Facebook, das WWW, das Internet und ein, zwei Studien

Dass Facebook mit seinen Billig/Gratisangeboten in Entwicklungsländern keine hauptamtliche Wohltätigkeitsveranstaltung fährt, geschenkt. Die Studie von Quartz, nach der ein zunehmender Teil der Nutzer dort nicht mehr wissen, dass sie das Internet nutzen, wenn sie Facebook nutzen, ist insofern wenig überraschend, gleichwohl etwas besorgniserregend.

Facebook is serious business.

Facebook is serious business.

Ins gleiche Horn stößt der Hinweis auf die Studie bei Netzpolitik, allein, mich amüsiert, dass sie eine der Extremironien der Geschichte übersehen haben. Denn in einer Studie, die kritisch betrachtet, dass Facebook für „das Internet“ gehalten wird, hält man gegen Ende vollkommen selbstverständlich das WWW für „das Internet“:

And it’s happening not just in the poor world, but in poor parts of the developed world, where there also exists a sense among some that using an app isn’t the same as using the internet, which requires a web browser like Safari or Internet Explorer.

Hmja. Die Verwechslung ist schon älter, aber es gibt Situationen, an denen man sie sie wirklich vermeiden sollte.

Nun las ich heute noch eine – etwas anders gelagerte – Geschichte, ich meine, im Website Boosting. Themas: Amazon, Tenor: das ist analog monopolisierend wie andere Big Player, eben im Onlinehandel. Hintergrund: die meisten anderen sind scheisse in Sachen Usability, und wers bemerkt, macht dann eben einen Amazon Store, der funktioniert wenigstens. So oder so, a) die Leute landen bei Amazon, wenn sie was kaufen wollen, b), und das ist ein richtig wichtiges b), jedenfalls eines, das mir bis dahin noch nie so aufgefallen ist: Amazon kriegt dann von der Preisgestaltung über saisonale Absatzverläufe, ideale Lagerstrategien, whatever, alles mit an Markt- und Handelsdaten jeder beliebigen Branche und Waren/Produktkategorie. Ungefähr das „Google Local Merchant Feeds schaffen maximale regionale Preistransparenz (für Google)“ auf Steroiden.

Dem auf den Füßen wieder das übliche „Netzangebote neigen zur Monopolbildung“. Und einer generellen Müdigkeit dahingehend zu sagen „Oh man, so what“. Wie immer werden daneben eben Nischen überleben und ihren Sinn und Zweck haben. Als ich das erste mal über die „Internet ist WWW“-Sagerei gelästert habe, war eben IRC ein Gegenbeispiel und heute mags eher XMPP sein in dieser Nische. Es fällt mir auch schwer zu sagen, dass da Oligopole irgendwie besser seien, Vergleiche hinken, aber ob man nun Amazon hat im Netz und viel Kleinkram daneben oder eben Aldi vs. Lidl, meine Zweifel bezüglich größerer qualitativer Unterschiede für die unterschiedlichen beteiligten Gruppen sind doch etwas hart. Facebook macht das Internetz kaputt, Amazon die Tante Emma-Läden und hinterher ist alles scheisse und schlechter als damals.

Ähnlich kommt mir der oben mitschwingende „Facebookpessimismus“ ein wenig analog zum „WWW-Pessimismus“ von früher(tm) vor, das Internet geht kaputt, weil die Kiddies nur noch auf Downloadlinks im Browser klicken können und keine FxP-Clients mehr bedienen können. Oder wie „Früher haben wir noch Bücher gelesen“. Ironischerweise kommt es mir fast besser vor, das „bisschen Zugang“, das FB da aus nicht ganz rein nächstenliebebedingten Gründen raushaut, ist wahrscheinlich besser als manche Alternative: der erste Eindruck „vom Internet“ mit diesem Zugang ist der von Kommunikation. Nicht dieses „Internet gucken“, das manche unserer Neulandentscheider da als die Einzig Wahre Normalität ansehen.

An sich liegen mir da grade ein paar weitere „Schmutz und Schund“, Comic vs. Goethe-Assoziationen und ihre Abbildbarkeit auf heutige „Was ist das Internet“/Facebook/WWW-Debatten in den Hirnwindungen, neben anderen zur auch angekratzten Netzneutralität, die ich bei sowas wie den FB-Entwicklungshilfen weniger besorgniserregend finde wie bei LTE, das hierzulande als das Lösungsmittel für schlechte Flächenversorgung mit Netz in der Pampa gehandelt wird und aber eben ein *Mobilstandard* ist, in dem schon die ganze Zeit massiv reguliert wurde. Aber da verzettel ich mich und lass es mal dabei. Ich verfolge aber gespannt.

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2 Responses to Facebook, das WWW, das Internet und ein, zwei Studien

  1. madchiq says:

    War es nicht sogar Goethe, welcher Rodolphe Töpffer ermutigte, die ersten „Comics“ zu schreiben? ;-)

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