Google Places wird MyBusiness: ein paar Learnings vom Hangout

Google Places Hangout

Google Places Hangout

Grade war ein doch recht spannendes Hangout on Air zu Google Places/Google My Business, und nachdem das schon länger eine meiner Hasslieben ist, ein paar spontane Infos und Gedanken zum Thema. Veranstaltet hats Google Partners DACH und spannend wars, nur eben schwer fixiert auf die “Einzel-Places”.

Da wird aktuell zugegebenermassen Ordnung geschaffen. Klar war ja schon, dass die ganze Verwirrung um Places, Plus, Google+Local usw. aufhört und in Zukunft eben über *ein* backend (Google My Business) jeweils *eine* Datenquelle für die verschiedenen Frontends (Maps, Plus, Local) gepflegt wird, die je nach Anzeigeform (als Pin in Maps, als Google Plus-Seite, als lokales Suchergebnis) dann eben mit unterschiedlichen Ausschnitten/Infos angezeigt wird.

Das spannendste schien mir weniger konkretes “Todo/Info” im Hangout, sondern die Art und Weise, wie über den MyBusiness-Eintrag gesprochen wurde. Da hatte man nicht das Gefühl, es geht um einen Adresseintrag mit weiterführenden Informationen, kein “Branchenverzeichnis on Steroids”, sondern das Bild eines MyBusiness-Eintrags scheint mir bei Google das einer richtigen Website zu sein, mit den Features, die man eben auch sonst von “gepflegten Webseiten” erwartet. Google scheint diese weniger als “Maps-Datenquelle” zu betrachten, sondern durchaus wirklich als Alternative bis Konkurrenz der “eigentlichen” Websites. Natürlich auf den eigenen Diensten. Weiterlesen

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Liebe Sprayer: Danke im Voraus!

Aktuell habe ich nämlich einige Hoffnungen auf euch ruhen, bin aber weitgehend sicher, nicht enttäuscht zu werden.

Kommt man auf der A43 von Witten/Sprockhövel aufs ABK Wuppertal Nord zu, dann ist dort seit neuestem eine frisch gebaute Lärmschutzwand. Und nun bin ich sehr für Lärmschutzwände, im konkreten Fall haben sich die Zuständigen jedoch dafür entschlossen, das ganze großflächig schwarz-rot-gold zu gestalten. Zuerst hatte ich beim Baufortschritt die Erwartung, das solle irgendwie “europäisch” werden, aber die paar nicht-nationalgefärbten Bauelemente stellten sich nach weitgehender Fertigstellung als kleine, italienisch gehaltene Exklave zwischen den schwarzrotgoldenen Ost- und Westfronten dar, die, wie auch immer gemeint, nicht mal als Alibi wirklich herhalten kann.

Lärmschutzwand A43, blödes Design

Lärmschutzwand A43, blödes Design

Zu deutsch: es ist zum Kotzen. Man fährt von der Arbeit heim und denkt permanent nach zwei Dritteln der Strecke “Ah, entspannter Patriotismus”. Und nun kommt ihr ins Spiel. Ich bin weitgehend sicher, dass im Großraum Witten/Sprockhövel/Wuppertal einige Leute rumspringen, die mit Freude hier korrigierend eingreifen. Himmel, ich fände es sogar fein, wenn die nationalfarbigen Wände explizit als Übungsfläche noch nicht vollkommen stilsicheren Beginnern verwendet würden. Das wirklich schöne an dieser Vollhorstidee Lärmschutzbeflaggung ist ja tatsächlich, dass die ganze Geschichte ab Fertigstellung an sich nur und ausschließlich besser werden kann und dazu praktisch beitragen kann, wer auch immer eine Dose gerade halten kann. Lernen auf der großen Leinwand des Vaterlandes, Aneignen des öffentlichen Raums, Mutterstadt statt Vaterland, ich finds gut.

Zugegeben, aktuell siehts halt tatsächlich nur zum Kotzen aus. Aber das ist sicher nur temporär, und wie eingangs gesagt: Danke im Voraus!

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Supagolf in Wuppertal, die zweite (bzw. vierte)

Supagolf 4 Gewinnt, 2014 - Bahnenheft

Supagolf 4 Gewinnt, 2014 – Bahnenheft

Wo ich einfach richtig derbe glücklich drüber bin, das ist das Drumrum bei der neuen Bude. Direkt gegenüber ist Utopiastadt, der dev/tal, die Hebebühne und, in deren Kontext, auch dieses Jahr wieder Supagolf. Gestern waren noch nicht alle Bahnen aufgebaut zur feierlichen Eröffnung (ich schätze, das muss halt so) und heute wars etwas regnerisch, aber man kann noch eine ganze Zeit lang nu supagolfen an der Nordbahntrasse (genauer gesagt: jeweils Sa/So bis zum 24.8., Turnier jeweils Sonntags), und ich empfehls gerne weiter.

Supagolf Wuppertal 2014 - Müngstener Brücke

Supagolf Wuppertal 2014 – Müngstener Brücke

Weniger, weil man mit größter Koordination, Präzision und Feinmotorik die derb niedrigen Schlagzahlen an den 18 Bahnen kriegt (dafür ist die Geschichte schlicht nicht gedacht), sondern weils Spass macht und man eine Runde durch ein durchaus schwer interessantes Areal dreht. Außerdem gibts im Hutmacher (meistens, jedenfalls) Flora Mate. Weiterlesen

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Google vergissmeinnicht?

Von Mario rauschte grade der Tweet durch den Feed, der wiederum auf eine der beabsichtigten oder unbeabsichtigten Folgen der “Recht auf Vergessen”-Rechtsprechung Googles hinwies, wie sie nun bei der BBC auftraten. Das ist an sich per se schon scheisse, wie mans ja auch nicht anders erwartete.

Lang nicht mehr gemacht, googlete ich mich nun aber selber mal wieder und war erstaunt.

Egogoogeln, deutsch

Egogoogeln, deutsch

Egogoogeln, .com/US

Egogoogeln, .com/US

Ich wars nicht. Beim oberflächlich die ersten Ergebnisseiten vergleichen seh ich auch nichts, was auf einen Vergessenswunsch einer meiner europäischen Namensvettern zutrifft – Links an sich weitgehend identisch, Rankingunterschiede eher den US/DE-Ausrichtungen der Googleinstanzen geschuldet.

Probe aufs Exempel: Mal Lexat gegoogelt. Dort auch. Noch Randolf und dann noch einen der werten (ehemaligen) K., dito. OK, dachte ich, ists eben bei allem, was irgendwie nach “Name” aussieht, eben per default drin, denn allen genannten traue ich jetzt nicht zu, sich vergessen machen zu wollen, wie auch immer.

Dann aber doch mal auch Mario in die Googlesuche reingeschmissen, und schwupps, kein Löschhinweis. Weil ich grade dabei war, auch noch Franz Beckenbauer und Stefan Niggemeier, und dann noch Olaf Scholz, weils angeboten wurde und ich dachte, OK, das ist ein Allerweltsname, da ist vielleicht ein Namensvetter am Putzen. Überall: keine Löschhinweise von Google. Jetzt bin ich ein wenig verwirrt. Hats mit der Prominenz zu tun? Kann ich mir an sich nicht so recht vorstellen und vor allem – es werden wahrscheinlich auch und gerade bekanntere Namen gelegentlich ein Interesse dran haben, da die Suchhistorie zu begradigen, siehe auch den gelinkten Fall bei der BBC. Hatte ich jetzt Pech mit häufigen Namen? Aber sowohl Axel, Randolf wie auch ich haben jetzt nicht die derben Allerweltsnamen, vor allem nicht grade häufigere als die der getesteten Prominenz. Bernd Liefert lässt filtern. Bernd Krauter auch, und Bernd Lucke, haha, nicht. Person des öffentlichen Lebens per default ohne mögliche Filterungsangabe, Nichtperson des öffentlichen Lebens, ungeachtet des beliebigen Regelns der SERPs zum Namen per default mit? Es ist eigenartig und ich werd nicht schlau draus.

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Hreflang WordPress Plugin – Sprachversionen domain- und blogübergreifend verknüpfen

hreflang- Manager für WordPress

hreflang- Manager für WordPress

Das Hreflang-Tag sagt Google, dass hier ein Web-Inhalt in einer bestimmten Sprache/für ein bestimmtes Land ist, woanders aber auch der gleiche Web-Inhalt in anderer Sprache/für ein anderes Land. Sprich, wer lieber englisch liest, sollte dort lesen, wer aus der Schweiz ist, sollte die für die Schweiz gedachte, andere deutsche Seite nutzen (die dann, nebenbei, auch kein Duplicate Content für Google darstellt). Weiter weiss Google, welche Version in welchem land ranken soll. Kurz: mit hreflang kann man wunderbar mehrsprachige Webauftritte gezielt für Nutzer und Google auszeichnen/aufeinander verweisen und vielleicht auch der einen Instanz ein wenig Reputation der anderen mitgeben. Syntax gibts hier.

Nun ist das in einem “typischen” mehrsprachigen WordPress ein wenig scheisse. Denn hreflang-Verweise gehören in den Head und können nicht “einfach so” in die Posts verpackt werden. Beitrags- und kategoriespezifisch jeweils eigene Head-Einträge zu generieren, die wiederum auf sehr spezifische URLs verweisen müssen, ist nicht wirklich trivial. Kurz dachte ich daher drüber nach, mal wieder mit Template Tags rumzupfuschen, aber das übersteigt a) meine Fähigkeiten und b) wüsste ich nicht mal, obs so auch nur ansatzweise effizient ginge (ich denke, nein).

There is a plugin for everything. In Sachen hreflang für WordPress, auch über mehrere Instanzen, Domains, TLDs hinweg, fand ich an sich nur und allein den hreflang Manager von daext, verfügbar – kostenpflichtig, aber schmale 12 Dollar – auf codecanyon. Einmal gekauft, kann mans unter mehreren WP-Instanzen installieren.
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LGBT Pride Istanbul – Bunte Front und Schwarze Front

LGBT Pride Vordemo in Istanbul, 6/2014

LGBT Pride Vordemo in Istanbul, 6/2014

Tendenziell zufällig trafen wir heute auf eine LGBT-Pride-Vordemonstration in Istanbul und stiefelten prompt mit. “Vordemonstration”, weil der eigentliche Pride Day ist erst in einer Woche. Dafür wars aber klasse – ich tippe auf um die 1000 Leute, die (wahrscheinlich vom Taksimplatz aus) die Istiklal bis Tünel marschierten und trommelten, tanzten und Freude hatten. Verglichen mit Deutschland-CSDs mit erheblich niedrigerem Altersdurchschnitt – was an der Stadt liegt, da ist meines Wissens nach nach wie vor die Hälfte der Wohnbevölkerung unter 30.

Das mit dem Spass und Freude haben ist nicht ganz selbstverständlich, wie wir uns von einigen der Teilnehmenden erzählen ließen. In anderem Kontext stieß ich letztens auf den Wissenbloggt-Text von 2011, wo die Rede davon ist, dass seit Erdogan und dem Aufstieg auch der Nurculuk/Fetullah-Gülen-Bewegung die Situation eher wieder angespannter wurde.

Die Nurci hatte ich als tendenziell toleranter im Hinterkopf, aber es mag an einschlägigen gulli:board-Diskussionen liegen, wo ich vor Jahren eine etwas längere Diskussion zum Thema führte. Ich schweife ab.

LGBT Pride Vordemo in Istanbul, 6/2014

LGBT Pride Vordemo in Istanbul, 6/2014

LGBT Pride Vordemo in Istanbul, 6/2014

LGBT Pride Vordemo in Istanbul, 6/2014

LGBT Pride Istanbul: Man kann sich exponieren

LGBT Pride Istanbul: Man kann sich exponieren

Die LGBT-Bewegung ist in Istanbul, vom grade bekommenen Eindruck her, definitiv angekommen, der kommende Gay Pride sei der vierte und die gefühlte Sicherheit mit den Jahren eher gestiegen. Eine der etwas exponierteren Aktivistinnen sagte uns anschließend, dass sie jetzt natürlich Angst habe, andere wiederum, dass sie sich insbesondere heute gar keine Sorgen machen würden. Es gebe noch Gewalt gegen LGBT, aber tendenziell wirds besser.

Ich kanns nicht beurteilen, mein Eindruck heute war ein sehr positiver – glückliche Menschen auf der Straße, die meist alles andere als verängstigt wirkten, und – was ich für eher noch bedeutender halte – freundliche, fröhliche, amüsierte, neugierige Blicke vom Publikum. Klar – wir reden grade von der Flaniermeile im Herzen Istanbuls, und da ist kein Ton davon gesagt, wie das ganze in Fatih aussieht oder meinetwegen in Bursa oder sonstwo, aber allein, dass es wohl doch vorangeht, dass so viele “out” und damit glücklich sind, ich finds großartig.

Gesetze machen zur Gender-Identität. Alternativ: ficken

Gesetze machen zur Gender-Identität. Alternativ: ficken

Spannend auch (und AFAIK ohne Äquivalent in .de) – die doch recht deutliche Präsenz der Anarchisten. Einige Gruppen von ihnen seien hier auch mit dabei, klar gebe es auch personell Überschneidungen, aber es sei insbesondere eine Soligeschichte, man unterstütze sich da bei gemeinsamen Zielen gerne und gegenseitig. Ich finde das höchst begrüßenswert und sympathisch und zöge auf kommenden CSDs in Deutschland jederzeit einen solidarischen schwarzen Block Veranstaltungen wie LSU und HuK vor. Aber nun, nicht meine Sache. Am Rande: Schild nebenan sagt ursprünglich aus, dass man Gesetze machen muss, die Genderidentitäten berücksichtigen. Die durchgestrichen/korrigierte Lesart weist darauf hin, dass man gar keine Gesetze machen, sondern einfach ficken sollte.

Mir machts – wie oft in dem Bereich – Mut. Es geht an der einen oder anderen Ecke was in eine gute und richtige Richtung, auch und grade in Istanbul.

Update: Playlist mit mehr Videos und Impressionen.

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Noah (Movie): eine Warnung, etwas Genugtuung und ein, zwei Fragen

Noah, nein, besser nicht.

Noah, nein, besser nicht.

Fragt nicht, wie ich dazukam, “Noah” zu sehen. Machts mir nicht nach. Der Film ist schlicht ein großer, dampfender Haufen Mist, wahrscheinlich so groß wie der, der seinerzeit aus der Arche geschippt werden musste. Kein “Monumentalfilm”, keine meinetwegen auch künstlich drübergepackte, gute Story, nur unmotivierte Special Effects an den falschen Stellen, verpasste Chancen, furchtbare Dialoge, schlechtes Schauspiel. Müll, der mich an der IMDB zweifeln lässt (6+-Schnitt bislang, ich versteh die Welt nicht). Aber das Positive.

Ich freue mich unglaublich, dass ausgerechnet die Christenfraktion überhaupt nicht einverstanden ist mit dem Dreck, und über die Gründe, aus denen sie es nicht sind. Dass sich irgendwelche bibelgläubigen Trottel entblöden, in Kategorien wie “das war alles ganz anders”, “sowas gabs gar nicht” zu, hihi, “argumentieren”, das erheitert mich ungemein. Was in dem Kontext auch Spass macht, ist eine Bibel griffbereit zu haben und zu sinnieren, wer da welche Art inzestuöser Beziehung geführt hat und was es mit den “Riesen”, den “Gottessöhnen” und “Menschentöchtern” auf sich hatte, die im Vorfeld der Geschichte irgendwann mal fleißig gevögelt haben müssen.

Warnung check, Genugtuung check, nun die Fragen.

Warum macht ein wirklich guter Regisseur wie Aronofsky so einen Dreck? Ich meine, verdammt, der Mann hat Pi gedreht! Warum macht jemand wie Clint Mansell Musik dazu? Der hat die Mucke zu Pi gemacht!
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Unreal 1 revisited

Im letzten Jahrtausend kam ein Spiel raus, das mir bis heute wegen ein paar Sachen immer mal wieder in den Sinn kam. Wenn man sich die einschlägigen Retro/Reviewseiten anschaut, dann ist die Rede von großartigem Level- und Texturendesign, seinerzeit revolutionären Lichteffekten, toller Atmosphäre und generell einem Maßstabsetzen in Sachen Egoshooter, aber ich erinnere mich vor allem an zwei Sachen, in der Reihenfolge:

  • das Schwindeln, als ich beim ersten Mal Gameplay aus dem Raumschiff kam und den Abgrund mit Wasserfall an der tiefen Bergseeklippe sah (erstes Mal, dass ich bewusst dieses Gefühl bei einem Computerspiel empfand, Himmel, grade find ich noch nen Eintrag von 2008, wo mir das auch schon im Kopf rumging) und
  • die Verwirrung, warum eine 3D-Beschleunigerkarte (die wurde damals separat zur “normalen” Grafikkarte nachgerüstet) das Monitorsignal vom Output der 2D-GraKa abgriff und irgendwie durchschleifte (was macht eine Grafikkarte mit einem fertigen Monitorsignal?
Unreal 1, Patch 227, Raumschiff Level 1

Unreal 1, Patch 227, Raumschiff Level 1

Dann gab es natürlich einige andere Faktoren, die mich immer mal wieder ans “erste Unreal” erinnerten – die Musik, die Erinnerung an die wenigen, aber für die damalige zweit erstaunlich flinken und coolen Gegner, und natürlich das “Wie war da eigentlich der Singleplayer-Shooter?” beim Denken an, zweiter Blast from the Past, gelegentliche Lötlampenaction seinerzeit bei Fliks, dem “Gummischaf”, einer Naali-Warcow, die in Unreal Tournament seinerzeit gegen Ludenspeck, Bestrafer und Konsorten immer eher so mittelgut abschnitt.
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JMStV-Entwurf: Bürgerbeteiligung als Checkbox im Projektplan (Update)

Vor etwas über einer Woche schrieb ich über den “Versuch” des Jugendschutz Sachsen, dem nächsten Anlauf der JMStV-Reform ein wenig Bürgerbeteiligung und öffentliche Diskussion zu gönnen. Ich wollte es mir abgewöhnen, aber kam nicht umhin, nach einigen eigenen Kommentaren und Anmerkungen auf der “Diskussions- und Beteiligungsplattform” das Elend seitdem auch ein wenig interessiert weiterzuverfolgen.

Abendfüllend war das nicht. Erstaunt haben mich die vergleichsweise wenigen Beiträge nicht, denn die Seite ist ein Usabilityalbtraum. Erstaunen sollen hätte mich die komplette Funkstille aus der Gegenrichtung, (UPDATE: auf nachfrage wegen dem kaputten Mailformular erreichte mich Antwort! – siehe unten) allein, man erwartet es ja nicht anders. Aber weil man es anders erwarten sollte, ja muss, nochmal ein Rant. Denn der Start dieser “Beteiligungsplattform” scheint mir als Ziel keineswegs eine Beteiligung irgendeiner Form zu sein, sondern einzig und allein das Häkchen in der Checkbox, das irgendein genervter Projektmanager machen konnte, nachdem ihm von irgendeiner Stabsstelle ein “Wir machen was mit Medien und Internetz, wir müssen da auch so ne Internetz-Plattform haben und so dieses Social-Dingszeug, von dem man grade so viel liest.”aufs Auge gedrückt wurde. Irgend ein armes Schwein von Techie setzt eine Kommentarfunktion auf und packt ein paar Fragen rein, die ein Praktikant irgendwann mal statt Lorem Ipsum in den Projektplan hingetippert hat, damits bei der Präse besser aussieht. OK, läuft, Fire and Forget.

Wie komme ich drauf? Nun, wir haben dort eine Beteiligungsplattform, auf der nach kurzer Zeit Fragen kommentiert, beantwortet und kritisiert wurden. Letzeres durchaus fundiert, wenngleich das nicht immer möglich/nötig war, denn die Fragen sind zu weiten Teilen entweder schlecht, missverständlich oder absurd. Die Probleme der Adressaten mit den Fragen werden nach den ersten paar Kommentaren klar, Reaktion: keine.

Nach diesem ersten Feedback nach Launch schläft die Beteiligung recht vollständig ein. Man *muss* sich als Betreiber fragen, warum, denn einige Premiumchannels haben die Geschichte verbreitet. Heise schrob drüber, Alvar erklärte mit einer mir fehlenden Engelsgeduld die Denk- und Fragefehler, ein Kommentar bei Heise hatte symptomatischerweise mehr Kommentare als alle Fragen und Absätze der Jugendschutz-Plattform zusammen, bei Hyperland meldete sich sogar eine bessere Sockenpuppe fürs Zensurschönreden, und wie gingen die Initiatoren auf die dort stattfindende, auf der eigenen unzureichenden Plattform ausbleibende Debatte ein: Richtig, gar nicht. Warum auch.

Teamwork mit dem Jugendschutz Sachsen

Teamwork mit dem Jugendschutz Sachsen

Nun komme ich nicht aus meiner Haut und nachdem es mir in der Seele wehtut, wenn man ein Thema derart in den Ofen schießt, das an sich Breitenwirkung, Reichweite, gesellschaftliche Relevanz, schlicht alles hat, was man sich als Online-Verantwortlicher einer Plattform wünscht, die gerne mehr Beteiligung und Nutzerinteraktion hätte, da dachte ich, nun ja, frag mal nach.


Hallo,

seit dem Start der Befragungs/Beteiligungsaktion an den geplanten Neuregelungen des Jugendschutzes beobachte ich die Geschehnisse nach anfängiichem Einbringen meiner eigenen Ansichten zum Thema. Nun drängen sich mir einige Fragen auf.

  • Ist geplant, dass sich die Initiatoren der Beteiligungsplattform irgendwann auch an der öffentlichen Diskussion beteiligen? Wenn ja, wann, wenn nein, warum nicht?
  • Mehrere Fragen/Problemstellungen wurden mehrfach als schlecht/irreführend gestellt oder gar als mehr oder weniger sinnlos bezeichnet. Werden hier Erläuterungen/Stellungnahmen folgen, werden andere Rückschlüsse gezogen, z.B. für kommende Aktionen? Wie wird das Problem gehandhabt, dass man mit Fragestellungen arbeitete, die offenbar für einen nicht unbedeutenden Teil der Adressaten unverständlich war?
  • Etwas globaler: ich bin selber in der Onlinebranche tätig und habe viel mit Unternehmen/Institutionen zu tun, die mit teilweise erheblichem Aufwand versuchen, mit ihren Kunden/Interessenten in den Dialog zu kommen und auch weniger “diskussionsanregende” Themen einem breiteren Publikum nahezubringen. Hier wiederum haben wir ein Thema, welches einen Großteil der Bevölkerung betrifft, welches für erhebliche Kontroversen sorgt und an anderen Stellen permanent debattiert wird. Eine “Beteiligung” wird hier zwar angeboten, aber offenbar kaum angenommen und weiter auch in keiner Form von der Iniatorenseite als “Dialog” begriffen, bei dem eben nicht nur die Zuschauer zum Kommentieren eingeladen sind, sondern eben auch ein Rückkanal existieren muss. Haben Sie in irgendeiner Form geplant, ihrerseits über die Kurztexte auf dieser Seite hier mit den Seitenbesuchern und Kommentatoren zu kommunizieren, auf Fragen, Kritik etc. einzugehen?
  • Und zuletzt provokant: Oder handelt es sich bei dieser Plattform nicht etwa um ein Anhörungs- oder gar Beteiligungsangebot an die Bürger mit dem Ziel, tatsächlich zuzuhören, zu beteiligen oder gar mit den sich hier äußernden Bürgern *zu kommunizieren*, sondern um ein Kästchen in der Checkliste eines Projektplaners, in das ein “Bürgerbeteiligung”-Häkchen reingesetzt werden kann und nach Launch dieser Seite reingesetzt wurde und der Punkt damit abgehakt ist? Auf mich wirkt es wie letzteres, und ich weiss durchaus, wie eine Beteiligung von Menschen an einer Diskussion, einer Meinungs- und Entscheidungsfindung ablaufen kann.

Vielen Dank im Voraus für Ihre Antworten und beste Grüße,
Richard Joos
(Disclosure: kommentierend hier als “Korrupt”)

Ins Formular gepackt, Bestätigungsmail an mich-Häkchen gehakt, Captcha ausgefüllt, abgeschickt. Ergebnis: Nichts. Also nicht “Nichts” im Sinne von “keine Antwort”, sondern im Sinne von “Seite lädt neu, keine Versandbestätigung, keine Checkmail an meine eigene Mailadresse wie angegeben”.

OK, ich will ja nicht gleich böswillig vermuten, dass da absichtsvoll was nach dev/null geht. Vielleicht kam sie vielleicht doch an und nur die Bestätigungsmail tat nicht? Einen Tag später nach Check des Postfachs und der Spamordner dasselbe nochmal, nur mit einer Gmail-Adresse. Ergebnis: siehe oben. Weder Bestätigungsmail noch eine Antwort.

Also dann direkt. Betrieben wird das Ganze laut Impressum vom Land Sachsen und einer umsetzenden Agentur (Polidia). Kontaktmails genommen, beide angemailt:


Hallo,

nach Versenden einer Mail über das Kontaktformular https://www.jugendmedienschutz.sachsen.de/sachsen/de/home/contact
erhalte ich trotz gesetztem Haken keine Mailbestätigung. Getestet habe ich das mit einer eigenen Mailadresse (gehostet bei ***, ****@zuviel.org) sowie meiner Gmail-Adresse (r****@gmail.com). Nachdem die Kontrollmail bei mir nicht ankam, ist mir nun natürlich auch nicht bekannt, ob überhaupt meine Mailanfrage irgend jemanden erreicht hat.

Spamordner habe ich geprüft, Captcha wurde korrekt ausgefüllt, nach Klick auf “Senden” lud das Formularfeld ohne weitere Bestätigungen oder Fehlermeldungen erneut.

Inhalt der ersten Mail war


Ergebnis? Meine eingangs gemachte Vermutung, dass jemand das “Diskussionsplattform”-Kästchen im Pflichtenheft abhaken wollte und fürderhin nichts mehr mit diesem komischen digitalen Bürgerbeteiligungskram zu tun haben wollte, verdichtete sich erheblich. Man *will* offenbar auch gar nicht mit irgendjemand in die Diskussion kommen. Eine Kommentarhalde zum Beteiligungssimulation abkippen wird halt aufgemacht, wahrscheinlich freut man sich noch drüber, dass es kaum jemand bemerkt und wenn was passiert, wirds geflissentlich ignoriert, dann legt sich das wieder.
“Teamwork”, my ass.

Update, nachkorrigiert: Nein, es kam doch was zurück:

(grußfrequenzen, Bestätigung des Mailformularbugs)
…Die Plattform hat das Ziel, einen offenen und transparenten Dialog zum Thema Jugendmedienschutz zu ermöglichen. Dabei steht während der Onlinephase der Austausch zwischen den Nutzer(inn)en des Portals im Fokus. Eine Einbeziehung der 16 Länder ist aus zeitlichen Gründen erst wieder in der Auswertungsphase der Online-Konsultation vorgesehen. Die Verantwortlichen in den Ländern erhalten hierzu ein umfassendes Auswertungsdokument, in dem alle Beiträge der Nutzer/-innen miteinbezogen werden. Die im Rahmen des Gesamtprozesses gewonnen Ergebnisse werden in das Novellierungsverfahren des JMStV einfließen. Insofern handelt es sich hierbei nicht um einen „inhaltsleeren Dialog“, sondern um wertvolle Beiträge der Nutzer/-innen und die Ermöglichung eines transparenten Meinungsaustauschs. Der weitere Prozessverlauf wird auf der Website dokumentiert. Darüber hinaus bleiben die Beiträge nach Abschluss der Konsultation noch mindestens ein Jahr online einsehbar.
(/grußfrequenzen)

Ich kann mir nicht helfen, angesichts der erbärmlichen Fragestellung bleibe ich bei meinem Fazit, ergänzt vielleicht um die noch explizitere Verrmutung, dass wirklich nichts herauskommen *soll*. Ende Update.

Es ist zum Kotzen auf mehreren Ebenen. Nicht, das ich mit was anderem groß gerechnet hätte, aber dass es so schlimm aussieht und was da an Chancen und Möglichkeiten offenbar aus schlichter Ignoranz und Inkompetenz vertan werden, das ist nicht mal mehr 2004, das sind finsterste Neunziger. Aber dass der Jugendschutz mit jeglicher Art der Modernität ein Problem hat, nun ja, geschenkt.

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Sorgenfrei das Internet entdecken

Damit fängt eine neue alte Schwachsinnigkeit an, die einmal mehr vom Jugendmedienschutz ersonnen wurde. Man sollte meinen, sie hätten irgendwas gelernt, aber nein, es ist so schlimm wie anno 2011. Damals hatte ich noch versucht, ein wenig konstruktiv zu bleiben, aber wenn ich den koketten Fladen sehe, den der Jugenschutz Sachsen ins Internet geschissen und anschließend “Partizipation” benannt hat, fällt mir das Konstruktive schwer. “Der Jugendschutz ist ein hochkomplexes Thema, welches keine einfachen Antworten zulässt”, so weit, so platt, und dann folgt mit “Damit junge Menschen trotzdem sorgenfrei das Internet entdecken können, sind wir auf Ihre Beiträge gespannt.” schon alles, was man wissen muss, um die ganze Truppe als die Vollidioten zu erkennen, die sie offensichtlich sind. Danach wirds schlimmer.

Ich hab sehr großen Respekt vor Torsten, der es auf Hyperland schafft, da a) gelassen zu bleiben und b) sogar zu versuchen, den groben Schwachsinn in ansatzweise verständliche Gedanken zu formulieren.

“Wie sinnvoll ist eine Sendezeitbeschränkung im Internet? Müssen soziale Netzwerke ihre Dienste jugendfrei halten? Und: Sollen sich Jugendschützer auch um Extremismus im Netz kümmern? Mit diesen Fragen wendet sich die sächsische Staatskanzlei nun an die Bürger.”

übersetzt er, und ja, sowas könnte gemeint sein mit Fragen wie den folgenden: Weiterlesen

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