Natürlich kann geDDoSt werden. (Update)

Hallo, Markus Linus,

sorry fürs RAF-Zitat zum Titel-Hitlern deinerseits und den folgenden, ebenfalls billigen Einstieg: aber angesichts der aktuell laufenden Geschichten ein Problem ausgerechnet in der DDoSerei einiger Leute zu sehen, damit machst du dich in meinen Augen gemein mit den Nebelwerfern, die Bewegungen diskreditieren, indem ihnen sozial nicht unumstrittene Methoden eben mal generell zugeschrieben und sie dann nach Möglichkeit grundsätzlich miesgemacht werden. Siehe Chaoten und S21, die ewige Spalterdebatte inn Sachen Gewalt vs. gewaltfrei hab ich an anderer Stelle schon kurz erörtert, den Rest kann man sich denken, ich kürz das hier mal ab und komm zu den eigentlichen Punkten.

Wir haben hier eine bislang noch nicht dagewesene Aggressivität gegen die neue und höchst wünschenswerte Transparenz- und Informationsmöglichkeiten des Internet, eine massive Einschüchterung derer, die gegen den Willen der Herrschenden Informationen verbreiten, meine Güte, dass schon die halben Nachrufe auf Assange geschrieben werden, sollte dir auch schon aufgefallen sein.

Dass die Institutionen, die bisher die Wikileaks-Spendenkohle gern entgegengenommen, verwaltet und dabei abkassiert haben, jetzt aufs feigste die Schwänze einziehen, das ist das eine. Dass grade eine hysterische Politik und die einschlägigen Interessensgruppen ausgerechnet das demonstrieren, was eine x mal bisher dahergelogene Unmöglichkeit in Sachen “Milliardenmarkt KiPo” gewesen sein soll, das das nächste. Dass sich Unternehmen zu den Handlangern einer repressiven Politik machen, die mit allen Mitteln Gegenöffentlichkeit bekämpfen, die ein Arsenal an juristischer Trickserei auffährt, um Leute festzusetzen und womöglich auszuliefern, dass im “Land of the Free” Assanges Ermordung gefordert werden kann, ohne dass hierzulande irgendwelche politischen Leitfiguren ihre Fresse dazu aufkriegen…

…und den Handlangern dieser ganzen verkommenen Scheiße soll man nicht ein paar Pakete SYN vor die Router kippen? What the hell? Die versuchen gerade, einen Beschuldigten von den Mitteln abzuschneiden, die er für seine Verteidigung braucht. An der hängt möglicherweise sein Leben. Und man soll sich dafür rechtfertigen, wenn man den verantwortlichen Arschlöchern die Leitung dichtballert? Weil es ein “Böse, Visa, ganz böse” auch getan hätte?

Heute lese ich, dass wir dank Assange nun wissen, wie US-Privatsöldner bekifften Warlords die kleinen Jungs vermittelt haben, damit die was knackiges zu ficken haben. Wer bekämpft, dass sowas an die Öffentlichkeit gerät, dem kann meiner Ansicht nach auch derbe auf die Fresse gehauen werden, und wenn das Arschloch fragt “Warum?”, dann gleich nochmal. Auf *jeden Fall* kann seine Organisation, die die Verteidigung des Aufdeckenden finanziell austrocknen will, mit allen Mitteln bekämpft werden, wegen mir auch gern mit nem vorangesatellten “solang niemand dabei physisch zu Schaden kommt”. Wenn solche Arschlöcher *nicht* geddost werden, dann würde ich mir persönlich die Frage stellen, was aus dem Sinn für Verhältnismäßigkeit der einschlägigen hacktivistischen Gruppen geworden ist.

Schon allein, damit ich weiss, Anonymous ist dabei, ist die DdoSerei eine gute Sache. Die DDoS-Angriffe geben mir Information über den Zustand der Gesellschaft, und ich für meinen Teil muss sagen, hoffnungsmachende Information. Wenn angesichts der Geschehnisse Visa auf den Router kriegt, ist alles in Ordnung. Wenn nicht, würde ich mir beginnen, Sorgen zu machen. Jeden Tag werden verdammte Onlinecasinos gedddost, und zumindest einmal im Jahr Habbo Hotel. Der moralische Kompass wäre

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stark dejustiert, wenn nun ausgerechnet Visa und diverse andere Drecksfinanzdienstleister mit nem blauen Auge davonkommen.

Oder, ums ganz kurz zu machen und Ernst mit einem meiner letzten Retweets:

WEIL SIES SONST NICHT KAPIEREN.

Immer drauf!

Nachtrag, 9.12.: Doch, ich denke schon, dass DDoS ein effektives und auch richtiges und angemessenes Mittel ist. Die Analogie zur Sitzblockade hinkt meinetwegen auch, ich assoziiere damit eher sowas wie Streik – man schaut beim Streiken eben auch, dass es keine Streikbrecher gibt. UNd natürlich muss die Aktion handfeste, finanzielle Folgen für den Adressaten haben.

Die DDoSe treffen da, wo es wehtut – wo Einnahmen wegbrechen und das Image als zuverlässiger Dienstleister angeknackst wird. Das ist gut und richtig. Btw., wer eben auf Zuruf einer Regierung, die augenblicklich die Informationskontrolle mit allen Mitteln behalten will, die eigenen Leistungen willkürlich einschränkt, der darf sich über folgende Imageschäden auch nicht beschweren.

Alles “friedlichere” ist nette Symbolik. Ein wenig wie die “freiwilligen Selbstverpflichtungen”, die in den vergangenen Jahren alle unsere Probleme so zuverlässig gelöst haben. Ich hab nichts gegen nette Symbolik, auch die kann helfen und informieren. Aber alleine bewegt sie wenig, und wie gesagt, Protest und Aktion muss mit dem Ziel stattfinden, dass sich etwas verändert. Mittel, die das nicht gewährleisten, sind ineffizient, entsprechend ausgerichteter “Protest” soinnfrei und allenfalls Gewissensberuhigung. “Wir sind mal dagegen, hoffen, dass das viele bemerken und dass es aber niemand stört.” Sorry, klingt lieb und Unterschichtenfernsehen-publikumskompatibel, ist aber aber fürn Arsch. Das kenn ich noch vom Studiprotest ’97 – man ist toll, lieb, kreativ und hat bestens begründete Standpunkte und Argumente. Alle findens gut und richtig, jeder ist für einen. Was passiert anschließend? Eben.

Es muss wehtun, es muss insbesondere Geld kosten. Um da ein wenig den Luhmann zu bemühen: *anders* wird der Protest im Wirtschaftssystem gar nicht wahrgenommen. Insofern ist ein DDoS auf Mastercard in meinen Augen notwendig, um überhaupt eine Wahrnehmbarkeit im Zielsystem zu gewährleisten. Denn mal ganz platt gefragt: was soll ein Protest, den der Adressat nicht bemerkt?

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