Google hat was durchaus emanzipatorisches.

Das war so das Fazit, nachdem ich mich letztens nebenan ein wenig aufgeregt hatte. Die These, GSV sei totalitär, ist nicht nur Unsinn, vielmehr ist das Gegenteil der Fall. Ich muss zugeben, sofort aufgefallen ist mir das nicht, erst so im Nachhinein, ich hab die GSV-Diskussion an sich nach Möglichkeiten ignoriert, weils wieder eine dieser Diskussionen war, wo man beim Lesen mancher Standpunkte das Gefühl hat, man wird allein durchs Wahrnehmen dümmer. Zur These. Google ist emanzipatorisch.

Dass das Internet per se emanzipatorisch ist dahingehend, dass es analog zum Buchdruck ehemaliges Herrschaftswissen allgemein zugänglich macht, sollte nichts neues sein. Google als Suchmaschine und „Netzäquivalent“ für einen Gutteil der n00bs leistet da seinen Beitrag, weil es dieses „vergesellschaftete Herrschaftswissen“ erschließt und „alltagsnutzbar“ macht. Was zugegebenermaßen jede einigermaßen vernünftig funktionierende Suchmaschine auch kann/könnte, Google machts gut und gelegentlich erstaunlich „subversiv“, wenn man bedenkt, wie auf Restriktionen reagiert (bzw. nicht reagiert) wird, Zensurbestrebungen via Chilling Effects etc. konterkariert werden usw. Klar, die Chinageschichte und einige weitere Flecken auf der weißen „Don’t be evil“-Weste sind mehr als deutlich zu sehen, aber es nötigt mir dennoch Respekt ab, dass trotz nicht unerheblichem Druck da vergleichsweise wenig passiert. Nun rede ich aber nur von der Erschließung von Content, und bei GSV gehts einen Schritt weiter, da wird er a) geschaffen und b) allgemein verfügbar gemacht.

Dabei handelt es sich um Daten, die in der „reinen“ wie auch der mit anderen Rahmendaten verknüpften Form schon länger in diversen Datenbanken existieren. Marktforschungsinstitute haben ihre stadtteilbezogenen Zielgruppenanalysen, die Immobilienkonzerne Bilddaten und Sozialstatistik, von komplett intransparenten Kisten wie der Schufa will ich gar nicht anfangen. Was macht Google? Sie erfassen und schaffen Datenbestände, die per Definitionem zwar öffentlich sind, bisher aber nur einer kleinen, privilegierten Gruppe von Menschen und Institutionen zugänglich waren. Sie machen diese wiederum für die Allgemeinheit zugänglich und heben dadurch die bisher bestehenden Informationsmonopole auf. Das nenne ich emanzipatorisch, weil Informations-Ungleichheiten aufgehoben werden.

Wenn da die wie immer ängstlichsts auf ihre Informationsmonopole bedachte Politik nun den Aufreger kriegt, dann ist das für mich höchst nachvollziehbar. Zum einen kann man von der eigenen Durchleuchtungswut ablenken, von allem anderen Scheiß ebenfalls, der in Netz- wie auch sonstiger Politik gebaut wird, und zu guter Letzt kann man sich den Flair der Netzkompetenz zumindest in den Augen jener Leute geben, deren Horizont an den Titten des Seite3-Mädels der Bild endet. Wir gemeinsam gegen den bösen Datenkraken, klar. Da macht der Datenkrake Staat allenfalls Stimmung gegen einen leicht als Bösewicht hinstellbaren Ersatzaufreger, der im Unterschied zum Staat Informationen frei zugänglich macht.

Diese weiterhin als Herrschaftswissen zu monopolisieren – daran haben in meinen Augen ein Interesse insbesondere besagte Marktforscher, die Immobilienbranche (vom Vermieter bis zum Finanzsektor, der Gedanke, dass in Zukunft die Investitionsblasen per Netz zu besichtigen sind, in die das Anlagekapital reingeht, das nach der Provisionierung der Banker überbleibt, lässt mich nebenbei ziemlich grinsen) und Konsorten ein Interesse. „Private Daten schützen, öffentliche Daten nützen“ ist eine der inoffiziellen Hackerethik-Ergänzungen des CCC, und im konkreten Fall ist die so zutreffend wie nur was. Denn öffentliche Daten werden genützt, und insbesondere steht die Nutzung nun *allen* zur Verfügung, nicht nur den bisherigen Monopolisten des entsprechenden Herrschaftswissens.

GSV halte ich da sogar für ein tendenziell randständiges Phänomen, die „Normalnutzung“ wird wenig emanzipatorisch sein (verglichen mit den Potentialen, die sich durch die Erschließung und Nutzbarmachung der Information im Netz und im WWW ergeben). Nichtsdestotrotz ist dieser emanzipatorische Charakter in meinen Augen hier stark ausgeprägt, allein, weil im Unterschied zu vielen anderen Diensten Googles Daten nicht nur erschlossen, sondern neu generiert werden, um eben allen verfügbar gemacht zu werden.

Das kann man nun scheiße finden, aber *diese* Haltung würde ich nun durchaus totalitär nennen, weil sie befürwortet, dass die entsprechenden Daten eben einer bestimmten Senatorklasse Mensch vorbehalten bleiben.

So, meine EUR o.o2. Weitermachen.

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