Zum Weltfrauentag: Genderdiskurs, Piratinnen, Maskulisten und eine gewisse Langeweile…

…das ist eine nach Interessantheit geordnete Liste in absteigender Reihenfolge, die das Themenfeld umreißt, zu dem vermutlich mehr als ein Blogpost folgen. Vorsicht, kann mal wieder polemisch werden und wer sich daran möglicherweise stört, kann das kurz an den Hauptthesen abklopfen, die ich in aufsteigender Provokanz vorwegschicke. Wer sowas nicht verträgt: das Netz ist groß und woanders gibts auch schöne Seiten.

Noch vornewegger mein alljährlichesAlles Gute zum Weltfrauentag, ihr Frauen.” Ihr habt es immer noch nicht leicht mit den Männern im Allgemeinen, mit der Welt als solcher und ganz besonders mit mir im Speziellen. Vor allem wegen letzterem auch ein überaus notwendiges “Ich entschuldige mich noch einmal, ganz ernsthaft.”

Zur Sache.

– Der allgemeine Genderdiskurs ist langweilig
– Speziell der piratische Genderdiskurs ist überbewertet
– Das Netz wirds richten
– Maskulisten sind Vollidioten

Ich fang mal mit dem letzten Punkt an, der liegt mir am Herzen. Maskulisten sind Vollidioten. Nun stehts zweimal da, aber was wahres und richtiges kann man auch ruhig zweimal lesen.

Im Allgemeinen langweilt mich der Genderdiskurs aber inzwischen. Die Probleme sind bekannt, die Lösungen ebenso, intelligente Leute handeln in der Regel entsprechend, und dumme Leute… nun ja, ich bin ja immer noch dafür, dass die einfach platzen, aber ernsthaft, wen interessieren dumme Leute? Selbst das hier las ich eigentlich nur, weil ich wissen wollte, ob was zum Frauentag morgen in der Zeitung steht:
Weltfrauentag in den Ruhrnachrichten
Ein Beispiel für die Dummheit, die ich meine. Man sieht förmlich die Geschlechterstereotypen ficken: alle wild durcheinander im Text und schwupps haben sie sich mal wieder in ein paar Köpfen vermehrt. Es fängt mit den Handtaschen an und hört mit dem Harmlosfaseln eines Anlasses auf, der unter anderem wegen massiver und bis heute andauernder Gewalt und Unterdrückung der schwanzlosen Hälfte der Menschheit stattfindet, und damit meine ich nicht nur Mädchenbeschneidung im Sudan oder sonstwo weitfortistan.

“OK, aber dagegen ist die Tante doch eine vernachlässigbare Größe?” Da drum gehts mir gar nicht. Sie ist uneindeutiger, und das ist das Problem. An sich nicht mal das, dazu komm ich gleich. Aber dass das Frauenbeschneiden, -verprügeln etc. eigentlich doch eher scheiße ist und unterlassen bleiben sollte, darüber besteht eigentlich weitgehende Einigkeit.

Mich stört da diese Einrichtung von “Sensibilisierungsgruppen”, geschlechtsspezifischen Zuständigkeiten etc., und ich seh da einfach auch ein Stück Reproduktion von Klischees drin, die an sich eigentlich frühestmöglich selber abschaffen sollten. Wann dieser Punkt erreicht ist, mag man sich drüber streiten. Konkret meine Meinung: bei den Piraten ist er erreicht, gesamtgesellschaftlich noch nicht. Ums mal zugespitzt zu formulieren: wenn in Bayern das Frauenwahlrecht wieder abgeschafft wird, dann will ich eigentlich nicht, dass dann eben die Frauenbeauftragte des Bundes was dagegen sagt, weil das eben *ihr* Job ist. Das ist was, was denkende Menschen per se eben ablehnen und nicht irgendein Thema für diese Benachteiligtenplanstellen.

Die Grundsätzlichkeiten halte ich für geklärt, und das ist der Grund, warum mich der Diskurs per se langweilt. An sich kann man ans Umsetzen gehen, bzw. gings schon, weil wir sind, all hail the FSM, nicht mehr in den Fünfzigern. Fertig sind wir noch länger nicht, aber wie gesagt, ich denke, der Weg ist recht klar.

Zurück zu dem Blödsinn aus den Ruhrnachrichten. *Das* sind die subtileren Sachen, die man eben als alltägliche Dummheit, als menschelndes Seitenfüllmaterial zu irgend nem UN-Aktionstag oder als “Aber Mario Barth sagt doch auch, dass…” in ein mehr oder weniger beschränktes Weltbild einsortieren kann. (Und in der Regel eben nichts macht oder keinen Handlungsbedarf sieht oder, – hach, Selbstkritik! – gelangweilt ist, weils man schon xmal durchgekaut hat). Die permanente Reproduktion von Geschlechterklischees ist eben nach wie vor im vollen Gang, und was soll ich sagen? Mit Erfolg. Nur ists eben Sache aller Beteiligten, da tätig zu werden/zu bleiben. Diesbezüglich einfach in den Köpfen aufzuräumen, Schwachsinn als solchen zu entlarven, das allgegenwärtige “Aber $geschlecht ist doch…” als die Pauschalisierung sehen, die eben die Pauschalisierung weiterbefördert. Diese Aufräumarbeit geschlechtsspezifisch arbeitsteilig zuzuweisen, hat eine Ironie, die mir schon wieder gefallen würde, wenn am Ende nicht sowas wie Mario Barth und Alice Schwarzer dabei rauskommen würde. Insbesondere bei Barth will sogar ich als Zyniker behaupten, dass sich sowas niemand wünschen kann, egal, wie sehr man die Menschen hasst.

Zu den Piraten. Es gibt den guten Hackergrundsatz, dass nicht zählt, was jemand ist, sondern das, was er tut. Nebenbei sind wir ne junge Partei, in der man keine verkrusteten Strukturen aufbrechen muss, sondern selbige einfach gar nicht erst aufkommen lässt usw. – die Argumente dieser Richtung sind ausgiebig vorgebracht worden, brauch ich nicht zu wiederholen. Zwei Sachen will ich nur ergänzen: mich persönlich stören die Piratinnen nicht, weil wenn man sie tatsächlich nicht braucht, wird man das schon früher oder später merken, und wenn doch, dann ists auch recht. Die Geschichte mit dem allgemeinen Fördern von “schüchternen” Mitgliedern gefällt mir an sich aber besser, grade, weil sie eben keine Geschlechterklischees reproduziert.

“When in doubt, do it” sagte ja mal Florian Hufsky, und ich mag den Satz eigentlich gerne. Mit der Begründung ist natürlich Beliebiges begründbar, den seh ich aber grade trotzdem als einen der Sätze, die mir am meisten *für* die Piratinnen sprechen. Wie gesagt, selber seh ich die Notwendigkeit nicht, aber ich lern gern dazu, von allen möglichen Leuten.

Nicht nur in dem Sinn wirds das Internet richten. Das, und dass ich den Text von Rena Tangens für ein gutes Stück von der Wirklichkeit eingeholt sehe, ein wenig Bullshitbingo mit Gender Mainstreaming und Diversity Management und noch ein, zwei Sachen mehr kommen später.

Ach, und Maskulisten sind Vollidioten.

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