Ein Dank an Johannes und was zu Vorbildern, Depression und Achtsamkeit

Seit ich von Johannes‘ Tod erfahren hab, treibt es mich um und nun denk ich, schreibs ins Netz. Meine Bekanntschaft mit ihm war eher lose, aber wie er dann doch sehr oft irgendwie da war, fiel mir jetzt erst richtig auf. Entschuldigt, wenn ich jetzt auch viel über mich schreibe, es gehört zur Sache, um die es mir geht, und ich glaube, es zeigt vielleicht auch ein kleines Beispiel dafür, wie gute Menschen wie Johannes im Netz vielleicht ganz unbemerkt zu guten Sachen beitragen.

Getroffen hab ich ihn als „ersten Kunden“, den ich im Netz je hatte: die GLS ließ 2009 bei Fliks SEO machen, ich saß irgendwann bei ihm und anderen in der GLS und erzählte, wie der 1Password-Artikel bei Macnotes auf Platz 4 kam und warum „Kartoffel macht der Motor“ durchaus eine optimale Überschrift sein kann. Seitdem war man in den diversen Channeln befreundet, lief sich gelegentlich auf den diversen Events über den Weg, in erster Linie verfolgte ich aber via Netz, was er so machte. Direkt kommuniziert hatten wir nicht viel – letzte Woche noch zu seinem Speaker-Interview auf koks.digital kommentierte ich endlich den „überfälligen Respekt“, den ich mal abladen müsse bei jemandem, der mit so unfassbar viel Herz im Netz unterwegs ist.
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Voice Search SEO: Sprachsuchen-Gedanken zu Siri, Cortana und Co.

Die Roboter werden uns nicht immer retten.

Die Roboter werden uns nicht immer retten.

Im Seo-Stammtisch Ruhrgebiet (Am Rande/vorweg: am 26.8. ist koks.digital!) schmiss ich die letzte Zeit immer mal wieder rein, was mir zum Thema Sprach-Suchanfragen/Suchen via Siri, Cortana, OK Google usw. über den Weg lief und es wird Zeit, dass ich mir mal meine eigenen Gedanken mache. Irgendwie ists so ein „schwebt über den Wassern“-Thema, viele halten es für wichtig (mich eingeschlossen), manche sehen das „nächste große SEO-Ding“ (ich weiss nicht recht) und keiner weiss so genau, wie und was da überhaupt funktioniert oder funktionieren soll (ich nicht so recht oder, um eine gewagte These vorwegzunehmen: wir werden diesbezüglich eh alles weiter so machen, wie wir es vernünftigerweise bereits tun).

Es begann Anfang des Jahres, als ich eine Sprach-Suchanfrage in eTracker oder Analytics wiederfinden wollte, um zu sehen, was für Begriffe da gesucht/übergeben wurden. Siri sucht über Bing, und die KW laufen unter „not provided“, man findet den Traffic/den Aufruf, aber nicht, was der Suchterm war. Das schien erst mal ärgerlich, ich vermute aber, es ist tatsächlich egal. Seitdem geht mir das Thema nach. Wie sieht die „allgemeine Durchdringung“ aus?

  • Mobilsuchen überholen Desktopsuchen: 2015 (Google).
  • Die nächste Generation schickt sich keine Whatsapp-Nachrichten mehr, sondern Sprachmemos (jaja, und Snaps, geschenkt): 2016 (anekdotischer Bericht von Axels Kids).
  • Siri, Cortana&Co. zeichnen für 10% aller Suchanfragen verantwortlich (2016, Mindmelt, laut lsainsider)
  • Die Menschheit geht unter, wenn es keine Local Search mehr gibt (2016, Searchengineland, 2505, Idiocracy)
  • Voice Search tötet das Keyboard: schon 2014 haben über 50% Teenies und über 40 der älteren VoiceSearch verwendet, 45% der Teenies wünschen sich, in der Zukunft sprachgesteuert Pizza zu bestellen. (2016, Searchenginewatch).
  • Q1-Zahlen 2016 mit weiter steigender Sprachassistentennutzung (2016, auch MindMelt).
  • Karl predigt schon seit 2013, dass das das nächste Ding ist.(2016, behauptet Christian)

Sprich, wir haben schon die ganze Zeit zweistellige Prozente an Voice Search in unseren Suchstatistiken und merken nichts bis wenig davon. Continue reading

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Google Street View 360°-Bilder für Places selber machen, iPhone-App

Ich weiss nicht, seit wann es nicht mehr das Privileg der „google-akkreditierten Fotografen“ ist, 360°-Bilder zu Places/MyBusiness-Listings zu machen. Obs indoor auch in Eigenregie geht, hab ich noch nicht ausprobiert, aber dass man das einfach per iPhone-App (alternativ Android) selber machen kann, schien mir neu. Mir fiels konkret nach dem Urlaub nun auf. Und verdammt, grade google ich nach und stelle fest: jepp, Mai 2016 wurde die App aktualisiert und an sich gehts schon verdammte zwei Jahre.

Das macht mich grade etwas fertig, aber ich habe die Vermutung, dass ein Feature bis vor kurzem gefehlt hat, um das wirklich einigermassen leicht/spontan zu machen: Bereiche verpixeln. Seit der aktuellen 2.2.0 8 (iTunes) bzw. (PlayStore) geht das aus der App raus und scheint den „hey, macht man eben mal kurz“-Aspekt drastisch verbessert zu haben.

Man knallt das Ding aufs Smartphone und startet die App.

StreetView-App starten, gelbes Plus antippen

StreetView-App starten, gelbes Plus antippen

Kamera als Bildquelle auswählen

Kamera als Bildquelle auswählen

Nun muss man ruhig stehenbleiben und die Kamera nach Möglichkeit immer am selben Punkt halten, die nacheinander erscheinenden gelben Punkte ringsum, unten und oben fokussieren und die Kamera auslösen lassen. Je ruhiger, desto sauberer das Ergebnis.
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Kobo Glo HD Ebookreader, Linux und die Ebook-Synchronisation

Long story short: bedingt gescheitert. Einfachste Möglichkeit: die ePub-Sammlung auf einen Heim-Webserver und dann einfach über den Glo-Webbroswer importieren. Und die AfD ist ein Haufen Arschlöcher.

Long Story Long: der Glo HD von Kobo scheint (wie viele eBook-Reader) außerhalb der eigenen Shop-infrastruktur ein empfindliches Pflänzchen zu sein. Wir hatten ihn ausgeguckt, weil er doch ein breites Angebot an Formaten unterstützt, schöne Auflösung und Akkulaufzeit mitbringt und das ganze zu einem sehr vertretbaren Preis. Mitgespielt hat auch so ein vages „Kindle, nee“, und „Tolino, nee“. Und die AfD ist ein Haufen Arschlöcher, ich komm später dazu.

Der Kobo Glo HD. An sich nicht verkehrt. Aber.

Der Kobo Glo HD. An sich nicht verkehrt. Aber.

Der eine bekannte Haken am Kobo Glo HD: man muss ein Kobo-Account anlegen und das Teil mit dem Kobo Desktop aktivieren. Wenns sonst nichts ist. Nur: das geht nur unter Windows (oder Mac). OK, ein Einmalding kann man sich gefallen lassen. Es steht ja ne Windowskiste rum. Anschließend sollte man den Glo an eine beliebige Kiste rannhängen können, USB-Medium *sollte* gemounted werden, man wirft einfach das .epub der Wahl ins Stammverzeichnis, und das Ding frisst es. Das funktioniert hier auch tatsächlich – unter Windows.

Unter Linux häng ich das Teil an und zunächst passiert nichts. Ich schaute via lsusb, ob da was ist (nein), dann hing ich ihn wieder an Windows, warf ein paar ePubs in das Stammverzeichnis, ok, tat. Dann hing ich ihn wieder ans Linux, da mountete sich ein Wechseldatenträger. Yeah! Vor lauter Enthusiasmus Calibre gar nicht erst gestartet und ein paar Ebooks über den Dateimanager drauf, abgestöpselt, Reader ist leer. Keine Bücher in der Bibliothek. OK, Werksreset, von vorn. Continue reading

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Die Roboter werden uns nicht retten

Ich hätte Franks Artikel in der FAZ nicht gelesen, aber Noxymo stupste mich drauf und in der Folge musste ich mir ein paar Gedanken machen.

Kürzestraffung Frank: die Maschinen/Roboter/Algorithmen werden unsere Arbeitswelt künftig schneller umkrempeln, als das Dampfmaschine, Agrarrevolution oder Elektrifizierung je gekonnt haben, alle Arbeits- und Gesellschaftsbereiche stehen vor einer drohenden? zu erhoffenden? Automatisierungswelle, die auch und gerade die „nur von Menschen zu machende Aufgaben“ durchfluten wird. Wir brauchen schnellstens Strategien, um die damit einhergehenden Umbrüche in der Organisation von Arbeit/Verteilung von Gütern noch rechtzeitig aufzufangen. Lösungen: Maschinensteuer und Grundeinkommen.

Kürzestraffung Noxymo: Frank pickt sich grade ein paar Hype-Rosinen aus dem allgemeinen Fluss der Weiterentwicklung, um eine allgemeine Bedrohungslage auszurufen, prognostiziert von mehreren möglichen Disruptionsfeldern auf eine sicher kommende, allgemeine solche und ignoriert einen festen, wenn nicht gar wachsenden Bedarf an menschlicher Arbeit. Eine „Maschinensteuer“ ist in dem Kontext eine technokratisch gedeutete Vermögenssteuer, die man idealerweise gar nicht erst abgeschafft hätte. Angesichts einer anzustrebenden Mehrbesteuerung von Vermögen und einer geringeren solchen von Arbeit und Konsum bewegen wir uns hier aber tatsächlich seit Jahrzehnten in die völlig falsche Richtung.

Kürzestfassung ich:
mir scheint, dass Noxymo seine Punkte durchaus richtig macht. Es fehlen aber ein paar, die man auch noch machen sollte.

Irgendwie symptomatisch scheint mir Franks Rede von der Automatisierung der Produktion. Er sollte es wissen, dass die, Zitat er, „Automatisierung und Flexibilisierung der Produktion“ in keiner Weise „zunehmend“ ist, sondern schlicht und ergreifend schon lange da. Ich frage mich überhaupt, warum er in der Metaphorik der Industriegesellschaft spricht, wobei es ihm aber bei der diagnostizierten Disruption auf den Punkt gebracht eben um den Umbruch der Dienstleistungsgesellschaft geht, denn er redet praktisch nur von Bedrohungen des Dienstleistungssektors. Ich erlaubte mir ein STRG-F über seinen Text (btw., mich würde interessieren, wieviele Dienstleistungsjobs allein STRG-F überflüssig gemacht hat), und stieß auf *einen* Treffer bei nicht ganz ausgeschriebenem Wort: „…Sportreportagen etwa lassen sich aus den von spezialisierten Dienstleistern bereitgestellten…“.
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Kubuntu 16.04 – nach Login-Loop und Install-Freeze nun alles gut

Hmm, hmmm. Vorab: ich bin definitiv kein System-Setup-Guru und bisher durchaus glücklich mit den Kubuntu-Variationen auf der dicken Kiste (L/Xubuntu ist mir auf den Kleinen lieber). Updates waren bisher nie nen Act (ich meine, ich komm von 14.04) und brauchten, haha, höchst selten reboots :) Ein frisches LTS mag ich dann auch doch schnell daheim haben, und wenn das folgende „Ich rannte in ein etwas spezifischeres Problem, ging dann aber alles gut“ wem hilft (oder den Tag mit einem „Haha, Korrupt, du Vollhonk, wär alles viel einfacher gegangen, wenn bla“ versüßt), dann ists ja auch gut.

Von der 15.10 aus den angebotenen Distro-Upgrade auf 16.04 LTS über Muon angestoßen. Es lief alles an sich okay durch, die Konsolenmeldungen beim Update auf der 15.10 ließen auf nichts schlimmes schließen (Dependencyprobleme wegen noch nicht neu installiertem systemd), bis dann beim angezeigten Setup von libaccounts-glib der Updateprozess hing. Und hing. Und hing. Kein Zombie oder gestoppt via top, er machte einfach *nichts*.

Irgendwann wollte ich ihn dann abschießen (alles andere lief). Schließen ging nicht, kill ging nicht, ok, Neustart. Stellt sich raus, dass tatsächlich praktisch alles schon auf 16.04 war. Kiste fährt hoch bis zum Plasma-Login, da konnte ich mein Pass eingeben, Screen wird kurz schwarz, dann kam der Login wieder. Google nach Kubuntu login loop empfahl das Umbenennen der (wahrscheinlich kaputten) .Xauthority – also Strg-Alt-F1 zur Konsole, anmelden, mv .Xauthority .Xauthority.old und Strg-Alt-F7 zurück zunm grafischen Desktop.

Ergebnis: wie gehabt. Es war witzig, ich konnte mich auf beiden Bildschirmen separat versuchen anzumelden, mit dem richtigen Pass kam der Loop und mit einem falschen ein Fehler.

Reboot mit erweiterten Optionen und altem Kernel/Recovery brachte nichts. Wenn ich in Recovery versuchte, die Installation via dpkg zu reparieren, hing das System bei der Einrichtung der Ausgabe für Braillezeilen. Strg-C brach das ab und ließ einiges weitere durchlaufen, aber im Ergebnis landete ich wieder im Loginloop.

Lösung war, von dort wieder Strg-Alt-F1 Konsole, sudo su, passwort und mit apt-get update/apt-get upgrade die Installation dann (erfolgreich) abzuschließen. Er installierte da noch eine Portion Sachen nach, einiges Plasmabezogene (da schöpfte ich Hoffnung) und nach Vollendung hieß es dann einfach rebooten.

16-04 LTS. Der Weg war leicht geröllhaltig.

16-04 LTS. Der Weg war leicht geröllhaltig.

Und nun ists da und sieht fein aus. Ein wenig am Kleinscheißmachen bin ich noch, mit kaccessibleapp installiert sich ein Screenreader fix im Tray, den kriegte ich nur mit apt-get remove kaccessibleapp weg, aber dann war er auch weg. Ansonsten alles wie gehabt, gefühlt sind die NAS-Freigaben derb schneller im Dolphin, aber das lässt sich nach der Neustarterei grade schwer sagen.

Wenns wem hilft, fein.

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Porn-Nachträge: Ein Nachruf und Makelovenotporn

RIP, Miss Coral Korrupt

Den (sehr späten) Nachruf zuerst: MsCoralKorrupt ist tot. Letzes Jahr ergab sich durch die Verkettung nicht unbedingt zusammengehörender Umstände, dass ich was für ihre Krebstherapie spendete, und eine Weile kriegte ich mit, dass alles schwierig, aber nicht ganz hoffnungslos sei, und dann hatte ich sie nicht mehr wirklich auf dem Schirm. Sie starb letzten Juni. Ich kann mir nicht helfen, es gingen nur zwei Tweets hin und her, das war an sich alles, aber es macht mich traurig. Und so trivial es klingt: ein so endender Twitterfeed macht mich beklommen – einige sehr endgültige 140 Zeichen, und dann der zynische Nachtrag von den Sale-Scripten.

Make Love, not Porn: Pornmythen dekonstruieren

Ich war am ein, zwei Sachen nachrecherchieren, die im Zuge der Jugendarbeits-Konferenz am Freitag zur Sprache kamen: mich störte, dass es keine wirklich (mir?) bekannte Pornmythen-Dekonstruktionsseite gibt, die, sagen wir mal, FSK16-mäßig einfach zum schnell wo reintwittern, weitergeben, empfehlen taugt, wenns notwendig wäre. Mit der Einschränkung: es gibt eine, auf Englisch, und es ist ewig her, dass ich auf sie gestoßen bin und sie fiel mir danach nie wieder ein. Das Thema ist schwer googlebar, nun fällt mir beim Alt-Texte nachgucken, dass ich sie bereits schon mal verlinkt hatte: die Porn Myths-Dekonstruktion von Makelovenotporn.

Porn vs. Realität

Damals schon moniert, hier per Deeplink übersprungen: die Seite hat eine „Bist du 18?“-Abfrage. Ich bin mir weiterhin sicher, die „Myths“-Sektion ist seitdem nicht angefasst worden. Himmel, es sind zehn Punkte, die schon eine ganze Menge abdecken, aber ich wüsste aus dem Stand nochmal so viele. Klar, um den Punkt „in echt ists anders“ zu machen, reicht es ja aus und man darf ja gern auch irgendwann anfangen, selber zu denken, aber ein wenig schade ists schon, dass das dabei stehenblieb an der Stelle. Continue reading

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Fachtagung Jugend und Pornografie in Tübingen: Pädagogen raten zur Gelassenheit

Es ergab sich, dass ich einen Vortrag zu Pornmarketing im Internet auf einer Fachtagung für Jugendpädagigik an meiner alten Studienstätte halten durfte, dem IfE in Tübingen. Weiter bin ich stolzer Besitzer eines Monsterdildos. So lag der folgende Gedanke nahe: hält man mal einen Fachvortrag in der ehrwürdigen Alten Aula in Tübingen und hat dabei einen Monsterdildo auf dem Rednerpult stehen, dann hat man die Uni schon irgendwie durchgespielt (oder zumindest ein ziemlich geiles Achievement).

Uni durchgespielt: Vortrag mit Monsterdildo

Uni durchgespielt: Vortrag mit Monsterdildo

Ungeachtet schöner Accessoires: ich glaube, das war eine der erfreulichsten Veranstaltungen in Richtung Jugend- und Medienpädagogik, die ich seit langem erlebt habe. Ein unverkrampftes und sehr konstruktives Herangehen an die Fragestellung (ich sag bewusst nicht „ans Problem“), und das fing schon damit an, dass die von mir durchaus verehrte Nicola Döring einen feinen Eingangsvortrag hielt, der mit dem Wunsch garniert war, Schlagzeilen der Art „Pädagogen alarmiert: Jugendliche $whatever“ seien meist weder von Nutzen noch von unbedingter Faktizität.

Gegen Mittag überzog ich dann meine halbe Stunde mit einem foliengewittrigen Input zum Thema, wie Porn ins Netz kommt, was es für verschiedene Angebote, Monetarisierungs- und Vermarktungsmodelle gibt, einen Einsteiger-Rundumschlag eben von den großen Tubes über Affiliatemarketing, Amateurseiten, Sexdates etc.pp. und wie und wofür jeweils eben die Kohle fließt. Warum nun dies auf einer Pädagogik-Fachtagung?

Ich glaube, es fing mit dem Bericht vom HAR-Hackercamp 2009 an, als ich ein spannendes Gespräch mit einem der Techies von Pornhub hatte. Darüber gabs auch einigen Austausch mit Ex-Kommilitonen, die inzwischen in der Jugend- und insbesondere Jungenarbeit tätig sind, und man sprach immer mal wieder, wie so die jeweilige Perspektive auf Porn ist, einmal Jugendarbeit, einmal Onlinemarketing. (Nicht nur) Jugendlichen sei nicht immer klar, wie es käme, dass eben so viel Porn für lau im Netz stünde: wenn das keine „Just for Fun“-Pornclips von freizügigen, wahlweise sexuell verwahrlosten Exhibitionisten seien, warum wären sie dann alle für lau? Wenn das großteils Profizeug ist, warum kostets nichts? Wenns geklaut ist, warum tut niemand was dagegen? Und ich muss zugeben, diese Fragen triggern mich durchaus, denn was als „normal“ gilt/als „normal“ inszeniert wird oder wie neue „Normalitäten“ entstehen, beschäftigt mich eigentlich schon immer, auch und gerade im Bereich Sexualität. Diese „Gegenüberlegung“, dass ein höchst artifizielles Format wie Porn eben auch als gewissermaßen „normal“ wahrgenommen wird, weil wenns artifiziell/kommerziell wäre, gäbs es doch nicht in dieser Menge im Netz – diese Frage ist mir so noch nicht in den Sinn gekommen. Klar, Betriebsblindheit, man weiss ja, wies funktioniert, aber ich kanns niemandem verdenken, dass man da eben nicht draufkommt und die Vermutung hat, dass man bei vielem der Onlinepornangebote eben Lieschen Müller von nebenan bei ihrer Gangbangparty sieht und die typische sexuell aktive Frau von heute einen Schwanz im Arsch braucht.

Pädagogik gelassen: Die Jugend verdirbt nicht

Stellte sich raus: Die Generation Porn gibt diesbezüglich wirklich keine großen Anlässe, die moralisch zersetzende Kraft der Onlinepornografie zu beklagen. Die Statistiken zeigen in die andere Richtung: in Sachen Verhütung seien die Wissensstände international vorbildlich, die Maßzahl der Teenagerschwangerschaften erfreulich gering. Continue reading

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Nazidemo Wuppertal: vor diesen Arschlöchern soll die Politik einknicken?

Eine Handvoll Nazis hatten sich am Wochenende in Remscheid und in Barmen zum Affen gemacht, und wir waren in Barmen vor Ort. Pro Deutschland hatte mobilisiert versucht, eine Demonstration auf die Beine zu stellen und wir fragten uns zwischenzeitlich, obs nicht doch eine False Flag-Aktion der PARTEI war, um die rechten Vollidioten lächerlich zu machen, denn das war es auf den ersten Blick: lächerlich.

Pro Deutschland-Vollidioten, eins

Pro Deutschland-Vollidioten, eins

Keine zwei Handvoll rechter Deppen, denen die Stumpf- und Dummheit ins Gesicht geschrieben stand (drin bevor „aber nicht alle Nazis…“: es war verdammt noch mal so) liefen mit etwas Verspätung auf, bauten sowas wie einen Stand, und als wir schon dachten, das wars, wuchs das Häuflein dann auf die Endanzahl von so 20, 30 an.

Von den Reden war nicht viel zu hören, es wird nicht schade drum gewesen sein, und man hätte drüber lachen können, wenns nicht a) eben der Versuch war, gezielt zu provozieren, um sich dann mal wieder als arme Opfer zu gerieren, zum anderen die Bullen bei einem der Anwesenden dann gleich auch ein Messer beschlagnahmt hatten und zum dritten, Gipfel der Dummheit, bei der Remscheider Demo der eine Hogesa-Messerstecher vom AZ gesehen wurde, der als einziger der Drei nur ne Bewährung gekriegt hatte. Continue reading

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Weltkunst im von-der-Heydt-Museum, „Flüchtlingskrise“ und umfallende SPD

Das eine führt irgendwie zum anderen, überhaupt ist ja alles mit allem anderen verbunden. Im von-der-Heydt-Museum in Wuppertal läuft noch einige Zeit eine Weltkunst-Ausstellung (Vorsicht! Sound-Autoplay!), in der aus wirklich sehr verschiedenen Ländern und Kulturen Kunstwerke gezeigt werden, die a) von den von der Heydts gesammelt und b) ansonsten über einige europäische Standorte verteilt sind. Ich bin jetzt gar nicht so der Kunstmensch, aber mir hats gefallen und ich empfehle hiermit weiter.

Intererssant auch einige Exponate, die sich mit der NS-Geschichte des Wuppertaler Kunstmäzens beschäftigen. Extremstkurzfassung: vorgeworfen wird vdH gerne, die Notsituation zahlreicher jüdischer Kunstsammler ausgenutzt und Sammlungen zu höchst günstigen Konditionen erworben zu haben. Hinzu kommt ein zeitweiliger Parteieintritt, die er wohl aber „als Irrtum“ wieder revidierte. Ich bin geneigt, ihm das abzunehmen: da ist ein durchaus fein- und kunstsinniger Mensch mit durchaus progressiven Sicht- und Lebensweisen erkennbar, dem auch beispielsweise anzurechnen ist, dass er einiges an „entarteter Kunst“ vor der Vernichtung durch die Nazis retten konnte. Eine Opportunistenkeule wird man reinen Gewissens schwingen können, aber ich denke, die Keulen haben an sich zuerst mal andere verdient.

Einiges der Naziideologie Verhasste fand er wohl ganz öffentlich ganz fein – sei es ganz allgemein kulturelle Vielfalt, Internationalität oder Modernismus, und in dem Kontext sind neben den einschlägigen Malern eben auch einige Bauhausexponate im Museum zu sehen. Diese wiederum waren mir Anlass, später nochmal die Bauhaus-Geschichte in der Wikipedia nachzuschlagen. Und was findet sich dort zu lesen?

„Ab 1930 leitete der Architekt Ludwig Mies van der Rohe das Bauhaus in Dessau. 1931 gewann die NSDAP die Gemeindewahl in Dessau und setzte 1932 die Schließung des staatlichen Bauhauses durch. Die KPD stimmte dagegen, die SPD enthielt sich.“

Ich las den Absatz und musste sehr lachen. Dem FSM sei dank, ich bin ein zynisches Arschloch und muss auch lachen, wenn heute die SPD die Humanität der Entscheidung feiert, im Fall von in .de gestrandeten Kindern aus Bürgerkriegsgebieten im Einzelfall prüfen zu lassen, ob ein eventueller Härtefall vorliegt, der möglicher-, aber nicht notwendigerweise durch das Nachkommen ihrer Eltern gelöst werden könnte. Und nun mag es vielleicht unpassend wirken, dass ich auf sowas ausgerechnet mit Lachen reagiere, aber ich bitte zu bedenken: alle mir einleuchtenden Alternativen sind mit erheblichen strafrechtlichen Konsequenzen belegt.

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