Warum Daniela Scherler als FraktionsGF durchaus eine Piratenpersonalie ist

Sie hat mit der politischen Arbeit nichts zu tun, sondern ist eben Angestellte und macht einen Bürokratiejob: ich lass es sehr gerne bei solchen Betrachtungen und mag keine Gesinnungsprüfungen. Die Scherler ist als bekennende Dahlke-Jüngerin und Esoterikerin aber durchaus ein Kapitel für sich. Auf der Berlin-ML ging die Debatte leider hauptsächlich nur um die Kohle, und das ist in der Tat eine Geschichte, über die man sich nicht kloppen braucht. Den meisten Diskutanten ist meines Erachtens aber nicht klar gewesen, wofür Scherler eintritt und was weiter ihr bevorzugter Lehrer Rüdiger Dahlke repräsentiert und legitimiert.

Wir reden hier nämlich nicht von ein wenig Bachblüten und seinen Namen tanzen, sondern von handfesten Verbrechern und Mördern. An der rassistischen Volksverblödung Ryke Hamers sind über hundert Menschen gestorben, er wird in mehreren Ländern gesucht. Dahlke mag harmloser wirken, sein Hauptwerk „Krankheit als Weg“ ist eine Ansammlung übelster Esoterik, der letzten Endes den Kranken die Schuld an seiner Krankheit gibt und entsprechende „Lösungen“ vorschlägt, die naturgemäß nichts mit einer Therapie gemein haben. Hamers Lehren schweben bei Dahlke regelmäßig über den Wassern, er ehrt Hamers mörderische Lehren auch gerne mit Vorworten, während jener seit Jahren mit Haftbefehl gesucht wird. Dahlke nimmt billigend in Kauf, dass Leute seine Ratschläge befolgen und gegebenenfalls elend krepieren. Scherler macht sich den ganzen Müll astrologisch verquert zu Eigen und erzählt beispielsweise, dass AIDS die Integration von „Pluto und Neptun“ erfordere und im Übrigen mit einer mangelhaften Hingabe an das Leben zu tun habe. Nebenbei argumentiert sie wie die klassische Virenleugnerin und quatscht über AIDS in ihrem Buch, in dem wiederum die Begriffe „Viren“, „Ansteckung“ oder „Infektion“ nicht einmal vorkommen. Sie wendet sich damit an Jugendliche!

Weiter gesellt sich ihr Lieblingslehrer Dahlke gern zu den der Hamerlehre inhärenten antisemitischen Verschwörungstheoretikern, die einmal mehr den Juden als die Völker krankmachende und -haltende Rasse identifiziert hat, zu Impfgegnern und den erwähnten Virenleugnern, bei denen spätestens der Sprung zu einem Begriff fällig ist, den ich sonst vermeide: zu Kinderschändern, die ihren Kindern notwendige medizinische Behandlungen und Prävention vorenthalten und die daran nicht nur in Ausnahmefällen sterben, weiter durch ihre Verdummungspropaganda beispielsweise Aidsinfektionen fördern. Prominentester Fall ist das Hamer-Opfer Olivia Pilhar.

Nun ist der Scherler die Geschichte offenbar selber peinlich, denn die „Links“ unter anderem zum lobenswerten Dahlke, die sie auf ihrer HP bereithielt, sind inzwischen verschwunden. Aus ihren Buchpublikationen kriegt sie den Dahlke aber nicht raus, der ist prominente Literaturangabe (Seite ist nicht bei Google verfügbar, stattdessen im hier gelinkten Amazon Preview, S. 241 schauen.)

Nun meine Thesen:
– Jemand, der diese Ansichten vertritt und im Ernst vertritt, mag noch irgendwelche Kompetenzen haben, disqualifiziert sich aber intellektuell völlig von jedem Posten, der auch nur ein Mindestmaß an Verantwortung gegenüber anderen mit sich bringt. Konkreter: Das Vertreten übelsten Schwachsinns ist ein KO-Kriterium in jedem Einstellungsgespräch.
– Jemand, der derart nahe steht zu antisemitischen Verschwörungstheorien übelster Art und zu gesuchten Mördern per Irrlehre, dessen Dunstkreis sollten Piraten wo immer möglich meiden. *Auch* beim Einstellen. Schon gleich, wenn der Kram auch noch Jugendlichen eingeimpft wird.

Zum Schluss angemerkt: ich habe die Frau vor ein paar Tagen angemailt, zugegeben durchaus direkt. Der Vollständigkeit halber hier der Text:

Hallo, Daniela,

nachdem es auf der Berliner Piraten-Mailingliste eine längere Diskussion
zu deiner Einsellung als Fraktionsgeschäftsführerin gab: anlässlich
derer hatte ich mich auf deiner Webseite umgesehen und muss feststellen,
dass dort neben, ich sag mal „harmloseren“ Vertretern auch Dahlke als
einer deiner Quellen angegeben wird, der zum einen in „Krankheit als
Weg“ einige Statements zu Krankheitsursachen vertritt, die mit dem Stand
der seriösen Forschung nichts gemein hat und sich weiter mit dem
mehrfachen Mörder, Scharlatan und Antisemiten Ryke Geerd Hamer gemein
macht, am Rande auch noch mit der bekannten Lichtnahrungs-Betrügerin
Jasmuheen.

Ich habe keinerlei Probleme damit, wenn erwachsene Menschen ihr Geld
wofür auch immer ausgeben, der Spass hört dann auf, wenn angesichts
lebensbedrohlicher Erkrankungen die Leute nach jedem Strohhalm greifen
und dann an Mörder wie Hamer kommen oder an „Selbst schuld“-Scharlatane
wie Dahlke, wenn geistig einfach gestricke Leute elend krepieren, weil
sie auf Jasmuheen reingefallen sind oder eben, wenn es um Kinder und
Jugendliche geht.

Mich würde die Antwort auf folgende Fragen interessieren:

– Wie stehst du zur Neuen Germanischen Medizin von Ryke Geerd Hamer?
– Wie stehst du zu den Inhalten von „Krankheit als Weg“ von Dahlke,
insbesondere zu seinen Thesen der „Krankheitsentstehung“?
– Wie stehst du zu den von Dahlke erklärten Sympathien gegenüber
Jasmuheen und Hamer?
– Wie weit sind die Jugendlichen in deinen Seminaren mit den „Lehren“
der genannnten Personen ausgesetzt bzw. den Kernpunkten derselben?

Beste Grüße und Danke im Voraus,
Richard Joos

Antwort bislang ausstehend.

Nachtrag 2: Esospinner werden aus den Kommentaren getreten. You’ve been warned.

Nachtrag 3: nach kurzem Nachdenken glaube ich, dass ichs dazuschreiben sollte: ich halte das, was die 15piraten aktuell in Berlin drehen, für verdammt okay, bin eher geneigt zu glauben, dass so eine Personalie eben passiert und man mit vertretbarem Aufwand nichts gegen solche Pannen machen kann. Mir gehts mitnichten um Fraktions- oder Piratengebashe (ich bin ja selber einer), sondern ums schlichte Anprangern der allgegenwärtigen und nach wie vor vollkommen unterschätzten esoterischen Verblödung, bei der manche Leute wirklich öfter – extrem ungeliebte Begrifflichkeit Nr. 2 im Blogpost- auch verdammt nochmal gelegentlich an die Kinder denken sollten.

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