dieses mal gings aber um den aktuellen KI-Hype und was wir alle jeweils damit anfangen, davon halten und uns davon erwarten, und ich sag mal so, an Input war kein Mangel.

Hans hatte lobenswerterweise einen kleinen Input mit der Vorgeschichte von „KI“ (der Begriff gehört meiner Ansicht nach durchgehend zumindest in Anführungszeichen) und eine Latte kluger Leitfragen mit Fokus „was machen wir damit, was machts mit uns“ mitgebracht. Was ließ mich aufmerken?

Einmal: die Wahrnehmung war recht flächendeckend die einer „Assistenz“. Ein bißchen das, was seinerzeit mit Siri, Alexa und Konsorten vage als Ziel versprochen wurde (beide glänzen aktuell nicht mit wachsender Nützlichkeit), nur eben in verschiedenster und durchaus nutzbarer Form.

SEO-Nobrainer: Sachen wie eine automatisierte Erstellung von Produktbeschreibungen, die mit Shopware 6 kommt (was mich an die einigermaßen interessante KI-Assistenz in Contentbird erinnert). Automatisierung/Assistenz bei selten gemachten, technisch gut recherchierbaren Tasks. Unter viel allgemeinem Nicken wurde genannt das Erstellen von Regexen und Excel-Formeln.

R'Lyeh, laut KI

R’Lyeh, laut Billo-KI. Manchmal denkt sie, Ricoh wär gemeint und malt Objektive.

Spezieller: Bildbearbeitungs-KI. Natürlich ist ein weitgehend intuitiv bedienbares Photoshop eine feine Sache. Nicht zu unterschätzen aber auch eine intelligente Bildbearbeitung niedrigerer Preisklasse, mit der dann aber einfache „Mach den Tisch da weg und die Tapete im Hintergrund grün“ – Aktionen auf einmal schnell erledigt sind und der Weg frei ist zum Individualisieren der immergleichen Produktbilder, die vom Hersteller an X Outlets geliefert werden. Stupide Bild-Hübschmachjobs vereinfachen schien allen eher Win-Win. Kommende Videogenerierung dürfte eine ganze Latte nützlicher Usecases haben. Honorable mention: Automatisches Schönformatieren, Gliedern und Strukturieren von Evernote-Notizen, was einem viel Zeit ersparen kann vom Ideensammeln bis zum „Mach ein PDF und schicks dem Kunden“.

Was die mehr oder weniger stumpfe Texterstellung anging, wurds divergent. Selber bin ich ja in einem gut begründbaren „geht auf keinen Fall“-Umfeld. Wenn SEA sich eben 60 Varianten Titel/Descriptions für Google Ads generieren lässt, kann ich das bestens verstehen. Wenn man sich und den Clickworkern 2000 Texte über Leuchten und Leuchtmittel ersparen will, ebenso. Hier gehts aber schon los mit der grundsätzlichen Frage, wer haftet, wenn dann irgendwann die Lampe explodiert, weil jemand Niedervolt-Halogenleuchtmittel X in Fassung Y gepfuscht hat, weils der Roboter so sagte. Weitgehend geteiltes „Muss man natürlich nachprüfen“ und allgemeine Wertschätzung von Kontrolle, Expertise und eigener Kreativität. Und, um hier auf das vorige Thema Grafik/Bildbearbeitung zurückzukommen: auch noch so gute Tools ersetzen weder ein Verständnis von Bildkomposition noch sowas elementares wie Geschmack. An der Stelle schien mir dann der Hinweis wichtig auf tantes bedenkenswertem Statement „Die Frage ist, obs dem Chef egal ist“. Überhaupt muss jeder, der sich mit dem Thema beschäftigt, folgendes mal ansehen.

Es folgte gelegentlich weiteres „Ja, aber im Grunde ists schon zum Kotzen.“ Klar, das größere Bild. Jeder wegrationalisierte „SEO-Text über $produktgruppe“ a 2,5 Cent pro Wort macht die Welt prinzipiell zu einem besseren Ort, aber wir kriegen nicht weniger dieser Texte, die damals schon niemand brauchte, wir kriegen mehr. Was bringt eine Text-KI in Shopware 6, wenn jede Shop-Plattform eine Text-KI hat? Was machts mit den Trainingsdaten im Netz, wenn x% der Texte KI-generiertes KI-Futter sind, mit denen KIs trainiert wercen, um KI-Texte zu generieren? Weiterlesen

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Balkonkraftwerk? Fensterkraftwerk geht auch, ist easy

Fensterkraftwerk, schmales Solarpanel, Custom Montage

Fensterkraftwerk, schmales Solarpanel, Custom Montage

Ich bin unter die Fusionsfarmer gegangen. Kernfusion ist geil, Reaktor scheint jeden Tag, geeignete Ernter gibts für schmales Geld und auch für schmale Fensterbänke. In meinem konkreten Fall wars ein Kickstarter-Projekt, das mir Anfang des Jahres über den Weg lief und einen „Shut up and take my money“-Reflex auslöste. Die Idee: Schmale Panels und kleine Wechselrichter für die typische „Mietwohnung im Stadthaus“-Situation, wo Dächer und Balkone nicht die Regel sind. Kickstarter ging im zweiten Anlauf durch und nun gibts fensterkraftwerk.de und ich finde das gut und richtig.

Seit heute liefert das Teil nun Solarstrom
und ist ordnungsgemäß angemeldet, und hier nun ein paar Erfahrungen meinerseits mit dem 90WP Kickstarter-Set. Long story short: funktioniert, ist bürokratietechnisch einfacher, als man denkt, montagetechnisch briet ich mir ne Extrawurst, aber nun. (UPDATE: Zwei Tage später rückte die WSW an, aber alles gut :) Details am Ende.)

Breite Solarpanels für den Fenstersims, 2x30Wp, Custom Montage

Breite Solarpanels für den Fenstersims, 2x30Wp, Custom Montage

Hier laufen drei Module mit jeweils um die 30Wp und sind insgesamt bei Direkteinstrahlung für 60 Watt rein netto gut. Das ist Kleinvieh, und mehr als Kleinvieh ist hier kaum zu halten, aber hey, es macht Mist. Einmal das schmale Fensterbankmodul (110×17), das ist gedacht für die klassischen schmalen Fensterbänke. Wer ausladendere Simse hat, kann die tieferen Module nehmen – ich hatte noch zweimal das Format 50×35, nur aber platzbedingt längs nebeneinander montiert. Weiterlesen

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Google Analytics 4: Google-Probleme, GA4-Prios und nicht feiernde Datenschützer

Google hassen sollte eine meiner Soft Skills sein, der auch gesellschaftlich akzeptiert ist, meine Gründe sind nicht immer mehrheitsfähig, aber vielleicht mag sich doch wer mitärgern oder in sich reingrinsen. Warum indessen die Datenschutzblase keine Party macht, versteh ich nicht recht, wobei, vielleicht doch, ein nicht unbedeutender Teil derselben ist schlicht nicht wirklich frisch unterwegs, aber nun, Probleme anderer Leute. Google hassen, Google Analytics 4.

Ich bin gewillt, den inzwischen ein Jahr laufenden Übergang in weiten Teilen als durchaus beachtlich einzuschätzen, weil ich mir vage vorstellen kann, was es heißt, ein von sehr vielen Menschen sehr extensiv genutztes Tool mit einer gigantischen Datenbasis, einer Unzahl an Schnittstellen, Metriken, Analyseprozessen etc. im laufenden Betrieb auf Datacenterebene neu zu bauen, wir reden hier ja von vermuteten Serverrack-Kilometern, die da am Rödeln sind. Aber. ABER.

Yalla, Google!

Drei Wochen sinds noch, dann dreht Google Universal Analytics den Saft ab, dann gibts nur noch GA4. Dort finde ich elementare Metriken in der Live-Ansicht (Echtzeit/letzte 30 Min) durchaus und in den Berichten… nicht. Die will man dann in einer nach wie vor unsäglich frickligen „explorativen Analyse“ nachbauen und die entsprechenden Werte werden nicht gefunden. Da will man den Kram im Datastudio, verzeihung, im neuen, viel besseren Lookerstudio bauen und der Google-Connector schiebt die Dimensionen/Metriken nicht durch. Die Daten sind aber alle da, man kann sie nur nicht analysieren. Verzeihung, man kanns unter Umständen doch, wenn man einen Drittanbieter-Connector von Supermetrics verwendet, der gegen eine geringe Gebühr verwendet werden kann und skurrilerweise knapp Faktor drei mehr Messwerte/Dimensionen Richtung Looker schiebt. Warum, gottverdammt, WARUM in drei Teufels Namen?

Da werden eCommerce-Daten nicht angezeigt, wenn man nicht ihre Parameter in GA4 alle erst mal durchdefiniert, obwohls Standardmetriken sind (page_location, ey, trieft von Exotik), die man (folgend oft bemühbarer Satz: to add insult to injury) in den Echtzeitdaten auch noch sieht. Ich vermute schwer, die Arbeit, die man sich hier macht, ist in drei Wochen überflüssig, weils dann OOTB geht. Aber will man sich drauf verlassen? Nach den Vorgeschichten bislang? Und Googles Deadline-Vorgehensweisen?

Ha, ich hatte hier auf dem Blog mal Google Adsense, und wißt ihr was? Für Adsense soll es demnächst eine Datenverbindung zu GA4 geben. Demnächst. Für Adsense. Die beschissen dickste Display-Werbeplattform im WWW.

Hey, wir arbeiten dran.

Hey, wir arbeiten dran.

Da sagt Google, dass sie grade was am bauen sind und man deswegen, haha, zügig zu GA4 wechseln soll.

Spürt ihr verdammt nochmal überhaupt noch irgendwas? Oder baut ihr grade alle am nächsten Large Language Model und habt keine Zeit mehr für Brot und Butter-Tech, den ja nur die ganzen Deppen einsetzen, mit denen ihr eure Kohle verdient?

Ich vermute schwer, ja, und wahrscheinlich auch da mit beschissenem Erfolg, sonst hätte man mal einen Google Bard-Ableger drauf trainieren können, wenigstens die elementareren Anfragen im Analytics Support-Forum von Google mit einem hingerotzt-teilpersonalisierten „das geht noch nicht, aber zweifellos bald, bleibt geduldig und zuversichtlich“ zu beglücken. Dort stapeln sich seit *MONATEN* die Supportanfragen eurer verdammten Kunden und, nun, man kann natürlich auch einfach „Fickt euch“ unter jeden verdammten einzelnen Post schreiben, aber das wäre wahrscheinlich schon zu viel der Aufmerksamkeit: Weiterlesen

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Gedanken zu LLM/AI, ChatGPT/Bard und Knowledge Graphs

In den letzten Wochen grübelte ich einiges zum Thema ChatGPT, Bard und generell den LLMs, die grade diverse Branchen aufmischen. Naturgemäß schau ich aus der SEO-Ecke drauf und muss zugeben, nicht so recht die Finger draufzukriegen. Insofern, eine Latte Gedanken (hoffentlich einigermaßen klug) und viele offene Fragen (hoffentlich einigermaßen spannend).

Um kurz zu umreißen, wo ich entlangdenken will:

Ich gehe davon aus, das LLMs/AIs bereits jetzt stupide Text- und Grafikjobs erledigen, das eine Gute Sache sein kann, und weiter durchaus auch Kreativität der menschlichen Akteure in den entsprechenden Branchen fördern können. Gruselig wird die Kiste in Richtung „Spammen der Diskurse“ und genereller Manipulation, rechtlich wird die Rechtslage in Sachen Trainings- und Ergebnisdaten noch witzig. Spannend scheint mir, wer letztendlich damit Geld verdienen kann bzw. wird und womit (siehe auch den Google-Leak zum Thema, wo das „Wir können nix damit verdienen!“ der etwas unbeachtete Elefant im Raum von „Himmel, das können jetzt alle, und womöglich besser als die üblichen Verdächtigen“ ist.)

Knowledge Graph-Strukturen. Alt und bewährt!

Knowledge Graph-Strukturen. Alt und bewährt!

Aus der SEO-Perspektive seh ich LLMs unverändert als weitgehend untauglich für eine zuverlässige Wissensorganisation bzw. -aufbereitung. „AI“ lass ich da bewusst weg, siehe unten. Zentrales Problem scheint mir da die „stochastische“ Grundlage des ganzen Modells zu sein. Und was ich absolut nicht verstehe ist, warum in der ganzen Diskussion um die Relevanz und Zuverlässigkeit LLM-generierter Inhalte nie die Rede von Knowledge Graphen ist. Bzw., ich hab die Privathypothese, dass ein KG eben ein komplett anderer Ansatz ist, den man nicht eben mal an ein LLM anflanschen kann.

Einer draufgesetzt: ganz tapfer vermute ich, dass Google genau deswegen von OpenAI/ChatGPT auf dem falschen Fuß erwischt wurde, weil sie die rein stochastische Contentgenerierung da nicht als „Endnutzerschnittstelle“ in Erwägung gezogen haben und insbesondere ihr Kernprodukt (Suche/Informationsaufbereitung) massiv von Knowledge Graph-Strukturen geprägt ist. Was mir im Übrigen vollkommen einleuchten würde, weil sich aus KGs eben verifizierbare Aussagen ableiten lassen, Strukturen gezielt angelegt und geändert werden können (und müssen), während LLMs eben wie gehabt stochastisch funktionieren und der Trainingsprozess zumindest verglichen mit einer KG-Struktur eine sehr schwarze Blackbox ist. Aber von vorne.

LLMs/AI, stupide Textjobs und kreativer Einsatz

Ich verfolge die Debatte um LLMs durchaus und ahne, dass hier durchaus kein „Blockchain 2.0“ im Sinne eines „Eine Lösung auf der Suche nach einem Problem“ am Start ist. Usecases galore, das Problem ist allenfalls die Technikfolgenabschätzung. Wer sich an Clickworker/Textbroker-Aufträge der Art „100 mal 500-800 Wörter über Gewinnspiele bitte“ erinnert, wird Potentiale ahnen. Dass wir in absehbarer Zeit Strategien zum Umgang mit LLM-Fluten an der Uni, in Onlineshop-Artikelbeschreibungen, in der Sportberichterstattung, in Social Media, generell im Web oder auf Wikipedia, whatever brauchen: Ja. Sehr entschieden Ja, aber das zeigt nur, dass die Technik per se natürlich hoch anschlussfähig ist. Was uns aber direkt zur folgenden Problemstellung führt, zu

LLMs/AI und Wissensorganisation bzw. -aufbereitung

YOU_DONT_SAY.JPG

YOU_DONT_SAY.JPG

Es besteht meiner Ansicht nach Einigkeit darüber, dass LLM-generierte Texte nicht verlässlich sind. Man mag sich streiten, ob das nicht für alle Texte gilt, aber allein der Aspekt der Zuschreibe- und Überprüfbarkeit sticht hier meiner Ansicht nach. Das macht meiner Ansicht nach auch die Tragik der ganzen Geschichte aus: man hat ein Tool, das insbesondere „fürs Kreative“ taugt und gerade bei den mühsamen Jobs tendenziell versagt. Weiterlesen

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360°-Bilder selber schießen, das wars dann (Fick dich, Google)

Tja, da schreibt man vor nem halben Jahr was zu 360°-Bildern auf Google Maps raushauen und dass da inzwischen etwas über 13 Millionen Views zeigen, dass man wohl was nicht komplett sinnfreies getan hat, da holzt Google die ganze Veranstaltung ab. Die Street View-App wird eingestellt und damit die einzige nutzbare Möglichkeit auf iOS, 360°-Bilder für Maps/Places zu erstellen.

Google und Streetview-Nutzer, because fuck you

Google und Streetview-Nutzer, because fuck you

Google hat einen beeindruckenden Bodycount, was das Einstellen an sich beliebter/guter Apps und Services angeht, insofern sollte es mich nicht wundern, allein, ich verstehs nicht (und es macht mich sauer). Die Street View-App hat für massives Crowdsourcing in Sachen Bilder für Places gesorgt, angesichts der regional (weltweit) sowie zeitlich (Deutschland) eingeschränkten Verfügbarkeit von Vor-Ort-Bildern und -Rundgängen eine hervorragende Sache. Es gibt (Stand 3/2023) *keine* alternative App, die dasselbe auf iOS leistet, Google says no.

To add insult to injury: Was ich im App Store bzw. beim Rumgooglen finde, ist Chinatrash, kann nicht, was es sollte, ist eingestellt oder alles auf einmal. Es gibt keine Apps, die das können, was die Street View App konnte, und bei denen, wo man auf irgend eine Weise 360°-Photospheres bauen kann, passt Google dann das Dateiformat nicht, sprich, man könnte sie hochladen, sie werden dann aber als verzerrt/flaches Bild angezeigt. Auch auf Reddit Ratlosigkeit, bei Niantic wird vereinzelt noch berichtet, dass mit der (eingestellten) App immer noch 360°-fotografiert, aber nicht hochgeladen werden kann (can’t confirm, App unbenutzbar hier). Weiterlesen

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Moscheevereinsgeschichten: Anlässlich eines DITIB-Bauvorhabens in Wuppertal

Folgendes sind teils ältere Geschichten, vielleicht erweitern sie aber die Perspektive. Konkreter Anlass: in Wuppertal soll die DİTİB eine fette neue Moschee an der Gathe bauen, das autonome Zentrum dafür abgerissen werden, und ich halte das für eine sehr schlechte Idee.
Gründe und Hintergründe, wieso ich dazu zu schreiben müssen glaube:
– in den mittleren Nullerjahren bin ich sozialforschungsbedingt durch eine größere Menge der Stuttgarter Moscheen gezogen und hab mit Leuten gesprochen, und
– irgendwann deutlich später schrieb ich fürs Politikforum des gulli:board eine etwas längere Übersicht zu den größeren Dachverbänden, Hintergründen und nicht zuletzt den Einstellungen „ganz normaler“ Leute dort, weil die Debattenkultur zum Thema Islam zu der Zeit ein bisschen flamereduzierter und wissensbasierter werden sollte. Ich kriegte aus einigen muslimischen Ecken Lob und weiteren Input, aber das Board ist tot, der Text ist weg. Ein paar Jahre älter und weiser geworden, scheint mir der Versuch, was ähnliches in die aktuelle Debatte zu schmeißen, nicht verkehrt.

Fangen wir mit den problematischeren Fällen an, der ATIB und der IGMG. Das hilft auch durchaus bei der Einordnung der DİTİB früher und heute.

Die ATIB, früher ADÜTDF, ist einer der kleineren Verbände und steht den Grauen Wölfen bzw. der faschistischen türkischen MHP nahe, die inzwischen auch Koalitionspartnerin von Erdogans AKP ist. Fragt man dort, wird man sich natürlich ein Stück weit distanzieren, mein Eindruck damals wie heute ist, dass das wenig glaubwürdig ist und die Berührungsängste zu bzw. die Schnittmenge mit den üblichen Faschokreisen für sich sprechen. Natürlich wird sich dort niemand zum Wunsch nach der faschistischen Neustrukturierung der Gesellschaft bekennen (wobei, bei einschlägigen Veranstaltungen lag schon auch mal die türkische Fassung von „Mein Kampf“ aus), aber die Haltungen meinetwegen zu den Kurden, zu Aleviten, zum Massenmord an den Armeniern etc. werden für sich sprechen.

Recht lange betrachtete ich die ATIB als „politisch problematisch“ und die IGMG, die „Islamische Gemeinschaft Millî Görüş“ analog „religiös problematisch“ wegen ihrer gelinde gesagt konservativen religiösen Grundhaltung, den Verknüpfungen zur Muslimbrüderschaft und denen zu durchaus auch radikaleren islamistischen Gruppen. Das hat sich dahingehend relativiert, dass die IGMG in Bezug auf die Türkei inwischen durchaus „staatstragender“ geworden ist und in Teilen der AKP sehr nahesteht. Die IGMG ist vergleichsweise groß und natürlich mögen sie in den letzten Jahren Kreide gefressen haben, aber nun. Das in Kürze vorweg.

Nun zur DİTİB. Die aktuelle Diskussion dreht sich vor allem um die DİTİB als die von der türkischen Diyanet, dem „Amt für Religionsangelegenheiten“ gesteuerten Auslandsabteilung. Damit ist sie quasi das Sprachrohr des von Erdogan propagierten reaktionären, türkisch-nationalistischen Islam. Nun ist das faktisch korrekt, aber ohne die Vorgeschichte verpasst man ein paar wichtige Knackpunkte.

Die Diyanet wurde in den 1920ern von Kemal Atatürk himself gegründet, ironischerweise als ein Bollwerk gegen den konservativen Islam. Atatürk fuhr bei der Gründung der türkischen Republik einen Verwestlichungskurs, dessen Radikalität meines Erachtens nach heute kaum noch begriffen wird. In einem traditionell muslimischen Land wurde innerhalb kürzester Zeit westliches Recht, westliche Schrift, westliche Maßeinheiten und Kalender, westliche Kleidervorschriften (!) gegen traditionell vorherschende, muslimische Praxis eingerichtet und durchgesetzt. Die Diyanet wurde geschaffen als Instanz, die den Herrschaftsanspruch des säkularen Staats über die Religion zementierte. Ich sag mal so: was die üblichen AfDeppen mit der „Islamisierung des Abendlandes“ herbeifabulieren, sowas tatsächlich und mit umgekehrten Vorzeichen gemacht hat Atatürk vor hundert Jahren in der Türkei. Weiterlesen

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